Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 104

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit Henry Kotowski und den "Sputniks" fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Olaf Berger

 

Brennt immer noch wie Feuer


 Zwischen meiner ersten und der aktuellen Begegnung mit dem Dresdner Sänger liegen fast 28 Jahre. Im September 1985 erlebte ich beim Nachwuchsfestival „Goldener Rathausmann“ in Dresden einen jungen Popsänger mit Ausstrahlung und Charme. Olaf Berger war 21 Jahre jung und bekam einen Förderpreis. Zuletzt begegnete ich dem inzwischen 49- Jährigen am 15. Juni 2013 live auf einer Bühne in Hoppegarten bei Berlin. Beim Schlossfest begeisterte er mit seinen gefühlvollen Pop-Songs und seiner charmanten Art, mit dem Publikum zu plaudern. Klar, dass er neben Liedern seiner aktuellen CD „Stationen“ (erschien im April 2012) auch Hits der vergangenen 27 Jahre seiner Bühnenkarriere sang – darunter seinen wohl bekanntesten Hit von 1986 „Es brennt wie Feuer“. Unter diesem Namen erschien nach einer Single im Januar 1987 auch seine erste LP bei AMIGA. Das lässt schon aufmerken, war die einzige Plattenfirma der DDR ansonsten doch nicht so leicht davon zu überzeugen, einem Newcomer diese Chance zu geben. Von den 12 Titeln der Scheibe wurden gleich mehrere zu Hits, mit denen Berger in diversen TV-Sendungen vertreten war („Regen fiel ins Paradies“, „Gefangen von Gefühlen“, „Wenn ich dich verlier“, „Es kommt so oder so“). Die Kompositionen stammen von Lothar Kehr, Arnold Fritzsch und Olaf Berger selbst, die Texte von Dieter Schneider, der ansonsten nur für die bekanntesten Schlagersänger des Landes schrieb.

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Beim jährlichen Publikumspreis des Jugendmagazins „neues leben“ wählten ihn die Leser 1986 auf den 1. Platz, im Jahr darauf wurde er hinter IC Falkenberg Zweiter.

Mehr als 60 Prozent der Leser der TV-Zeitschrift „FF dabei“ kürten ihn 1986 zu ihrem Lieblingssänger. Gleich fünf Mal erhielt der blonde Sunnyboy den „Silbernen Bong“ der gleichnamigen TV-Hitparaden-Sendung. Ein „Senkrechtstarter“ könnte man meinen. Doch Olaf Berger, geboren am 24. Dezember 1963 in Dresden, hat sein Handwerk von der Pieke auf gelernt. Aufgewachsen in einer Musikerfamilie (seine Mutter war Sängerin, sein Vater war 30 Jahre lang Chef der Tanzmusikband „Die Virginias“), lernte Olaf schon mit sieben Jahren Klavier, später Gitarre. Mit 13 schrieb er erste eigene Songs, nahm Gesangs - und Gitarrenunterricht. Nach Schulabschluss absolvierte er zunächst eine Lehre zum Kfz-Mechaniker. Erst nach seiner Armeezeit stieg er 1984 als Sänger und Gitarrist in die Band seines Vaters ein, der auch sein Bruder Gregor angehörte. Den Berufsausweis als Sänger hatte er inzwischen in der Tasche. Nach dem erfolgreichen Debütalbum (Goldstatus) folgte bei AMIGA 1989 „Lebenslänglich Du“. 1990 erhielt er als erster DDR-Künstler aus den Händen von Dieter Thomas Heck die „Goldene Stimmgabel“. Der Erfolg blieb ihm auch nach 1990 treu, spätestens seit ihn 1993 der international erfolgreiche Komponist und Produzent Jack White unter Vertrag nahm, ging es weiter bergauf. Nach dem 1994 erschienenen Album „Erzähl mir was von Dir“ wurde er zum Dauergast im deutschen Fernsehen – in Ost wie West. Danach folgten jährlich weitere Singles und CD´s wie „Du und ich“, „Casanova“, „Hautnah ist nicht genug“ oder „Gefangen von Gefühlen“. Auch als Moderator beim MDR-Fernsehen, u.a. mit eigener Sendereihe („Top Ten“), war Berger erfolgreich. 2005 wechselte der Sänger, der mit seiner Frau Andrea und Tochter Maria inzwischen auf Mallorca lebte, zu „Palm Records“, seit 2011 hat er einen Vertrag mit David Brandes und Koch Universal Music.


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Abb.: Olaf Berger als Senkrechtstarter
1986, und im Juni 2013
beim Schlossfest in Hoppegarten.

Fotos: nl-Archiv(Gueffroy),
Nachtmann

Dass der Sänger in seinem Privatleben in letzter Zeit mehrere Schicksalsschläge zu verkraften hatte, merkt man dem Bühnenprofi bei seinen Live-Shows nicht an. 2011 starb sein Vater Lothar nach langer Krankheit, ein Jahr darauf seine Mutter Evelyne. Auch ihretwegen war er nach der Trennung von seiner Frau Andrea im Frühjahr 2012 nach Dresden zurückgekehrt. 1987 hatte er das Ex-Model bei einer Modenschau kennen gelernt, seit 1990 waren sie ein Ehepaar. Tochter Maria, mit der er auch einige Duette aufnahm („Du und ich“, „Lend a Hand“) ist inzwischen 24. Live zu erleben ist Olaf Berger u.a. am 17. August beim „2. Schlagerolymp“ in Berlin-Lübars, im TV am 7. Juli als Gast von MUCK bei „Damals war’s“ (MDR), am 10. August in der ARD bei „Immer wieder sonntags“.

Ingeborg Dittmann