Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 47 

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit der Jazz-Sängerin Uschi Brüning  fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Uschi Brüning

 

Eine Sängerin von Internationalem Rang

 

Zu den schönsten Amiga-Aufnahmen von 1971 bis 1990 gehört ein Titel, welcher der Jazzsängerin Uschi Brüning beim Dresdner Schlagerfestival 1972 den 2. Platz einbrachte. Das will was heißen, wenn ein Titel, gesungen von einer jungen Interpretin, die in Schlagerkreisen eigentlich ziemlich unbekannt war, solch einen Preis einheimst. Offenbar konnte schon damals die Jury dem gesanglichen und interpretatorischen Können einer Uschi Brüning nicht widerstehen. Genauso wie die Musiklegende Klaus Lenz. Der fand die Sängerin schon mit 20 „unglaublich gut“.

 

Doch nicht der Schlager ist das Feld der am 4. März 1947 in Leipzig geborenen Gerichtssekretärin und ausgebildeten Gesangssolistin, die ihre ersten Bühnenerfahrungen als Gitarristin in verschiedenen Leipziger Amateurbands sammelte. Ihr eigentliches Metier ist der Jazz, die freie Improvisation, bestenfalls noch der Blues, der Soul. Ihre Karriere begann Anfang der 70er, als sie mit Manne Krug und der Klaus-Lenz- Big-Band unterwegs war und mit dem Günther- Fischer-Quintett. Mitte der 70er gründete sie ihre eigene Band – „Uschi Brüning & Co“ und war auch in das legendäre Programm „Jazz-Lyrik-Prosa“ integriert. Seit Anfang der 80er Jahre verband sie eine enge musikalische Partnerschaft mit Ernst- Ludwig „Luden“ Petrowsky, einer Legende des Jazz und am Saxophon, der vor rund 30 Jahren auch ihr Ehemann wurde. Mit ihm und Kollegen wie Klaus Koch oder Helmut „Joe“ Sachse unternahm sie zu DDR-Zeiten Tourneen in die Sowjetunion, nach Frankreich, Großbritannien, Griechenland, nach Indien, in die Schweiz oder die BRD.

Uschi Brüning war 1980 (li. oben) bereits weit über die Grenzen des Landes hinaus berühmt. Und so singt sie noch immer, mal allein, mal – wie seit Jahren – mit Manfred Krug (Mi.). Mit den langen Haaren, der getönten Brille und der umwerfenden Figur (li.) war Uschi der Schwarm tausender Jungs und Männer.

Fotos: nl-Archiv, jot w.d.

Die Brüning arbeitete auch mit internationalen Big-Bands oder Künstlern wie Gerd Dudek, Bob Moses, Eberhard Weber oder Herb Geller zusammen. Bei AMIGA erschienen mehrere Platten mit ihr – u.a. Uschi Brüning und das Günther- Fischer-Quintett (1973), Uschi Brüning und Günther Fischer live (1974), eine Porträt- LP 1982 oder „Kontraste“ mit Ernst-Ludwig Petrowsky 1988. Im letzten Jahr der DDR wurde Uschi neben internationalen Jazz-Größen für die Jubiläumstour des „European Jazz Ensemble“ engagiert.

2002 erschien bei Buschfunk ihre CD „Dein Name“, auf der die schönsten Amiga-Aufnahmen von 1971 bis 1990 vereint sind. Mit „Enfant“ startete sie gemeinsam mit Luden und Kollegen wie Wolfgang „Zicke“ Schneider, Tom Götze und Detlev Bielke ein so genanntes Cross-Over-Projekt – ein stilübergreifendes Zusammenspiel von Jazz, Jazz-Rock, Blues oder Acid-Jazz. In den vergangenen Jahren ist Uschi Brüning wieder häufiger gemeinsam mit Manfred Krug zu erleben. Bereits 2007 sang der mit und für sie anlässlich ihres 60. Geburtstages in der Berliner Philharmonie. Im August werden beide wieder gemeinsam in dem Programm „Die Legende lebt“ in Mecklenburg auf der Bühne stehen, begleitet von Marc Secaras Berlin Jazz Orchestra.

Uschi Brüning ist u.a. Mitglied im European Jazz Ensemble und des Saloniki Quartetts. Mit ihrem Mann Luden lebt sie seit vielen Jahren in Berlin und ist immer noch sehr gefragt bei diversen Jazz-Events. Auch in unserem Bezirk war das wohl bekannteste „Jazz-Ehepaar“ schon zu Gast, u.a. im Freizeitforum Marzahn oder bei „Noch ‘n Talk“ in der Candela Lounge.

 Ingeborg Dittmann