Kraxeltipp 4: Jelena-Santic-Friedenspark

Eine politische Erhebung, die auch ökologisch diskutiert werden müsste

Nach den drei höheren Aufschüttungen Biesdorfer Höhe, Kienberg und Ahrensfelder Berge bleiben wir im Wuhletal. Allerdings geht es nicht mehr so hoch hinaus, sondern nur noch schlappe 60 Meter: Der Rohrbruchpark (heute Jelena-Santic-Friedenspark, ursprünglich als „Spiegelberge“ erbaut) nahe des U-Bahnhofs Cottbusser Platz, ist der jüngste der vier Berge am Wuhlestrand. Südlich der Stelle, wo bis heute der Hellersdorfer Graben in die Wuhle mündet, befand sich vor 100 Jahren laut preußischer Karte der Kopf-Berg, bewaldet und ohne Höhenangabe.

Sein Entstehen verdankt der heutige Berg dem Aushub der Hellen Mitte, die seit Anfang der Neunziger erbaut wurde. Viel Kritik musste sich die Erdaushub-Kippe schon bei ihrer Planung gefallen lassen, da sie doch allzu ebenmäßig und künstlich geformt anmuten sollte. Aus ökologischer Sicht war es allerdings von Vorteil, die anfallenden Erdmassen nur über eine kurze Strecke zu transportieren. Bei der Umsetzung der Pläne griff man zu diversen Mitteln, um das Bauwerk doch noch für Spaziergänger und Betrachter annehmbarer zu gestalten. Die größeren Zugangswege zum Plateau sind behindertengerecht angelegt, Treppen quasi als Ergänzung gedacht. Bäume wurden auf der Höhenplattform gepflanzt und künstliche Regenwasserflächen oben vorgesehen, die den ursprünglichen Namen Spiegelberge rechtfertigen sollten. In trockenen Zeiten freilich litten Wasserflächen und Bäume, so dass heute nicht alles so schön aussieht wie ursprünglich ersonnen.

 

Seit vielen Jahren ziert ein „Peace-Zeichen“ den Jelena-Santic-Friedenspark. Mehrfach wurde es zerstört. Vielleicht schaute deshalb auch 2008 ab und zu die Schutzmacht vorbei. Anwohner hingegen beklagen die mangelnde Pflege der „Außenhaut“ des aufgeschütteten Erdaushubs der Hellen Mitte, von dem Gerüchte, er sei vielfach kontaminiert, bis heute nicht aus der Welt geschafft werden konnten.

 Foto: Clauder

Aber die Hellersdorfer Friedensbewegung in Zeiten der Golf- und Jugoslawienkriege gab schließlich der neuentstandenen Höhe ein politisches Gepräge mit dem weithin sichtbaren Peace-Zeichen und der Namensgebung nach der leider bereits verstorbenen serbischen Friedensaktivistin Jelena Santic. Sie war zur Eröffnung des Friedensparkes trotz schwerer Krankheit noch persönlich nach Hellersdorf gereist. Inzwischen ist das Peace-Zeichen einigermaßen zerstörungsresistent gestaltet. In den Anfangsjahren gehörten seine systematische Verunstaltung und die Beseitigung dieser Zerstörungen zum regelmäßigen Ritual der Auseinandersetzung zwischen rechten und linken Jugendgruppen. Der Berg ist heute den Anwohnern aus der umliegenden Großsiedlung ein willkommenes Ziel für Sport und Spiel. Der Ausblick nach Westen auf den Kernbereich des Wuhletals mit Kienberg und die Feuchtbiotope an seinem Fuße und nach Norden auf den aus einer vollgelaufenen Baugrube entstandenen Hasenpfuhl ist ohnehin hervorragend. Wie gesagt, „störender Bewuchs“, der die Sicht behindern könnte, fehlt weitgehend. Was Schmetterlinge und Trockenpflanzen aller Art freut.

U. Clauder