„Beharrlichkeit zahlt sich aus“

Heinrich Niemann über den Wiederaufbau von Schloss Biesdorf

Ich war gespannt auf meinen Gegenüber, den ich mehrfach für jot.w.d. befragt hatte, als er noch für Umweltfragen zuständiger Bezirksstadtrat war und häufig Partner, manchmal auch Gegenspieler bei kontrovers diskutierten Themen in unserem Blatt.

 Dr. Heinrich Niemann strahlt jene Ruhe aus, die keinesfalls auf Müßiggang im Rentenalter, sondern auf Souveränität in der Öffentlichkeitsarbeit schließen lässt. Meine Neugier richtet sich auf seine Erfahrungen aus dem Projekt „Wiederaufbau Schloss Biesdorf“. Sofort ist zu spüren, welche Emotionen bei ihm diese Angelegenheit freisetzt. Als Vorstandsvorsitzender der Stiftung Ost- West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf e.V. will er nicht nur den Wiederaufbau „seines“ Schlosses und des Schlossparks Biesdorf vollenden, sondern auch in dessen Mauern ein tragfähiges Nutzungskonzept etablieren. Ohne das Wirken des Vereins und ohne ein solches Konzept, das macht Niemann mehrfach deutlich, hätte es keine Chance gegeben, die für den Bau notwendigen Mittel einzuwerben.

Nicht nur Heinrich Niemanns Traum: So soll Schloss Biesdorf eines Tages wieder aussehen.

2010 entscheidend

Das Jahr 2010 bringt für das Gelingen des Projektes die wichtigen Entscheidungen. Noch sind Detailfragen der Finanzierung zu klären, aber Heiner Niemann ist sich sicher: 2010 werden die Weichen gestellt, damit ein Traum in Erfüllung gehen kann. Ein Traum, den engagierte Biesdorfer seit 1945 nach den kriegsbedingten Zerstörungen von Schloss und Park nie aufgegeben hatten. Schon 1956 gab es Pläne, im Nationalen Aufbauwerk NAW das Schloss wieder herzurichten. Nach 1990 war es vor allem der ehemalige DDR-Stadtbaudirektor und Biesdorfer Bürger Dr. Günter Peters (heute Ehrenvorsitzender des Vereins), der nicht locker ließ und das Wertvolle der Anlage als solche thematisierte. 2002-2007 wurden so unter seiner Regie der Turm und das Erdgeschoss restauriert und die Weichen für den Weiterbau gestellt. Schon Ende 2006 konnte der Verein 3,5 Millionen Euro Lottomittel einwerben. Der Bezirk stellte 250 000 Euro bereit. Als dann die Baudurchführung durch den Verein nicht mehr allein zu schultern war, fand er Unterstützung von der Stiftung Denkmalsschutz. Aber es war ein förderfähiges neues Nutzungskonzept erforderlich. Gemeinsam mit Bezirksamt und Senat kam die Idee auf, für in der Burg Beeskow eingelagerte DDR-Kunstbestände in Biesdorf eine Galerie „Bilderstreit“ einzurichten, die künftig zu einem zweiten Magneten des Tourismus im Bezirk, zu einer Ost-West-Begegnungsstätte werden kann.

Dr. Heinrich Niemann (li.) im Gespräch mit Besuchern der bundesweiten Auftaktveranstaltung „Lust auf Garten“, die in diesem Jahr im Biesdorfer Schlosspark stattfand.

Mit dieser neuen Nutzungsplanung konnte Ende 2009 die Stiftung Denkmalschutz Berlin als neu hinzugekommener Partner EU-Fördermittel von 3,5 Millionen Euro für das Schloss beantragen, die den kompletten Wiederaufbau des Schlosses in seiner historischen Gestalt ermöglichen. Zugleich war zu klären, wie der jetzige Schlossnutzer Ball e.V. und das von ihm betriebene Stadtteilzentrum mit dem veränderten Konzept klarkommen können. Aber auch hierfür wurde – nicht zuletzt durch die kritische Debatte von Bürgern und in der BVV – im Frühjahr ein einvernehmlicher Lösungsweg unter dem Dach des Schlosses erstritten.

Erfolgsgeheimnis

Hier muss ich einhaken. Wir kennen schließlich Bürgerinnen und Bürger, die mit ihrem Engagement am bürokratischen Wirrwarr und verschlungenen Entscheidungswegen scheitern und aufgeben. Gibt es ein Geheimnis, wodurch in der Schlossfrage bürgerschaftliches Wollen von Erfolg gekrönt ist? Dr. Niemann muss nicht lange überlegen: Überzeugt sein von seiner Mission. Sachkundig werden. Beharrlich sein, dranbleiben. Nicht mit allgemeinen Forderungen, sondern mit konkreten Vorschlägen die Verwaltung bedrängen. Partner suchen und Konflikte ausstreiten.

„Nirgendwo war fixiert: Der Wiederaufbau des Biesdorfer Schlosses ist eine Pflichtaufgabe der Verwaltung“. Es war also ein Weg zu finden, der den Haushalt des Bezirkes und des Landes schont, ein förderfähiges Wiederaufbaukonzept wäre ohne Fantasie und sachkundige Partner – auch die Siemens- Stiftung zählt dazu – nicht zustande gekommen. Beides wurde im überparteilichen Konsens ausgehandelt. Jetzt geht es noch darum, wie im Detail kostengünstig und zugleich denkmalsgerecht gebaut werden kann.

War es entscheidend, dass Dr. Niemann aus Insidersicht die Partner in der Verwaltung kannte? In seiner Antwort verweist mein Gegenüber auf Günter Peters: Er sei nie bequemer Partner der Verwaltung gewesen. Er habe viel mehr „die Liga aktiver Bürger, die die Ämter beschäftigten, angeführt“. Auch träfen diese Bürger in den Ämtern nicht nur auf Partner, die als Problemlöser häufig wesentlich mehr tun, als ihr Arbeitsvertrag vorschreibt, sondern auch auf Bedenkenträger und jene, die hinreichend formale Gründe finden, um Initiativen abzublocken. Das sei nicht an bestimmte Parteibücher gebunden. „Auch linke Politiker sollten immer wieder befragt werden: Schöpfen sie vorhandene Spielräume aus oder fügen sie sich schnell den scheinbar unvermeidlichen Sachzwängen?“

IGA 2017 im Bezirk

Noch etwas läge ihm am Herzen, lenkt Heinrich Niemann das Gespräch über zum hervorragend gepflegten Biesdorfer Schlosspark, seit 2007 im „Gartennetz Deutschland e.V.“: So habe es am 11. Juni hier den Bundesauftakt zu den „Tagen der Parks und Gärten“ gegeben. Auch für den Park habe man viele Partner gewinnen können. Die für Umwelt und Kultur zuständigen Ämter, Ball e.V., den Stiftungsverein, den Verein Steinstatt mit dem Klub „Kiste“ für die Parkbühne. 10 000 Flyer zum in Berlin einmaligen englischen Landschaftspark wurden soeben gedruckt. Auch hier gäbe es keinen Stillstand. Zumal 2017 die Internationale Gartenbauausstellung auf dem Tempelhofer Feld in den Gärten der Welt einen Marzahner Außenposten haben wird. Und auch da macht Dr. Heinrich Niemann aktiv mit: Im 2009 gegründeten „Freunde der Gärten der Welt e.V.“.

Ulrich Clauder