Donau mit Oma und im Greyhound nach Hollywood

Nichts ist unmöglich bei den Sommerferienplänen von Kabarettistin Dagmar Gelbke

Mit der Sommersonnenwende steigt der Mond nun wieder abwärts, die Tage werden kürzer und bald ist Weihnachten. Und ein Jahr ist vergangen, seit ich hier meine erste „Presswehe“ zu Papier bringen durfte. Und was hat’s gebracht? Ha! Meine Kolumnen werden auch vom Vorstand der S-Bahn-GmbH gelesen: Seit kurzem gibt es Umsteigehinweise an allen Knotenpunkten auch in Englisch! So habe ich in diesem Jahr immer wieder erkannt, dass das einzig Beständige im Leben die Veränderung ist. Oder sein sollte? Denn bei wem verändert sich eigentlich viel? Bei den meisten Menschen reicht das Geld immer gerade so oder gar nicht, ob man nun eine Beschäftigung hat oder Hartzkunde ist – hab ich nicht Recht? Und das ist auch gut so – hat man doch immer wieder Hoffnung auf bessere Zeiten!

Ansonsten wurde Oma am Tag meiner „Bodo Ballermann“-Premiere in Frankfurt/Oder von der Feuerwehr ins Krankenhaus Hedwigshöhe eingeliefert. Verdacht auf Herzinfarkt. Als meine Tochter Paula nach drei Stunden meldete, dass Oma immer noch in der ersten Hilfe liege, rief ich – 20 Minuten vor Premierenbeginn – dort an, um zu erfragen, ob das denn bei obigem Verdacht die angemessene Behandlung sei. Die diensthabende Ärztin meinte, bei Patienten des Jahrgangs 1915 mache man sowieso nicht mehr viel. Oma sei stabil. Warum ich mir solche Sorgen machte. Ja, wer macht sich schon noch Sorgen um seine Mutter?

Nun ist Oma wieder zu Hause, es war wohl die Hitze, eine Magenschleimhautentzündung und eine Sommergrippe. Und – wie Oma selbst sagt – Unkraut vergeht nicht. Nun wird noch ihr Herzschrittmacher gewechselt von einem Arzt unseres Vertrauens, der in der Wisbyer Straße seine Praxis betreibt, und dann kann sie 100 werden. Und unsere künftigen Reisen mitfinanzieren. In diesem Jahr will ich mit ihr eine Donauschifffahrt machen. Bis zum Stromkilometer Null in Rumänien. Und ich will anschließend noch schnell mal nach Hollywood – ohne Oma natürlich. Wann, wenn nicht jetzt?

Auch habe ich Freunde in den USA, denen ich seit Jahren verspreche, sie mal zu besuchen. Mary aus Eugene/Oregon (das ist dort, wo immer dieser Asche-Vulkan ausbricht) hat hier in Berlin ihre Doktorarbeit geschrieben über „Die Auswirkungen gesellschaftlicher Veränderungen in bezug auf Herz- und Kreislauferkrankungen am Beispiel des Mauerfalls in Deutschland“ (oder so ähnlich). Was sie in Hunderten von Gesprächen mit Ost- und Westdeutschen feststellte, bestätigte das, was wir alle wissen: Klar macht ein sozial ungerechtes System wie das kapitalistische die Menschen krank. Leider lässt sich nicht mehr beweisen, dass der Sozialismus die Menschen gesund machte. Da gab es andere Probleme.

Oma, die ihr Leben lang Hausfrau war, hätte im Osten keinen Schrittmacher bekommen, weil die rationiert waren und vor allem der werktätigen Bevölkerung zustanden.

Mein Freund Vern hat Schweizer Vorfahren, ist Physikprofessor und lebt in San Jose (berühmt für sein Jazz-Festival) bei San Francisco. Einmal hat er seinen Rückflug von Deutschland ab Frankfurt gebucht, weil er wusste, ich arbeite dort, und er wollte mich unbedingt auf der Bühne erleben. Und so hat auch er hier immer etwas dazu gelernt... Auf jeden Fall hängen in beiden Büros – in Marys in der Universität von Oregon und an Verns Arbeitsplatz bei der NASA – die Oderhahn-Plakate eines früheren Sommerstücks: „Nichts ist unmöglich“. Mary sagt, es ist für sie wie ein Mandala, aus dem sie Kraft schöpft.

Ich habe vor, die Reise von Eugene nach San Jose – danach erst nach Hollywood – per Greyhound, der legendären Buslinie, zu absolvieren. Allerdings haben mich Freunde gewarnt: Bus fährt in den USA wirklich nur der, der arm ist. Ich würde viele traurige Geschichten hören und erleben, und ich solle lieber fliegen...

Na, was wird Daggie wohl tun? Ihr erfahrt es in der nächsten Kolumne! Bis dahin einen friedlichen Sommer und buddhistische Gelassenheit gegenüber Fußballniederlagen, Steuererhöhungen, Gesundheitsreformrückschritten und anderen „Kleinigkeiten“.

Das Leben ist einmalig!

Eure Daggie Gelbke

Foto: Dittmann