gelbke1.jpg Die „Omi“ ärgert sich über Sensibelchen
Kabarettistin und jot w.d.-Kolumnistin Dagmar Gelbke wendet sich nach der Niederlage
der Löw-Elf gegen Italien nun wieder irdischen Dingen zu

 Bloß gut, dass diese Fußball-EM endlich vorbei ist. Abgesehen davon, dass mein Kabarett-Chef in Frankfurt/Oder doch tatsächlich eine Vorstellung verlegt hat, um das Debakel gegen Italien live miterleben zu können – in einer italienischen Kneipe in Frankfurt. Das hätte es „zu meiner Zeit“ nicht gegeben. Denn „Dienst ist Dienst“ hat mein Vater immer gesagt. Seien wir doch mal ganz ehrlich: Wie albern benehmen sich erwachsene Menschen eigentlich, nur damit verwöhnte junge Männer weit mehr Geld als die Bundeskanzlerin verdienen können? Und die bringt neuerdings sogar ihr Leben in Gefahr mit ihrer Politik.

 Na, ist doch wahr! Da kriegen unsere Jungs ein Tor reingeballert und stehen fortan unter psychischem Druck, der sie förmlich lähmt; diese Sensibelchen. Soweit ich mich erinnere, ist Tore schießen das Ziel eines Fußballspieles, auf beiden Seiten. Und die Betonung liegt obendrein auf Spiel.
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Zum Trost für unsere Kolumnistin ein T-Shirt mit Unterschriften einiger Stars des früheren Ost-Fußballs, die ja noch ab und zu auftreten.
Ob Daggie errät, welches das Autogramm von Peter Ducke ist? Kleiner Tipp: Er wurde „Der schwarze Peter“ genannt.
Foto: Nachtmann


 Wo sind die deutschen Fußballer, die wirklich kämpfen können? Wie dieser, einer Gladiatoren- Saga entsprungene Mario Balotelli zum Beispiel? Ich sage nur: Peter und Roland Ducke im Osten und Uwe Seeler, Lothar Matthäus, Franz Beckenbauer usw. im Westen. Die bei jedem gegnerischen Tor sagten: Jetzt erst recht!

 Irgendwie wirkte unsere Mannschaft beim Spiel gegen Italien wie eine Altherren-Riege. Als ich das in meinem Public-Viewing- Kreis in der Britzer Mühle äußerte, wurde ich von meinem Kumpel Micha zwar belehrt, dass die Deutschen die jüngste Mannschaft der EM waren, aber Recht gab er mir trotzdem. Ein Fan am Nachbartisch gab noch eins drauf: „Nun könnt ihr mal sehen, wie schlecht die Griechen waren, dass wir die besiegen konnten.“

 Jetzt wünsche ich, da ich beim Schreiben dieser Zeilen den Ausgang des Endspiels nicht kenne, den Italienern viel Glück (meine Tochter als Spanien-Fan wird mich hassen). Auch wenn mich ein junger Deutsch-Italiener am UBahnhof Rudow nach dem Halbfinale mit den Worten: „Fahr weiter, Omi!“ durch seine Fan-Clique geleitet hat. Diese Italiener sind eigentlich mal wieder reif für den Titel. Übrigens: Hätte ich bloß gewettet während der EM, ich hätte das Geld für eine Urlaubsreise kassieren können.

 Nun also heißt es schauen, was uns während der EM an politischen Entscheidungen klammheimlich übergeholfen wurde. Und: Im Kabarett warten wir gespannt auf den angekündigten Selbstmord der Kanzlerin. Oder wie anders sollte man ihren Ausspruch verstehen: „Keine Eurobonds solange ich lebe!“? Aber wahrscheinlich habe ich wieder gar keine Ahnung von Politik wie auch vom Fußball, und deshalb wünsche ich an dieser Stelle einfach allen Lesern endlich einen schönen Sommer.

Eure Daggie

 PS: Nur wenige Stunden vor Drucklegung dieser Ausgabe siegte Spanien überlegen mit 4:0. (Red.)