Wortklaubereien mit einem unpoetischen Professor

Kabarettistin und jot w.d.-Kolumnistin Dagmar Gelbke verdient sich ihr Taschengeld für London auf dem Trödelmarkt und hat einen heißen Sommer vor sich

Neulich war ich mit meiner Freundin Elfriede zum ersten Mal trödeln, denn, gerade als ich im frei gewordenen Zimmer die Bücherregale wieder eingeräumt hatte, kam der Anruf eines treuen Freundes, der mich fragte, ob ich nicht wieder einen Untermieter aufnehmen könne. Also, alle Bücher wieder raus, in Kisten und auf den Trödelmarkt. Nicht ein einziges habe ich verkauft. Nun habe ich sie, so wie sie waren, in die Soziale Bücherstube in Schöneweide gebracht. Die befindet sich in einer wunderbaren Villa an der Spree, doch ob da je ein Mensch hinfindet, um alte Bücher und Videos zu suchen? Aber ich habe mein Gewissen beruhigt, sie nicht einfach entsorgt und rede mir ein, dass wenigstens die Mitarbeiter der Bücherstube eine Zeit lang einen Job haben.

Nun hatten wir nicht nur Bücher dabei, sondern auch allen möglichen „Müll“. Der hat sich am besten verkauft. Messing-Nippes aus Marokko, gold verzierte, furchtbar hässliche Kristallschalen, angeschlagene Kaffeekannen, alte Auflagen für Campingstühle – man glaubt es nicht. Neben uns am Stand eine nette Ur- Berlinerin, die Klamotten, offensichtlich aus Kleiderspenden, feilbot. Es ist nicht zu fassen, wofür die Menschen Geld ausgeben. Nun gut, auch wir haben 120 Euro Gewinn gemacht, den wir als Taschengeld für unsere London- Reise im September nutzen werden. Und Spaß gemacht hat es allemal – die Leute waren alle nett zueinander, das ist doch auch mal eine schöne Erfahrung.

Ansonsten geht es meiner heiseren Stimme besser, obwohl an Stimmruhe ja nicht zu denken ist. Die Premiere des Programms „Zeig mir mal Dein Sommerloch“ in Frankfurt (Oder) haben wir mit Bravour absolviert, nun warten wir aber doch auf die vielen Zuschauer, die wir in früheren Jahren hatten. Schreckt der Titel ab, oder hat es sich herumgesprochen, dass es kein leichter Sommerspaß, sondern ein ordentlicher Kabarettspaß ist, der zu viel Nachdenken fordert?

Aber die Feierlichkeiten zum 35. Jahrestag der „Oderhähne“ am 26. Juni – 22 Jahre davon unter Leitung von Wolfgang Flieder – hatten eine Riesenresonanz. Sogar der Oberbürgermeister kam und schnitt die Geburtstagstorte an. Martin Wilke, einst Vereinsvorsitzender der „Oderhähne“, gilt inzwischen als sehr resolutes Oberhaupt der Frankfurter Stadtversammlung. Mehrere wichtige Volksvertreter haben unter ihm schon das Handtuch geschmissen, weil er keine Schlamperei zulässt. Das lässt vielleicht doch hoffen für das verschlafene Oderstädtchen.

Nun werde ich ganz nebenbei den Juli mit verschiedenen Arztterminen verbringen. Die Schilddrüse ist verknotet und muss raus, aber natürlich habe ich für so was eigentlich gar keine Zeit. Dem operierenden Arzt muss ich beibringen, dass es nur am 30. August geht, weil ich am 14. September schon wieder eine „Mugge“ habe. Vorher muss ich noch eine Geschichtsklausur schreiben, und eine neue Hausarbeit ist auch schon wieder am 30. September fällig. Apropos, diesmal habe ich keinen sexy Professor, der mich betreut. Schon jetzt im Vorfeld muss ich mit ihm Wortklaubereien ausdiskutieren, unter dem Motto: Was ist ein Motiv, was ein Sinnbild. Völlig unpoetisch als Professor der Literaturwissenschaften kann er mir nicht in die poetischen Sphären folgen, die musikalische Termini in die Literatur einbringen könnten.

Ach ja, da wäre mir mein persönlicher Professor Wolfgang schon lieber, der auf einer Zugfahrt so mir nichts, dir nichts eine „Ode an den Flieder“ gedichtet hat, die Margit Meller und ich zum Kabarett-Jubiläum vorgetragen haben. Aber man kann sich eben nicht alles im Leben aussuchen. Und man wächst ja an seinen Aufgaben.

In diesem Sinne einen heißen Sommer!

Eure Daggie