Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 24

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe mit der Sängerin Monika Herz fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

Monika Herz

 Der "Kleine Vogel" machte sie populär

Monika im Jahr 1979

Fotos: Dittmann, Archiv

 

„Schön, euch mal wieder zu sehn“ – dieser Titel aus dem Jahre 2003 könnte symbolisch für einen Neuanfang stehen. Denn die beliebte Schlagersängerin, die zu DDR-Zeiten wohl jeder kannte, hatte sich fast 15 Jahre von der Bühne zurückgezogen. Grund war ihr Sohn David (heute 23). „Als David 1989 zur Schule kam, wollte ich nur für ihn und die Familie da sein“, erinnert sich Monika Herz. „Da konnten und wollten wir ihn nicht mehr ständig zu den Großeltern nach Letschin bringen, wenn es auf Tournee ging.“ Hinzu kamen gesundheitliche Probleme wie ein Hörsturz. 

Doch Monika wusste schon damals: „Irgendwann möchte ich zur Bühne zurückkehren.“ So verfolgte sie von zuhause aus – dem idyllischen Grundstück der kleinen Familie in Schöneiche bei Berlin – was sich in der Branche tat, schrieb quasi im stillen Kämmerlein Texte und ließ sich dafür passende Melodien einfallen. „Schuld“ an ihrer zweiten Karriere sind Uwe Jensen, der sie zu „Wiedersehen macht Freude“ zum MDR einlud und nicht zuletzt Sohn David. Der inzwischen erwachsene, musikalisch talentierte Sohn hatte, nachdem er Abi und Zivildienst absolviert hatte, die Idee, gemeinsam mit seiner Mutter aufzutreten. Im Studio entstanden erste Titel – der eingangs genannte oder auch „Ich bin stark durch deine Liebe“.

Monika sang mit ihrem Sohn David im FFM

Mutter und Sohn haben sich mittlerweile ein gemeinsames Repertoire mit eigenen, nationalen und internationalen Titeln erarbeitet, das vom Volkslied über Schlagermelodien bis zum Country reicht. Es gab erste gemeinsame Fernsehsendungen und inzwischen zahlreiche Auftritte bei Live- Veranstaltungen landauf landab. So auch jüngst im Mai zur „Sonntagsmatinee“ auf der Bühne des Freizeitforums Marzahn. 

„Die Monika hat sich ja gar nicht verändert, die sieht noch genau so aus wie damals“, flüsterte mir mein Platznachbar ins Ohr. Der Mann hat Recht. Die 54 nimmt man der schlanken Sängerin mit dem strahlenden Lächeln und den langen dunklen Haaren nicht ab. Ihre Fröhlichkeit, die sie auf der Bühne verbreitet, ist ansteckend. 

Ihre positive Energie schöpft die Sängerin aus ihrer Einstellung zum Leben, ihrer Liebe zur Natur, zu den Tieren, zu ihrer Familie (mit ihrem Partner Dieter Frikell ist sie seit 24 Jahren verheiratet) und zu Gott („Ich bin ein religiöser Mensch.“). Ihre Mutter brachte ihr bei, stets positiv zu denken. „Für mich ist das Glas Wasser immer halb voll, niemals halbleer“, erklärt sie ihre Sicht auf das Leben. Die Sängerin glaubt ganz fest an die Kraft positiver Gedanken. „So habe ich auch meinen Hörsturz überstanden. Ich habe festgestellt, dass man mit seinem Kopf, seinen Gedanken Selbstheilungskräfte aktivieren kann.“ Kraft schöpft die auf der Bühne quicklebendige, temperamentvolle Sängerin auch in der Ruhe – beim Lesen oder in der Natur. „Angeln ist meine heimliche Leidenschaft“, gesteht sie. „Es ist so beruhigend.“ 

In ihrem „früheren Leben“ ging’s da eher turbulent zu. Schon mit 15 hatte die gelernte Dekorateurin ihre eigene Band. Während ihrer Lehre in Eisenhüttenstadt gehörte sie zum EKO-Ensemble. Damals lernte sie namhafte Autoren der Unterhaltungsbranche kennen wie Rudi Werion, Arndt Bause oder den Texter Dieter Schneider, der später solche Hits für sie schrieb wie „Kleiner Vogel“ oder „Charlie ade“. 1972 legte sie den Berufsausweis als Schlagersängerin ab. Seitdem ging es stetig bergauf. Es gab kaum eine Fernsehsendung, in der Monika Herz nicht vertreten war – vom „Kessel Buntes“ über „Da liegt Musike drin“ bis zu „Einmal im Jahr“, „Schlagerstudio“ oder „Oberhofer Bauernmarkt“. Dass ihre einstigen Fans der Sängerin über all die Jahre treu geblieben sind und viele neue dazu kamen, zeigt nicht zuletzt die große Resonanz und die Sympathie des Publikums, die Monika Herz bei ihren Auftritten heute spürt. Und das hat nicht allein mit dem Gesang, sondern auch mit ihrem natürlichen Charme, ihrer Freundlichkeit und ihrem offenen Wesen zu tun. 

Ingeborg Dittmann