Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 116

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit dem Sänger und Entertainer Roland Neudert fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Roland Neudert

 

Topstar der Ostdeutschen Showszene


Stimmungsvolle Schlager, Seemannsmelodien, internationale Evergreens und deutsche Volksmusik sind seit über 50 Jahren sein Markenzeichen. Mit mehr als zwei Millionen verkaufter Tonträger zählt der aus Böhmen stammende Entertainer zu den Stars der ostdeutschen und inzwischen auch gesamtdeutschen Unterhaltungsszene.

In der DDR avancierte der Sänger durch seine Ausstrahlung, seine Persönlichkeit und seine warme, nuancenreiche Stimme schnell zum Publikumsliebling. Kennzeichnend für den am 9. Juli 1940 bei Karlsbad geborenen und in Thüringen aufgewachsenen Sänger, dessen Repertoire mehr als 650 Titel umfasst, ist seine künstlerische Perfektion.

Sein Handwerk hat Neudert von der Pieke auf gelernt. Nach dem Schulabschluss in Sonneberg erlernte er zwar den Beruf eines Maschinenbauschlossers und legte den Meisterbrief ab, doch nebenbei nahm er Gesangsunterricht und lernte Geige und Trompete spielen. An den Wochenenden zog er mit einer Amateurtanzkapelle durch die Lande. 1960 nahm er an einem Talente-Wettbewerb teil und belegte den 1. Platz beim „Heiteren Finale“ der bekannten TV-Reihe „Herzklopfen kostenlos“.

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Von 1961 an folgte eine Ausbildung im Nachwuchsstudio des Berliner Rundfunks, wo er auch seine erste Ehefrau, die leider viel zu früh verstorbene Arite Mann, kennenlernte. Mit dem Berufsausweis in der Tasche stand einer professionellen Karriere als Sänger nichts mehr im Wege. Ralf Petersen und Dieter Schneider schrieben seine ersten Titel wie „Bleib nicht im Schatten stehn“ oder „Weil ich Heimweh hab“. Auch die Armeezeit bedeutete keine Unterbrechung seiner Bühnenkarriere, Neudert diente von 1963 bis 65 im Erich-Weinert-Ensemble in Berlin. Als er 1968 beim Schlager-Wettbewerb der DDR mit der „Fernfahrermelodie“ von Siebholz/Schneider erfolgreich war, kannte man Neudert Republik weit bereits aus ersten Fernsehauftritten.

Mit dem KGD-Programm „Interview mit Schlagern“ tourte der Sänger viele Jahre erfolgreich durch In- und Ausland, längere Zeit auch mit der Hanns-Pannasch- Band“. Mitte der 1970-er Jahre fand er in Georg Möckel einen Komponisten, der ihm viele Titel auf den Leib schrieb. 1980 erschien bei Amiga seine erste LP „Guten Tag, schönes Kind“, u.a. mit dem Hit „Vom Verliebt sein bis zur Liebe“. Inzwischen hatte sich der Künstler mehr und mehr auch der volkstümlichen Musik zugewandt, davon zeugt u.a. die Platte „Hohe Berge – tiefe Täler“ aus dem Jahr 1989.

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Nach der Wende zog sich Neudert, der seit 1985 mit der bekannten Fernsehmoderatorin Petra Kusch- Lück (heute 66) lebte, aus der Showbranche zurück. Am 25. November 1992 heiratete das Paar. Gemeinsam mit seiner Frau meisterte er in dieser Zeit, gleich zahlreicher Kollegen aus dem Osten, Tiefen wie Krankheit und Arbeitslosigkeit. Er hielt die Familie zunächst mit dem Betreiben eines Festzeltes über Wasser, machte eine Ausbildung als Gastronom und gestaltete drei Jahre lang Berliner Volksfeste mit. Als die ARD, später der ORB, Petras erfolgreiche TV-Sendung „Musikantenscheune“ absetzte, organisierte sie die Show mit ihrem Mann privat weiter – als Touristenattraktion in Diedersdorf. 200 000 Gäste kamen im Verlauf von rund zehn Jahren in die Live- Veranstaltungen.

Der mehrmalige „Musikantenkönig“ präsentierte sich u.a. in TV-Sendungen wie „Aktuelle Schaubude“, „Feste der Volksmusik“, „Immer wieder sonntags“, „Musik für Millionen“ oder der ZDF-Hitparade. Vor einigen Jahren entwickelte das Bühnen- und Ehepaar gemeinsam mit Hauff/ Henkler und Andrea & Wilfried Peetz eine neue Bühnenshow, mit der sie bis heute erfolgreich unterwegs sind – die „Show der Paare“. Damit gastierten sie u.a. im Freizeitforum Marzahn (siehe jot w.d. 3/2009 und 5/2013).

Seit 2001 hat das Paar beim eigenen Musiklabel „Landmusik“ zahlreiche Alben veröffentlicht. Darunter „Goldene Hits – schön war die Zeit“ und Rolands vierteilige CD-Box „Meine Melodien“ mit insgesamt 65 Titeln! 

Ingeborg Dittmann

Abb.: Roland Neudert 1966, auf seiner Platte 1984 und mit seiner Ehe- und Bühnenpartnerin Petra Kusch-Lück bei der „Show der Paare“ im FFM. Fotos: Nachtmann, nl-Archiv

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