Musiklegenden des Ostens - jot w.d.-Serie, Teil 13

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorstellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser- also in den 50er, 60er und 70er Jahren - Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. sprach mit Julia Axen, Mary Halfkath, Jenny Petra, Hartmut Eichler, Vera Schneidenbach, Günter Gollasch, der Blues-Legende Jürgen Kerth, der Stern Combo Meißen und vielen anderen. Wir setzen unsere Serie heute mit der ungarischen Rock-Gruppe Omega fort. Schreiben Sie uns, über welche Künstler Sie mehr erfahren wollen. Wir werden uns bemühen, Ihren Wissensdurst zu löschen.

"Wir leben noch" - Nach 22 Jahren erstmals wieder hier

Omega aus Ungarn zählt zu den dienstältesten Rockbands der Welt. 1962 in Budapest gegründet, mischten die munteren Magyaren bald nicht nur die Hitparaden in der Heimat, sondern europaweit auf. Vor allem auch in der DDR. Denn wie ihre Kollegen von Illes, Hungaria, Skorpio, General oder Locomotiv GT war die Band oft auf Tournee in Ostdeutschland und stets in den hiesigen Medien präsent.

Ende der 60er wurde "Rock made in Hungaria" auch im Westen zum Markenzeichen. Ihre erste LP spielte Omega bei der Plattenfirma der Stones in London ein. Ihr bis heute wohl größter Hit "Das Mädchen mit dem Perlenhaar" (1969) gewann internationale Preise und wird seither von so manchen Musikern nachgesungen; etwa von Frank Schöbel ("Schreib es mir in den Sand") oder 1995 von den Scorpions ("White Dove").

Selbst als der Keyboarder und für die Band so wichtige Songautor Gabor Presser die Band verlässt, um seine eigene (LGT) zu gründen, setzt sich die Erfolgssträhne fort. Bühnenshow und eine zur damaligen Zeit phantastische Lichtshow lassen jedes Omega-Konzert zum Erlebnis werden. Vor allem aber das virtuose Spiel von György Molnar (g), Laszlo  Benkö (keyb), Ferenc Debreceni (dr), Támas Mihály (b) und Janos Kobor (voc, g). Hierzulande waren Omega-Platten sehr begehrt, doch auch in der Bundesrepublik gab es zuweilen verkaufte Auflagen von mehr als 250 000.

983 kam Omega zum letzten Mal auf DDR-Tournee (u.a. in Weimar, Leipzig, Erkner). Ein Konzert in Berlin wird nicht gestattet. Offenbar fürchteten die Oberen einen Auflauf der vielen Fans. Außerdem war ihnen eine Band suspekt, die so große Erfolge im Westen feierte.

In Ungarn feiert die Band weiterhin Erfolge, 1994 spielen sie vor 60 000 Fans im Budapester Nepstadion - bei strömendem Regen. 1999 geht die Band sogar an die Börse, gründet einen eigenen. Fernsehsender. Ziel der AG und des TV-Senders ist u. a. die Förderung junger Bands.

Am 4. Juni 2005 gab die Band im Rahmen ihrer Europatournee nach 22 Jahren erstmals wieder ein Konzert in Deutschland. Schon Stunden vorher reisten an jenem Sonnabend Fans von Hiddensee bis Suhl in Landsberg bei Halle/Saale an. Auch jot w.d. war dabei und erlebte ein phantastisches Konzert auf der malerisch an einem Felsen gelegenen Freilichtbühne.

Sänger Janos "Mecky" Kobor (62) tobte in Lederklamotten und wehendem Mantel über die Bühne wie in alten Zeiten. Das Programm der neun Magyaren glich einer Zeitreise durch 43 Omega-Jahre. "Start", "Gammapolis", "Lena" und natürlich das "Mädchen mit dem Perlenhaar" ganz am Schluss. Das muss man wohl bis Halle gehört haben.

Nicht nur Bassist Támas Mihály wird ein Stein vom Herzen gefallen sein. Hatte er doch noch zwei Tage zuvor während der Pressekonferenz in der Ungarischen Botschaft in Berlin gezweifelt: "Haben wir überhaupt noch Platz in diesem Land? Erinnert man sich noch an uns?"

 Ingeborg Dittmann

Wer nicht dabei sein konnte, sollte sich die Best of-CD kaufen, die gerade beim Label Dunefish herauskam. (Email: dunefish@dunefish.de).

 Sänger Janos Kobor heizte mit seinen 62 Jahren mächtig ein.

Lange Haare und Barte hatten in den 70ern alle Rocker. Foto: Archiv

Omega am 4. Juni bei ihrem einzigen Deutschlandkonzert in Landsberg bei Halle/Saale.

Fotos: Nachtmann