„Hexenseele“ mit Heiserkeit

Kabarettistin und jot w.d.-Kolumnistin Dagmar Gelbke gibt zu, eine Streberin zu sein und muss mal eben die Klappe halten

Ich bin sprachlos! Für die schwere Geburt meiner ersten Hausarbeit im Fernstudium an der Uni Hagen „Kabarett als Medium“ (die jot w.d.-Leser werden es nicht mehr hören können) hat mir der betreuende Professor eine Eins gegeben. Eine EINS! Uff, das tat gut, auch wenn wohl nun endgültig klar ist, dass ich schon immer eine Streberin war, sozusagen vom „Weiterbildungsdrang gequält“, wie mein Kollege Uwe Karpa (Oberpfleger Brenneke aus „alpha-team“) in einem Kabarettlied singt.

Okay, vielleicht hatte ich ja bei dem jungen Professor (Ich gebe zu, dass er auf mich sehr sexy wirkt, auch, wenn ich ihn nur aus emails und einem einzigen Telefonat kenne.) einfach nur einen Altersbonus.

Etwa so, wie ich bei meinen „Oderhähnen“ inzwischen „Bestandsschutz“ genieße. Unser Wolfgang Flieder drückt das jedenfalls liebevoll so aus. Aber zeigt dieses Top- Ergebnis nicht auch, dass so eine Sympathie zum „Meister“ zu Höchstleistungen anspornen kann – egal, in welchem Alter man ist? Das scheint auch meiner Tochter Paula in Spanien so zu gehen. Sie redet zwar nicht darüber, aber ein altes Muttertier merkt doch, was los ist. Sie ist verliebt in einen ihrer Mitbewohner, und nun hat sie tolle Pläne, sich in Spanien selbständig zu machen, eine Yogalehrerausbildung zu absolvieren und eine Yogapension zu eröffnen. Dass sie mich nicht wirklich einbindet in ihre Zukunft, tut mir zwar weh, aber das ist wohl verständlich. Denn sie behauptet, jeder meiner kritischen Hinweise auf Wirtschaftskrise und Studentenrevolten in Spanien, die dazu dienen sollen, dass sie nicht abhebt oder sich verrennt, seien eine Manifestation, die das Universum umsetzt. Weil ich eben eine Jahrtausendalte Hexenseele hätte ...

Nun also bin ich irgendwie mundtot, genau genommen sprachlos. Im wahrsten Sinne des Wortes. Seit Wochen, eigentlich seit Paulas Entschluss, in Spanien bleiben zu wollen, quält mich Heiserkeit. Ich fiel in totale Panik, nachdem Sängerkollege Bert Beel erschrocken sagte: „Lass dich ordentlich untersuchen. Das könnte was viel Schlimmeres sein.“ Sofort fiel mir mein Cousin Peter ein (Kehlkopfkrebs). Dann war da noch im Zug die Begegnung mit zwei alten Damen, die miteinander sprachen bzw. krächzten: „Bei mir schließen die Stimmlippen nicht mehr, das ist im Alter so.“ Ich also zum Arzt. Aber die Ärzte fanden nichts, verschrieben homöopathische Tropfen. Dann war plötzlich die Kehlkopfentzündung da. Da verschrieben sie Antibiotika. Kurz darauf waren die Stimmbänder entzündet. Nun nehme ich Cortison.

Eigentlich sagen mein Körper und meine Seele nur: Du hältst jetzt mal für ne Weile deinen vorlauten Schnabel... Aber das mach mal, wenn die Premiere von „Zeig mir mal Dein Sommerloch“ in zehn Tagen bei den „Oderhähnen“ in Frankfurt über die Bühne gehen muss. Zum Schweigen habe ich doch immer noch irgendwann sehr viel Zeit, denke ich.

Jetzt krähe ich eben noch unverdrossen in die Welt, zwar mit EHEC-Panik im Nacken – zumal nun auch noch Spanien Ursprungsland des Erregers sein soll. Doch ich glaube, damit stehe ich nicht allein da. Und das ist doch schön, wenn man nicht allein ist. Ihr Lieben, passt gut auf Euch auf und beim nächsten Mal wieder mehr über Gott und die Welt im Allgemeinen und im Besonderen. Heute muss ich mich wegen des ärztlich verordneten Sprechverbots und dem damit einhergehenden Rat, insgesamt etwas kürzer zu treten, einfach mal etwas beschränken.

Einen schönen, sonnigen Juni wünscht

Eure Daggi