Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 82 

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit der Sängerin Dina Straat fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Dina Straat

 

Auch mit dem außergalaktischen "Robby" unterwegs

 

 

Sie ist immer auf dem Teppich geblieben. Erfolge in ihrem Beruf wie Medaillen bei Interpretenwettbewerben oder die Teilnahme an internationalen Festivals (Intertalent, Bratislavska Lyra, internationales Schlagerfestival Dresden) verleiteten sie nicht zu Höhenflügen, waren eher Ansporn, Neues auszuprobieren. Sie war nie eine, die sich in der Reihe ganz vorn anstellt und in diesem zuweilen recht harten Geschäft ihre Ellenbogen gebrauchte. „Ihre Stimme, ihre Art zu singen, birgt viel menschliche Wärme in sich“, schrieb 1979 ein Musikkritiker in einem Artikel über die Sängerin Dina Straat.

Wer Dina über die Jahre kennt, schätzt das an ihr, wie ihre gleich bleibende Freundlichkeit und Offenheit, mit der sie Menschen gegenüber tritt. Im kommenden Monat wird die gebürtige Zittauerin 66 und wie es aussieht, wird sie ihrem Beruf noch eine ganze Weile treu bleiben. Besonders beliebt sind ihre Familienprogramme. Noch zu DDR-Zeiten entwickelte sie ein Kinderprogramm mit „Partner“. Der ist ein Meter zwanzig groß und hat sich von seinem außergalaktischen Heimatplaneten auf die Erde verirrt. Robby ist ein sprechender und singender Roboter. Mit ihm können die Kinder kommunizieren, Märchen und Geschichten erfinden. „Mit Robby unterwegs“ heißt ihr Programm für Kinder von 4 bis 10. Als Dina in diesem Alter war, sammelte sie in ihrer Grundschule in Neukirchen in der Oberlausitz ihre ersten Bühnenerfahrungen in einem Weihnachtsmärchen. Nach dem Abitur erlernte sie den Beruf einer Krankenschwester und schloss 1966 ihr Examen ab. Dann zog sie‘s aber doch zur Musik, und so begann sie 1968 ein Studium an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden, das sie mit einem Diplom als „Sängerin im Fach Tanzund Unterhaltungsmusik“ abschloss. Schon während ihres Studiums sang sie beim Klaus-Lenz- Sextett, später beim Manfred-Ludwig- Septett, musizierte mit Musikern wie Luten Petrowsky, Reinhard Lakomy oder Uli Gumpert. Schließlich kam sie zum Dresden-Sextett, aus dem 1972 die Gruppe Lift hervorging. Beim Dresden-Sextett hatte sie ihren späteren Mann Gerhard Zachar kennen gelernt, der auch ihre ersten Songs schrieb („Bin verliebt“, „Da war schon die Liebe dabei“, „Als du wiederkamst“). 1973 hatte sie ihr Hochschuldiplom in der Tasche und konnte bereits erste Rundfunkaufnahmen und TV-Auftritte vorweisen. Fortan ging sie solistisch ihren Weg. Sie tourte u.a. mit dem Orchester Gustav Brom aus der CSSR, mit Jiri Korn und Karel Gott, zuweilen auch mit Lift. Im Oktober 1972 heiratete sie Gerhard Zachar, Tochter Nadja wurde geboren.

 Die Familie siedelte nach Berlin über. Doch wenig später, im November 1978, verunglückte der Lift-Chef während einer Polen-Tournee tödlich. In der Szene bekannte Autoren wie Walter Kubiczeck, Franz Bartzsch, Peter Paulick und Ingeburg Branoner schrieben Dina Titel auf den Leib, mit denen sie sehr erfolgreich wurde – erinnert sei an „Kräht der Hahn“, „Musikanten in der Stadt“ oder „Versprochen ist versprochen“. Amiga produzierte 1980 nach mehreren Singles ihre erste Solo-LP „Aber Du bist da“. Zwei Jahre war sie Gast der Live-Show von Frank Schöbel. Anfang der 80-er Jahre kam es zu einer festen Zusammenarbeit mit der Gruppe „Kleeblatt“. In dieser Zeit lernte sie auch ihren neuen Lebensgefährten Erhard, genannt „Schmidtel“ („Schmidt Sound Service“) kennen. Die beiden sind noch heute ein Paar und ergänzen sich auch beruflich bestens. Fernab der Hektik der Innenstadt leben sie am Rande von Berlin.

Nach ihrem Ausstieg bei „Kleeblatt“ gestaltete Dina wieder eigene Programme, mal solo, mal mit Band. 1998 feierte die Künstlerin ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum, nach langer Zeit erschien wieder eine Scheibe von ihr – die Maxi- CD „Eine Frau, die Liebe fühlt“. Im Jahr 2003 feierte die Sängerin gemeinsam mit Lift ihr 35-jähriges Bühnenjubiläum. Ihre Liedtexte schreibt sich Dina inzwischen selbst. Neben ihren Kinderprogrammen gestaltet sie ein Familienprogramm für Großeltern, Eltern und Kinder. Mit Witz und Temperament erzählt sie Episoden aus dem Familienleben, die sie mit eigenen Schlagern, Oldies der 50-er und 60- er, Pop-Songs und Rockballaden ergänzt. Mit einer kehrt sie quasi an ihre Anfangszeit als junge Sängerin zurück – „Jeden Abend“ von Lift, in ihrer ganz eigenen Version.

Ingeborg Dittmann

 

Abb.: Die junge Dina hätte eine gewisse Lena von heute ganz weit in den Schatten gestellt; ihre Single von 1975, herzliche Geburtstagswünsche gab’s 2010 auch von „Schlagerpapst“ Siggi Trzoß.

Fotos: Dittmann, Archiv