Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 70 

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit dem Prager Sänger und Entertainer Jiri Korn fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Jiri Korn

 

In der DDR war er ein Star

 Sänger und Musiker aus den „sozialistischen Nachbarländern“ hatten in der DDR große Popularität. Kaum eine Fernsehshow kam ohne sie aus und auch AMIGA produzierte diverse Platten mit ihnen. Einer der bekanntesten war der aus Prag stammende Sänger Jiri Korn. Seinen Namen wird man wohl immer mit dem Schlager „Ich such die Yvetta“ verbinden. Mitte der 70- er Jahre war der eine Art Gassenhauer, lief in den Hitparaden rauf und runter – auf deutsch, tschechisch und englisch. Aber auch Schlager wie „Als meine Oma 20 war“ oder „Ich möchte auch mal Tango tanzen“ verbinden Schlagerfans mit dem Namen Jiri Korn. Am 17. Mai wurde der Prager Sänger, Schauspieler und Stepptänzer 61. Doch nach der Wende hörte man hierzulande kaum noch etwas über den vielseitigen Künstler, der noch heute auf der Bühne steht. Dabei war seine Bühnenkarriere damals längst nicht zu Ende. Doch ihm erging es zunächst wie fast allen anderen Künstlern aus dem Osten: Plötzlich waren sie in den Medien nicht mehr gefragt.

In der Fernseh-Sendung des MDR „Wiedersehen macht Freude“ konnte man Jiri Korn denn endlich einmal wieder erleben, an der Seite seiner Kollegin Helena Vondrackova, mit der er auch früher schon zusammen gearbeitet hatte. Angefangen hatte alles schon in der Kindheit. Bereits in der Schulzeit beschäftigte sich Korn mit Noten, Harmonien und Tonarten, sang im Kinderchor und erlernte Akkordeon, Klavier und Gitarre. Schon mit 13 sang und musizierte er in verschiedenen Amateurbands. 1967 wurde er Sänger und Gitarrist der Beatgruppe „Rebels“, gründete 1971 dann seine eigene Band „Olympic“. Später wechselte er zu „Shut Up-2“, spielte etliche Platten bei Supraphon ein und wirkte bei Theaterinszenierungen mit. Nachdem er 1971 beim „Intertalent“ in Gottwaldow mit seinem Hit „Yvetta“ gewonnen hatte, startete er seine Solo-Karriere.

Doch das Singen genügte dem vielseitig begabten Künstler nicht. Bei Tänzerinnen des DDR-Fernsehballetts trainierte er das Steppen brachte später sogar Breakdance auf die Bühne. In seinem Bruder Miroslav (Solotänzer im Klassischen Bereich) fand er einen guten Trainer. Fortan erlebten ihn die DDR-Fernsehzuschauer bei großen Shows wie dem „Kessel Buntes“ oder Revuen des Friedrichstadtpalastes als singenden und steppenden Entertainer. An der Seite von Emöke Pöstenyi und Susan Baker stand er ab Mitte der 70-er auf der Bühne. Mit Emöke ist er noch heute befreundet.

Abb.: Jiri Korn als Musicalsänger bei „Romeo and Juliet“, als Entertainer in den 70-er Jahren und heute

. Fotos: nl-Archiv, PR

Auch als Schauspieler versuchte sich der Sänger, etwa in dem tschechoslowakischen Märchenfilm „Wie Honza beinahe König geworden wäre“ (1977), in „Die 13. Rose“ (1990) oder „Brak“ (2002). Inzwischen hat er mehr als 20 Alben produziert, hat eine eigene Agentur, wirkte in Musicals mit und der Eislaufshow „Romeo and Juliet“, die 2003 in Ostrava Weltpremiere feierte. 2002 gründete er gemeinsam mit Jiri Skorpik, David Ulicnik und Dusan Kollar das Vokalquartett „4TET“. Seine „Yvetta“ hat er wohl immer noch nicht gefunden, denn zwei Ehen folgten auch zwei Scheidungen. Immerhin: Aus der zweiten Ehe gingen die Kinder Filip (19) und Kristina (18) hervor. Der Sänger ist in Tschechien auch als aktiver Poolbillardspieler bekannt. So ist er mehrfacher Seniorenmeister in dieser Sportart und sogar Inhaber eines Weltrekordes. Zur Ruhe will sich der agile Künstler aus Prag noch lange nicht setzen. „Arbeit ist mein Lebenselixier“, sagt er. Die „Yvetta“ gehört übrigens noch immer zu seinem Repertoire, nun meist im A-capella-Gesang mit der Band.

Ingeborg Dittmann