Die Weltsicht von Frau Schulz

Kabarettistin und Sängerin Dagmar Gelbke las "Schürt das Feuer" von Dagmar Frederic

Dagmar Frederic (ein Künstlername, geboren wurde sie als Dagmar Schulz) war einen Moment lang Mittelpunkt auf Angelika Manns Geburtstagsfeier im Juni. Da drückte mir nämlich der Mann der Lütten das Buch "Schürt das Feuer" in die Hand mit dem rein sachlichen Hinweis: Wie könne eine derart schlechte Sprachqualität in so einem renommierten Verlag gedruckt werden.

Nun wollte ich aber genau wissen, was an der kürzlich erschienenen Kritik einer Journalistin der Berliner Zeitung dran ist. Zugegeben, es fiel mir von der ersten Seite des Buches an schwer, dran zu bleiben. Um es vorweg zu sagen: Angelika Mann und ich sind nicht mehr und nicht weniger als faire Kolleginnen von Dagmar Frederic. Ich habe keinerlei Kritik, was Dagmars künstlerische Fähigkeiten betrifft. Die oft angeführte Kälte und Aufgesetztheit ihrer Auftritte ist eine Frage des Geschmacks, über den sich bekanntlich nicht streiten lässt. Und was menscliich über sie geredet wird, mögen andere so erlebt haben. Ich kann nur immer wieder betonen: Mir ist nie zu Ohren gekommen, dass sie Negatives über mich oder andere Kollegen gesagt hätte, im Gegenteil. Allerdings hält die Autorin mit ihrer Sicht auf die Dinge nicht hinterm Zaun.

Ich hätte ihr einen Verlag gegönnt, der ihr einen tüchtigen Lektor zur Seite stellt. "Schürt das Feuer" ist so geschrieben, dass sich unser Sprachpfleger Hansgeorg Stengel im Grab umdrehen würde. Mich verwundert, dass Daggis ,,kluger Mann" nicht eingeschritten ist. Ich will hier nicht über Stilblüten reden, die passieren mir auch. Jedoch hat Daggi wohl von Grammatik, Ausdruck und Satzbau nicht viel aus ihrer Schulzeit behalten. Eines steht fest: In ihrer geliebten DDR wäre solch ein Text niemals gedruckt worden. Dagmar Frederic kann also dankbar sein, dass der Westen uns übernommen hat. Leider habe ich mich aber ziemlich gelangweilt beim Lesen, denn etwas wirklich Neues über Dagmar erfahrt man in ihrem Buch nicht. Über eine journalistische Ader verfügt sie ebenfalls nicht, denn sie beleuchtet die Dinge ausschließlich aus ihrer Sicht. Ihr gelingt es nicht, sich neben sich zu stellen und mit objektiven Augen zu schauen. Außerdem ist sie trotz betonter Ehrlichkeit zu feige, manche Dinge mit Adresse und Hausnummer auf den Tisch zu legen. Meine Lektorin beim Eulenspiegel schärfte mir ein: "Durch die Blume gesagt, ist unehrlich. Der Leser hat ein Recht auf Wahrheit, und wenn es nur die Ihre ist." Kurz, wer wissen will, wie Dagmar Frederic wirklich ist, lese dieses Buch. Wer wissen will, wie die Unterhaltungskunst der DDR wirklich war, lese dieses Buch nicht. Es widerspiegelt die Weltsicht einer Karrierefrau aus dem Osten. Eine ähnliche haben wir möglicherweise bald als Kanzlerin.

Dagmars Bücher werden gedruckt, sie war schon dreimal bei Kerner, immer wieder steht sie im Rampenlicht, oft als Vorzeige-Ossi. Wahrscheinlich kriegt sie eines Tages das Bundesverdienstkreuz. Ich gönne es ihr - und kenne trotzdem keinen, der mit ihr tauschen möchte.

Dagmar Gelbke