Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 25

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe mit der Sängerin Ina-Maria Federowski fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

Ina-Maria Federowski

 Powerfrau und Energiebündel

Das Temperament scheint der Dresdnerin in die Wiege gelegt worden zu sein. Die Sängerin, die in diesem Jahr immerhin schon 55 Lenze wird, ist nach wie vor eine Powerfrau. Auf der Bühne wie im Leben. Ihre Lebenslust ist ansteckend, ihr Redeschwall am Telefon zuweilen kaum zu bremsen. Es macht Spaß mit ihr zu plaudern. Über das Leben im Allgemeinen und im Besonderen, über die Liebe (Ina-Maria ist seit 33 Jahren mit ein und demselben Mann verheiratet), übers Abnehmen (dabei hat die 1.70 Meter große Sängerin das gar nicht nötig), über alte Kaffeemühlen (die sammelt sie) oder über Blumen (Ina-Maria lernte vor ihrer Gesangskarriere Gärtnerin). Nach zirka einer Stunde stellt die Journalistin dann fest: Über sich selbst und ihre Karriere als Sängerin hat Ina-Maria bisher nur in einem Nebensatz gesprochen.

Dabei ist die Dresdnerin mit Leib und Seele Sängerin und liebt ihren Beruf über alles. Für sie ist „singen eine Frage der Seele und des Wohlbefindens“. Doch sie spielt sich halt nicht so gern in den Vordergrund. Vielleicht ist das einer der Gründe, dass die zu DDR-Zeiten sehr erfolgreiche Sängerin mit solider künstlerischer Ausbildung an der Dresdner Musikhochschule (Staatsexamen Klassischer Gesang) im vereinten Deutschland kaum noch in den großen Medien zu sehen und zu hören ist. Und das, obwohl sie zwischen Rostock und Suhl noch immer große Erfolge bei Live- Auftritten feiert.

Die Leute mögen sie und sie mag ihr Publikum. Und das erinnert sich noch nach 20 Jahren an solche Schlager wie „Gegensätze ziehn sich an“ oder „Man lernt nie aus“. Dabei wollte Ina-Maria nie Schlagersängerin werden, sondern ins ernstere Fach, ans Theater. Ihr erstes Engagement hatte sie an der Staatsoperette Dresden, dort spielte und sang sie u.a. in Cabaret. Nebenbei machte sie auf Kleinkunst- und Varietebühnen Musik – beherrschte das Repertoire von Abba bis Karat.

Nach dem 1. Preis beim Schlagerfestival „Goldener Rathausmann“ eroberte sich die sympathische Sängerin schnell die Unterhaltungsbühnen des In- und Auslandes, gastierte u.a. in Schweden, Finnland und auf Malta bei Songcontests. Mehr als 200 TV-Auftritte (u.a. Kessel Buntes und Das ist Musik für Sie) machten sie zum Publikumsliebling.

Unsere Illustrationen: Ina in Hellersdorf bei der Litfaßsäule (o. re.), mit einem ihrer Fans (li.) und 1982.

Fotos: Dittmann, Archiv

Nach der Wende wurde es ruhiger um sie, doch wegen mangelnder Angebote ihren Beruf an den Nagel zu hängen kam für Ina-Maria nicht in Frage. Sie kämpfte sich durch, produzierte Mitte der 90er Jahre ihre CD „Gegensätze“ und seit ein paar Jahren ist sie wieder auf vielen Bühnen zu sehen. Sogar dort, wo einst alles begann – der Staatsoperette Dresden. Dort spielt sie in „Die Weihnachtsgans Auguste“ die Haushälterin. Eine ganz neue Erfahrung für die Sängerin, die sie mit Bravour meisterte. Auch eine neue CD mit einem Mix aus alten und neuen Schlagern ist in Arbeit, gemeinsam mit dem Komponisten Thomas Ihl und Texterin Heidi Adamczack. Nach Auftritten im Lande kommt sie immer wieder gern in ihre Heimat Dresden zurück. Sie liebt diese Stadt, in der sie den größten Teil ihres Lebens verbrachte und ihre große Liebe fand. Ina-Marias Tochter Susanne (31) steht als Physiotherapeutin inzwischen längst auf eigenen Beinen und wohnt weit weg.

Doch wenn sie nach Hause kommt, bummeln Mutter und Tochter gern durch die Stadt oder fahren rüber nach Pillnitz. Manchmal ist auch Vater Roderich dabei. Der Psychologe ist so ganz das Gegenteil von Ina-Maria. „Deshalb wird’s bei uns nie langweilig“, lacht sie. Es scheint eben doch was dran zu sein: „Gegensätze ziehn sich an“.

Ingeborg Dittmann