Wir wollen doch nur

spielen … Zocker überall!

 

Nur eine kleine Fußballszene zur Dekoration, denn ich vermute, Sie wollen über das Thema nicht mehr allzu viel lesen: Der Spieler setzt alles auf eine Karte, haut den Ball unerreichbar für den Torwart in das Eck, Millimeter- Arbeit und Glück zu gleichen Teilen, eine Million Zuschauer jubeln, der in diesem Moment frisch gebackene jugendliche Held wird mit Ruhm, Heiratsangeboten und Geld überschüttet. Aber Zocken ist menschlich: Eventuell freuen Sie sich auf einen lockenden Lottogewinn, dafür verspielen Sie jede Woche gewisse Geldbeträge. Oder Sie haben den Bewerbungstermin, wo alles auf eine Karte gesetzt wird – trotz knapper Haushaltskasse gehen Sie zur Maniküre, zum Stylisten und holen sich den neuesten Chic aus der Markenboutique.

 

Mit all dem Gehabe haben wir es gar nicht so weit zu den bösen Börsenzockern, die unsere Steuergelder schamlos verpokern, wenn sie Spieltrieb und Ehrgeiz übermannt. Nur dass wir beim Sport, Lottospielen oder bei Bewerbungsterminen, wo wir alles auf eine Karte setzen, zumeist anderen keinen Schaden zufügen und unser eigenes Kapital einsetzen, anstatt wie die Börsenheinis Millionen an fremdem Geld zu veruntreuen.

 

Auch unsere Regierenden lieben das Spiel, allerdings nicht das Fair Play, sondern sie zocken wie die ausgekochtesten Poker-Piraten. Erst warten sie mit allen Untaten ab, bis die NRW-Wahl vorbei ist, um dann das Foulspiel kurz vor Fußball-WM und Sommerurlaubszeit zu begehen. Na klar, Angie sprach wie ihre gelbschwarzen Mittäter von einem fairen Spiel, wenn die Armen beim rigorosen Krisen-Sparen genau so bluten müssten wie die Reichen. Letztgenannte 10 Prozent der Deutschen haben inzwischen 70 Prozent der Kohle zusammengerafft, und ihre Anwälte kennen garantiert alle Tricks, um den kleinen Beitrag der Reichen zum Sparprogramm auch noch einzusparen.

 

 Beim Zocken gibt es stets eine Kehrseite, die Verlierer: Der Ball geht nicht ins Netz, sondern knallt an den Balken, Spott und Hohn überzieht den Unglücksraben. Sie haben der Isländischen Kaupthing-Bank Ihr Geld anvertraut? Ha ha, Pech gehabt. Womöglich steigen Sie ab in der sozialen Stufenleiter. Und landen nicht in schützenden Armen, die Sie auffangen könnten, sondern unumkehrbar bei den Armen. Da haben Sie gleich noch mal Pech: Denn den Leuten mit den kleinen Einkommen nebst deren Kindern wird überall auch noch das letzte Fell über den Kopf gezogen! Sie lassen also Federn über Federn und sollten sich getrost die nächste Brücke zwecks Übernachtungsplätzchen anschauen. All das ist nicht wirklich Ihre Schuld. Einfach Pech, verzockt! Leider wird es nichts mehr mit dem nächsten Spiel. Die Tellerwäscher, die es zum Millionär bringen können, wurden längst durch Geschirrspülautomaten ersetzt. Oder Billigarbeitskräfte von anderswo. Erneut Pech gehabt.

 

Das Fatale: Immer mehr ehemalige Freunde und Bekannte gucken weg, denken bei sich: „Was juckt mich fremdes Elend“. Gegenseitige Hilfe ist tatsächlich absolute Ausnahme beim Zocken. Wir wollen doch nur spielen ... um selbst mit dem Rücken an die Wand zu kommen. Eine schöne neue Welt, oder? Das fragt zur Sommerzeit, damit es nicht ganz so schmerzt,

Euer Schwejk