Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 36

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe mit dem Sänger und Moderator Fred Schmidt fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Fred Schmidt

 

33 Jahre Oberhofer Bauernmarkt

 

Bisher haben wir in dieser Serie populäre Künstler aus der Schlager-, Pop- und Rockszene vorgestellt. Diesmal möchte ich einen Vertreter der eher volkstümlichen Musik vorstellen. Obwohl sein musikalisches Repertoire weit gefächert ist, wurde der Thüringer doch vor allem durch jene bekannt. Denn: Fred Schmidt war und ist der Mann vom „Oberhofer Bauernmarkt“. 

Der 1935 in Berlin geborene Künstler, der von Kindesbeinen an in Erfurt lebt und also ein echter Thüringer ist, feierte kürzlich sein 50- jähriges Bühnenjubiläum. Seit der ersten Folge der im DDR-Fernsehen beliebten Sendung „Oberhofer Bauernmarkt“ war er dabei, zunächst als Sänger, später auch als Moderator. „Die erste Sendung lief am 30. Januar 1974. Das weiß ich deshalb noch so genau, weil es mein Geburtstag war“, erinnert sich der sympathische Künstler. Die Fernsehredakteure hatten Fred kurz zuvor als Bandsänger bei einer Silvesterveranstaltung entdeckt und von der Stelle weg engagiert. Bis zur letzten Sendung, der 99., die 1991 kurz vor der „Abwicklung“ des DDR-Fernsehens ausgestrahlt wurde, war er dabei. Weshalb die neuen Sender, etwa der MDR, die beliebte Reihe nicht weiterführten, bleibt schleierhaft. Vielleicht war die Konkurrenz zum westlichen „Musikanten-Stadl“ zu groß? 

Fred Schmidt lässt es sich gern in seinem Erxlebener Garten mit Frau Heidi (62) und Schwiegermutter Lucie (86, wohnt mit im Haus) bei natürlich echt Thüringer Bratwürsten gut gehen.

  Doch Fred und einige Künstler der einstigen Stammbesetzung gaben nicht auf. Sie touren seitdem (bis heute) mit dem „Bauernmarkt“ live durch ostdeutsche Lande: Neben Fred Schmidt als Moderator und Sänger stehen die Zwickauer „Gitte & Klaus“ und die unvergleichliche Saalfelderin Leni Staatz auf der Bühne. Eine Unterhaltungsveranstaltung, die für heute so bekannte Künstler wie Stefanie Hertel oder Gaby Albrecht Sprungbrett war und seit nunmehr über 33 Jahre ihr Publikum zieht, muss schon etwas Besonderes haben. Inzwischen gingen als Tourneeprogramm schon rund 4500 „Bauernmärkte“ über die Bühne. Und Fred Schmidt ist bis heute auch solistisch mit seinem Programm „Sing mit Fred Schmidt“ unterwegs

. Die musikalische Karriere des Erfurters begann indes schon Mitte der 50er Jahre. Nach drei Jahren Musikschule und einer Lehre als Buchhändler wollte der junge Mann eigentlich am Weimarer Konservatorium klassische Musik studieren. Doch wie der Zufall zuweilen spielt: Bei einer Band war der Sänger ausgefallen und Fred sollte für vier Wochen aushelfen. Aus den vier Wochen wurden knapp zwei Jahre, danach wechselte der Sänger und Gitarrist zum Wolf-Hansen- Terzett, tourte mit diesem im In- und Ausland, u.a. vier Monate in Südamerika. Von 1967 bis 69 feierte er große Erfolge mit den „Allegros“ (Foto links). Stammbesucher des alten Friedrichstadtpalastes werden sich vielleicht noch erinnern.

Seit 1970 arbeitete Fred solistisch, Komponisten wie Gerhard Siebholz, Rudi Werion oder Gerhard Honig schrieben ihm maßgeschneiderte Titel.

„Volkstümliche Musik war damals nicht so mein Ding“, erzählt der Tenor. „Eher Schlager, Country-Musik oder internationale Klassiker. Deshalb war ich anfangs gar nicht Feuer und Flamme, als man mich für den Bauernmarkt engagierte.“ Doch schon bald wurde dieser zu seiner künstlerischen Heimat. Zumal es auch seinem privaten Glück ein wenig auf die Sprünge half. Fred erzählt: „Als ehemaliger Leistungssportler im Ringen und Judo hatte ich Mitte der 70er Jahre meine heutige Frau Heidi kennen gelernt. Sie war ebenfalls Leistungssportlerin, eine tolle Läuferin.

Eines Tages saßen wir mit Heidis damals 8-jährigem Sohn Michael vorm Fernseher. Der Oberhofer Bauernmarkt lief. Die beiden wussten zwar, dass ich Sänger bin. Doch als mich Michael auf dem Bildschirm sah, rief er begeistert: „Mama, den nehmen wir!“ Inzwischen sind Fred und Heidi seit rund 29 Jahren glücklich verheiratet und leben gemeinsam mit Heidis Mutter am Rande von Erfurt, umgeben von viel Natur. Hier fühlt sich auch Familienhund Arco wohl, ein Jagdhund, denn Fred war jahrelang passionierter Jäger und züchtete Hunde. Die Liebe zu Heidi, seine Freude am Beruf und die nicht nachlassende Sympathie seines Publikums haben den 72-Jährigen jung gehalten. Und so sieht er - ganz nach dem Motto des Bauernmarkt-Hits von Gerhard Honig „Wenn wir so weitermachen, werden wir 100 Jahre alt“ – optimistisch in die Zukunft.

Ingeborg Dittmann

PS: Am 15. September, 12 und 18 Uhr, ist der „Oberhofer Bauernmarkt“ im Schloss Diedersdorf zu Gast.