Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 115

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit der Gesangsgruppe "Die Prinzen" aus Leipzig fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Die Prinzen

 

Der A-capella-Gesang ist ihr Markenzeichen


Im Frühjahr 2015 gehen Die Prinzen mit neuen Songs auf Deutschlandtour, starten diese mit Konzerten in exklusiven Häusern wie der Semperoper Dresden, der Oper Leipzig oder dem Berliner Friedrichstadtpalast. Die Wegbereiter des deutschen A-capella-Pop hätten auch nach fast 25 Jahren nichts von ihrem Witz und ihrer Frische verloren, wirbt der Veranstalter. Wer die Leipziger Band in den vergangenen Jahren live erlebt hat, kann zumindest letzterem zustimmen. Mit den 25 Jahren, na ja, so ganz stimmt das nicht. Fällt doch das Gründungsdatum der Band ins Jahr 1987. Allerdings nannten sie sich damals noch „Herzbuben“ und spielten in der Besetzung Sebastian Krumbiegel, Jens Sembdner, Henri Schmidt und Wolfgang Lenk, die auch heute noch zu Den Prinzen gehören. Sie hatten eine klassische Gesangsausbildung beim Leipziger Thomanerchor bzw. beim Dresdener Kreuzchor genossen. 

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Diesem Fakt war auch geschuldet, dass die Herzbuben witzige A-capella-Nummern in ihrem Programm hatten, was ihnen zu Kultstatus im Leipziger Raum und durch die Präsenz in den Medien bald auch schon darüber hinaus verhalf. Solch ein witziges Vokalquartett gab es nicht noch einmal in der DDR. Mit Songs wie „Gabi und Klaus“ oder der Cover- Version „My Generation“ wurden sie durch Rundfunk- und Plattenproduktionen rasch bekannt.

Anfang 1990 trat die Band in einer ZDF-Nachwuchsshow auf. Ein Musikverleger stellte daraufhin einen Kontakt zu der Musikproduzentin und Sängerin Annette Humpe („Ideal“, „Ich + Ich“) her, die die Herzbuben unter ihre Fittiche nahm und im Studio erste Aufnahmen mit ihnen produzierte. Um einer Verwechslung mit den „Wildecker Herzbuben“ aus dem Wege zu gehen, nannte sich die Gruppe im April 1991 um – Die Prinzen waren geboren. Und bekamen Zuwachs, natürlich von einem ehemaligen Thomaner. Tobias Künzel, Thomaner zwischen 1973 und 82, hatte bis 1988 an der Leipziger Musikhochschule Schlagzeug und Gesang studiert und war von 1986 bis 89 Mitglied der damals in der DDR sehr bekannten Band „Amor & Die Kids“ („No more Bockwurst“, „Komm doch mit zu ‘nem Ritt auf dem Sofa“, „Wunderkind“).

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Abb.: Die erste Autogrammkarte von 1991 und die Prinzen beim „1. Plattenfest“ 2009 anlässlich
30 Jahre Marzahn,
Fotos: Archiv, Dittmann
1991 erschien ihr erstes Album „Das Leben ist grausam“. Die Prinzen gingen mit Udo Lindenberg auf Tour. Bei ihrer ersten eigenen Clubtour 1992 wurden sie von Ali Zieme begleitet, der noch heute an den drums sitzt. Mit „Küssen verboten“ folgte 1992 das zweite Album, mit „Alles nur geklaut“ im Jahr darauf das dritte. 1994 stieg Matthias Dietrich als Bassist in die Band ein. Nach dem Riesenerfolg des Songs „Du musst ein Schwein sein“ erschien 1995 das Album „Schweine“. Die nächste CD „Alles mit`m Mund“ wurde von Stefan Raab und Wolfgang Lenk produziert. Nach einer „schöpferischen Pause“ erschien das Album „So viel Spaß für wenig Geld“. Mit großem Erfolg tourte die Band 2001 durch Deutschland, Österreich, die Schweiz und Luxemburg. Weitere CD und DVD folgten bis zum heutigen Tag. Aus Anlass ihres 20-jährigen Bestehens erschien das Best-of- Album „Es war nicht alles schlecht“. 14 Goldene Schallplatten, sechs Mal Platin, zwei Echo-Preise, die Goldene Stimmgabel, die Goldene Europa und andere Auszeichnungen zeugen von ihrer großen Popularität in Ost und West gleichermaßen.

Neben ihrem Markenzeichen, dem A-capella-Gesang, sind es vor allem die witzigen, hintergründigen und durchaus auch gesellschaftskritischen Texte, mit denen Die Prinzen ihr Publikum erobert haben („Du musst ein Schwein sein“, „Deutschland“, „Alles nur geklaut“, „Millionär“). Vor allem Sebastian Krumbiegel zeichnet für viele Texte als Autor oder Co-Autor. Der einstige Thomaner (1976 bis 85) mit Staatsexamen (Schlagzeug und Gesang) ist zudem politisch sehr engagiert. So ist er Schirmherr zahlreicher Initiativen gegen Rassismus und Fremdenhass, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Flüchtlingsproblematik (2005 erschien sein Buch „Hoffnung säen“, Geschichten von Flüchtlingen“). Im Dezember 2012 erhielt der Leipziger, der am 5. Juni 48 Jahre alt wird, für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz.

Wie im vergangenen Jahr stehen auch 2014 zahlreiche Kirchenkonzerte auf dem Tourplan der Band. Und 2015 wird mit neuem Album und Tour 25 Jahre „Prinzen“ gefeiert. Aber eigentlich sind es dann ja, siehe oben, schon 29 Bandjahre.

Ingeborg Dittmann