Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 58 

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit dem Komponisten, Musiker und Produzenten IC fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

IC Falkenberg

 

Das Allround-Talent aus Halle

 

Unter seinem bürgerlichen Namen Ralf Heinz Schmidt kennen ihn wohl die wenigsten. Vielleicht noch als Sängerknaben vom Stadtsingechor Halle, Deutschlands ältestem Knabenchor. Dort begann 1970 quasi seine Gesangskarriere im zarten Alter von 10. Später hatte er Opernrollen am Landestheater, mit 14 schließlich die erste eigene Band (diverse andere wie „Primaner“ oder „Joker“ sollten folgen). Am bekanntesten wurde Ralf Schmidt (seine Freunde nannten ihn zuweilen auch Heinz) Anfang der 80-er Jahre wohl als Sänger und Frontmann der Stern Combo Meißen (ab 1983). Nach wenigen Jahren verließ er die Band.

Schon 1985 hatte der Hallenser parallel zur Bandarbeit sein Soloprojekt IC aus der Taufe gehoben. IC steht für „integrated circle“ (integrierter Schaltkreis). Daraus wurde schließlich irgendwann „IC Falkenberg“. 

 

Abb.: IC Mitte der 80-er Jahre und beim Konzert am 8. Mai 2009 im Freizeitforum Marzahn. 

Fotos: Dittmann/nl-Archiv

. Mehr als 200 000 Mal ging sein erstes Soloalbum „Traumarchiv“ (1987) über den Ladentisch, das er in Personalunion als Texter, Komponist, Arrangeur und Produzent selbst einspielte. Dafür gab’s 1988 sogar die „Goldene Amiga“. Für die nächsten Platten („Nächte“, „Zigeuner auf Zeit“, „delta dreams“, „Eine Nacht“, „Schwimmen im Regen“ – um nur einige zu nennen) holte er sich dann jede Menge guter Musiker ins Studio – Andreas Bicking, Bimbo Rasym, Ingo Politz, Frank Schirmer und andere. Nebenbei entstanden die ersten musikalischen Trailer für TV-Jugendsendungen wie die Notenbude, Stop Rock! oder hautnah. Auch das Medium Film, später Video, reizte das Allroundtalent, das schon als Jugendlicher mehrere Instrumente beherrschte (Gitarre, Klavier, Flöte). Songs für andere Künstler und Theaterinszenierungen (Kompositionen für Schillers „Räuber“ am Hans- Otto-Theater und für Brechts „Baal“ in Jena) folgten in den 90- er Jahren. In der Revue des Friedrichstadtpalastes „Paradiso“ besetzte er die männliche Hauptrolle. Und immer wieder gab es Tourneen und gemeinsame Projekte mit Freunden wie „ostende“ (mit Dirk Zöllner).

Mit „mollwerk publishing“ gründete er einen eigenen Verlag. Hier wurde im vergangenen Jahr auch seine aktuelle CD „So nah vom nächsten Meer“ verlegt – mit Songs wie „Tiefenrauschen“, „Für Krieger wie uns“, „Bedingungslos lieben“ oder „Ich komm bei dir an“. Seine nach der Wende fast alljährlich produzierten Alben stellt IC seit einigen Jahren auch dem Marzahner Publikum in der Studiobühne des FFM vor. Das aktuelle Album hatte dort am 8. Mai vor einem fachkundigen Publikum „Marzahner Premiere“. Es wurde nicht nur ein „melodischer Abend auf exterritorialem Gebiet“, wie IC eingangs scherzhaft ankündigte, sondern ein äußerst unterhaltsamer, denn bei einem IC-Konzert gibt’s immer eine Menge zu erzählen – Geschichten zu den Songs, Episoden aus dem Musikerleben oder seine Sicht auf die große und die kleine Welt.

Neben den neuen Songs wollte das Publikum natürlich auch die alten Hits hören – von „Dein Herz“ über „Zigeuner auf Zeit“, „Eine Nacht“ oder „Piraten“ bis zu „Ich bin im Osten geborn“ und den Stern- Songs. Und so kommt der Musiker schließlich erst nach mehreren Zugaben von der Bühne.

Dass zum Allround-Talent IC auch eine Vorliebe zum Fotografieren gehört, erfährt man auf seiner Website www.icfalkenberg.de. Aufträge als Fotograf führten ihn u.a. nach Asien, in die USA und nach Südafrika. Ein Blick auf seinen diesjährigen Tourkalender zeigt: Es gibt landauf landab viel zu tun. Auch in Berlin stehen noch einige Konzerte an, u.a. mit der neuen Formation „stern accustic“ oder mit dem „ostende“-Projekt.

Ingeborg Dittmann

Ich bin im Osten geborn

auf den strassen bis zum zaun

störte niemand meine kreise

beim seifenblasenbaun

und die welt war eine scheibe

und wir glotzten übern rand

da ist die scheibe umgekippt

und die fahne hat gebrannt

+

ich bin im osten geborn

hinterm mond lag ich wach

meine hände in den taschen

warn für fäuste noch zu schwach

als die goldgräber kamen

lag ich noch in meinem bett

sie rochen gut sie rochen teuer

und ihre messer glänzten nett

 +

ich bin im osten geborn

wo er tief und dreckig ist

unter der milchglassonne

da wo der staub sich durch

die fenster frisst

+

ich werd im westen krepiern

ein zweites leben ist genug

das erste werde ich behalten

das zweite ist der letzte zug