An den Kindern gespart

Die meisten Spielplätze im Bezirk müssten erneuert werden

Marzahn-Hellersdorf – Die Grundschule an der Mühle hat einen neuen Spielplatz. Dagegen nimmt sich die Spielanlage wenige Meter weiter an der Kienbergstraße bescheiden aus und hätte eigentlich eine Runderneuerung nötig. Das finden auch die Kinder. „Das Schaukelpferd könnte neue Farbe vertragen, außerdem fehlt der Kopf“, sagt Tobias. Claudia wünscht sich Schaukeln, Charly eine neue Rutsche. Mit der alten scheuern sich die Kinder den Hosenboden durch. So wie diese Anlage lässt der Zustand vieler Spielplätze zu wünschen übrig.

 „Das Problem ist, dass von den 130 Spielplätzen des Bezirks die meisten veraltet und überholungsdürftig sind“, sagt Jutta Marquardt vom Natur- und Umweltamt. Alle Plätze seien zwar nach der Wende erneuert worden, entsprächen aber nicht mehr heutigen Standards. Andere seien durch Vandalismus arg in Mitleidenschaft gezogen. Das beträfe insbesondere demolierte Kunststoffbeläge von Bolzplätzen wie in der Albert-Kuntz-Straße.

Richtig zufrieden sind die Mädchen mit dem Spielplatz nicht.

 Foto: Staacke

 Weil das Geld für neuen Belag fehlt, muss der Platz geschlossen werden. Zudem sind viele Plätze mangels Geld nicht mehr zu nutzen, auch der Spielplatz am Ahrensfelder Grünzug. Doch er soll in diesem Jahr aus dem Bezirksetat neu gestaltet werden. Andererseits hat Marzahn-Hellersdorf keine geeigneten eigenen Flächen, um neue Spielplätze anlegen zu können. Dabei besteht gerade in den Kleinsiedlungsgebieten großer Nachholbedarf aufgrund des enormen Zuzugs. Immerhin soll im Herbst auf dem Garziner Platz in Biesdorf Süd ein Spiel- und Freizeitareal entstehen.

Ein Blick auf die Spielplatzentwicklungskarte des Senats zeigt: Marzahn-Hellersdorf hat ein Defizit von 57 Prozent. Umso mehr verwundert es, dass die Marzahn-Hellersdorfer Spielplatzkommission nicht mehr existiert. War es doch deren Aufgabe, zu entscheiden, wo, in welcher Form und Ausstattung Plätze geschaffen werden sollen. In anderen Bezirken sind die Kommissionen, in denen Eltern, Lehrer und Sachverständige arbeiten, weiter präsent und dabei erfolgreich. Weshalb sich die Kommission in Marzahn-Hellersdorf in Luft auflöste, konnte das Bezirksamt auf Nachfrage nicht beantworten.

Auch Umweltstadtrat Norbert Lüdtke hüllt sich in Schweigen. Umso mehr forciert er die Wiedereinführung einer einheitlichen Regelung zur Wartung und Sicherheitskontrolle auf öffentlichen Spielplätzen. Die entsprechend Verwaltungsvorschrift wurde 1997 gegen die Bedenken der Bezirke außer Kraft gesetzt. „Wir haben seitdem trotzdem nicht im luftleeren Raum geschwebt“, versichert Jutta Marquardt und fügt hinzu: „Jeder einzelne Spielplatz wird durch Fachleute und Firmen zu den vorgegebenen Zeiten kontrolliert und vom TÜV geprüft. Das ist keine neue Erfindung. Jeder Betreiber ist verpflichtet, Gefahrenstellen zu erkennen und Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.“ Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer erklärte sich jetzt bereit, den Vorstoß aus Marzahn- Hellersdorf zu unterstützen, wenn der Rat der Bürgermeister zustimmt. Die Entscheidung steht noch aus.

Barbara Staacke

Aus einem offenen Brief des Abgeordneten Sebastian Czaja an Bürgermeisterin Dagmar Pohle:

Der Gesetzgeber formulierte 2003 im Gesetz über öffentliche Kinderspielplätze (Kinderspielplatzgesetz), dass öffentliche Spielplätze anzulegen und zu unterhalten sowie die bestehenden öffentlichen Spielplätze weiterzuentwickeln sind. Ebenfalls verankert im Kinderspielplatzgesetz ist unter Paragraf 6 die Einrichtung einer Spielplatzkommission. Dieser Aufgabe kommen alle Berliner Bezirke nach, mit Ausnahme von Marzahn-Hellersdorf. Warum wird ohne Not auf diese Möglichkeit verzichtet? Die logische Konsequenz aus den schockierenden Ergebnissen der Spielplatzentwicklungskarte und der voranschreitenden Verwahrlosung der Spielplätze in Marzahn- Hellersdorf ist die Wiedereinrichtung der Spielplatzkommission.