Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 48 

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit dem Sänger und Komponisten Michael Hansen  fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Michael Hansen

 

Ans Aufhören denkt der 67-Jährige noch lange nicht

 

Schon von Kindheit an hat sich der geborene Güstrower der Musik verschrieben. Seine musische Begabung wurde früh entdeckt, er erhielt Unterricht in Klavier und Cello. Gitarre, Banjo, Bass und Schlagzeug brachte er sich selbst bei. Dennoch studierte der Mecklenburger nicht Musik, sondern an der Uni Rostock Schiffsmaschinenbau, gründete damals eine eigene Studentenband – das „Studioso- Qintett“. Neben den „Baltics“ mit Frontmann Wolfgang Ziegler waren sie Mitte der 60er bei den Rostocker Jugendlichen groß angesagt. Die Neigung zur Musik überwog und so wurde das Hobby zum Beruf. 1968, mit 27, stand Hansen erstmals als Profi auf der Bühne und heimste ein Jahr später beim Schlagerwettbewerb in Magdeburg mit dem Petersen/Brandenstein- Schlager „Wer hat sie gesehn?“ gleich den 1. Preis ein. 

Bald wurde der Sänger festes Mitglied im Fernsehunterhaltungsensemble. Zunehmend war er auch als Komponist gefragt, schrieb u.a. für Regina Thoß, Dina Straat, Bisser Kirow und vor allem von 1970 an bis heute auch für Dagmar Frederic. 

Kurze Zeit war Hansen auch im Duett mit Ina Martell unterwegs („Der Zug fährt ab“). Seit 1972 war der Künstler mit drei jungen Damen vom Fernsehballett, den „Nancies“, im In- und zunehmend auch im Ausland (von Algerien über Italien, Holland, Polen, der UdSSR bis Tunesien) auf Tournee, agierte in seinem kleinen „Ensemble“ als Conférencier, Tänzer, Sänger und Musiker. In der Moskauer Lushniki- Halle traten „Michael Hansen & die Nancies“ vor 12 000 begeisterten Zuschauern auf. Bis zur Wende waren die vier häufige Gäste in zahlreichen Fernsehshows, u.a. der Fernsehreihe des Ostseestudios Rostock „Viele Lieder kennt der Wind“. 

Hansen Mitte der 70er Jahre und heute

Fotos: Archiv, Dittmann

Noch zu DDR-Zeiten baute sich Hansen in seinem Haus am Wandlitzsee sein Tonstudio auf, war seit 1980 und insbesondere seit den 90er Jahren zunehmend als Komponist und Produzent tätig. Künstler wie Günter Pfitzmann, Gisela May, Roberto Blanco, Dagmar Frederic oder Herbert Köfer produzierten inzwischen etliche Titel in seinem Studio. Aber auch Chöre, Bands oder Nachwuchsmusiker arbeiten bei ihm. Überhaupt gibt der Künstler seit etlichen Jahren seine Erfahrungen an den Nachwuchs weiter. So gründete er vor einigen Jahren das „Kinder-Musicaltheater in Berlin“. Und ein Musical hat er inzwischen auch geschrieben. „Und abends in die Scala“ spielt im Berliner Varietémilieu der 20er Jahre. Immer wieder überrascht der Präsident der Elblandfestspiele in Wittenberge mit neuen Projekten. 

Mit drei Damen vom Fernsehballett als "Nancies" wurde Michael Hansen berühmt. Eine ist bis heute an seiner Seite.

So berichtete jot w.d. unlängst über ein literarisch-musikalisches Programm „Da leben wir dieses Leben“, das er gemeinsam mit Kirsten Steineckert gestaltete. Und wenn er nicht wie unlängst wieder zwei Monate auf Kreuzfahrtschiffen gastiert, ist Michael Hansen auch bei der einen oder anderen Veranstaltung in unserem Bezirk zu erleben, etwa im Kulturforum Hellersdorf oder im Freizeitforum Marzahn. Viel Zeit bleibt da nicht für seine inzwischen große Familie – seine Frau Susanne (von den Nancies), mit der er seit 30 Jahren verheiratet ist, seine beiden Töchter Kathleen (39) und Solveig (40) aus erster Ehe, Sohn Maik (45) und sieben Enkelkinder. Aber die Zeit, die nimmt er sich einfach. Genauso wie fürs Segeln mit seiner kleinen Jolle auf dem Wandlitzsee. Da draußen in Wandlitz ist sein Zuhause. Der geborene Mecklenburger liebt das Wasser, die Natur und die Stille. Da schöpft er Kraft für imer wieder neue Ideen.

Und die scheinen dem Sänger, der inzwischen auf so vielen Gebieten zuhause ist, wohl nie auszugehen.

Ingeborg Dittmann

Michael Hansen beherrscht auch die "singende Säge".