Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 83 

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit dem Sänger und Entertainer Achim Mentzel fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Achim Mentzel

 

Stimmungskanone

 

 

„Er versucht, auch der verfahrensten Sache noch eine positive Seite abzugewinnen“, schrieb vor knapp 30 Jahren eine Kollegin in einem Schlagermagazin. Ein Satz, der den Fernsehmoderator, Musiker, Sänger von Schlagern, Stimmungs- und Volksliedern ziemlich treffend charakterisiert. Der Künstler, der am 15. Juli seinen 65. Geburtstag feiert, ist einfach ein Optimist, ein „Gute-Laune-Typ“, eine Stimmungskanone. Nicht nur auf der Bühne. Kein Wunder, dass sein erster Titel „Außerdem macht es Spaß“ hieß, als er 1976 seine Solokarriere als Sänger begann. Der folgende Schlager „Gott sei dank ist sie schlank“ begleitet den Zwei-Zentner-Mann bis heute.

Alles  begann, als ihm seine Mutter mit zehn Jahren eine Gitarre schenkte. Da war der Junge aus dem Prenzlauer Berg nicht mehr zu halten, er gründet mit Schulfreunden eine Band, ganz nach dem Vorbild der Beatles. Auch seine Lehre als Polsterer und Dekorateur bringt ihn nicht von der Musik weg. Als Sänger und Gitarrist steigt er in das Dieter-Hesse-Quartett ein. 1963 gründet er mit Freunden das „Diana-Schau-Quartett“. Nach dem Verbot der Kapelle und seiner Armeezeit beginnt Mentzel 1968 beim Berliner Manfred- Lindenberg-Sextett, wird schließlich Kapellensänger im Orchester Alfons Wonneberg.

1973 nutzt er ein Gastspiel des Orchesters in Westberlin, um im Westen zu bleiben. Nur sechs Monate hält er es aus, dann plagt ihn das Heimweh. Er geht zurück in die DDR. Die Anklage wegen Republikflucht bringt ihm zehn Monate Gefängnis auf zwei Jahre Bewährung ein. Schwein gehabt. Wonneberg nimmt den „Abtrünnigen“ zurück und Mentzel studiert an der bekannten Musikschule Berlin-Friedrichshain, nimmt Gesangsunterricht, lernt Noten. Und bald geht’s wieder aufwärts. 1974 gehört er zu den Mitbegründern von „Fritzens Dampferband“, tourt mit dieser u.a. mit Nina Hagen und Gerd Christian. Von nun an sind anstatt hartem Rock Ulk und Stimmung angesagt. Das passt zu seinem Naturell, genau wie seine erste Amiga-LP „Stimmung, Jux und Mentzel“. Inzwischen kennt man sein Gesicht im ganzen Land durch viele Fernsehauftritte und Konzerte. Er wagt den Sprung in die Solistenkarriere, nimmt mit Erfolg an Interpretenwettbewerben teil, tritt im Friedrichstadtpalast auf, in diversen Schlagersendungen des Fernsehens und tourt zwischen Rostock und Suhl. 1988 moderiert er das „Flaggschiff“ der DDR-Fernseh-Unterhaltung, den „Kessel Buntes“. Das darf schließlich nicht jeder.

Und so bekommt er 1989 seine erste eigene TV-Sendung „Achims Hitparade“. 17 Jahre (!), bis 2006 geht diese zwei Mal im Monat über den Sender (seit 2002 im mdr). Dazwischen laufen zahlreiche Live-Touren („Stimmung, Jux und Mentzel“, „Achims Musikantenkönige auf Tour“). Und auch nach dem Ende der „Hitseiparade“ bleibt er weiter „auf Sendung“, ob mit „Achims Spreewaldstadl“, beim „Winter- und Frühlingsfest der Volksmusik“ oder der neuen Sendung „Der Kahn der guten Laune“, beim „Musikantenstadl“ und in diversen Talk- oder Kochshows (Promi-Dinner). Denn Kochen zählt zu seinen Leidenschaften („Keiner schmort die Rinderrouladen so butterweich wie ich“). Und so erscheint nach „Alles Achim, oder was“ (1999) schon bald sein Buch „Küchenknüller“. Mit dem Tanzen hat`s dann nicht ganz so gut geklappt. Immerhin schafft er mit Partnerin drei Runden bei „Let`s dance“. Auch privat war Achim Mentzel nie ein Kind der Traurigkeit. Er lebt in vierter Ehe mit seiner Brigitte, das allerdings schon seit 30 Jahren. Fünf Kinder nennt er sein eigen, drei angeheiratete kamen dazu. Mit Brigitte lebt der gebürtige Berliner seit vielen Jahren in Gallinchen bei Cottbus. Das in diesem Monat erreichte Rentenalter ist für ihn kein Grund, sich zurückzulehnen. Ohne die Bühne kann man sich einen wie Achim Mentzel einfach nicht vorstellen.

Ingeborg Dittmann

Abb.: Achim Mentzel beim Auftritt in Marzahn 2008 und als Mitglied von „Fritzens Dampferband“ (3. v.r.) bei einer Fernsehaufzeichnung.

Fotos: Nachtmann, Archiv