Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 128

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit dem thüringer Komödianten Dieter D. fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Dieter D. („Dieter & Dieter“)

 

Einmal Gaukler, immer Gaukler

 In diesen Tagen feiert ein waschechter Thüringer sein 50-jähriges Bühnenjubiläum – zumindest jenes als Humorist, Parodist, Conferencier und Sänger. Auf der Bühne stand der „lange Dieter“ (der eigentlich Dieter Deubner heißt) aber schon mit 17 – als Bassist und Sänger einer Studentenband. Nach dem Abitur hatte er ein Studium der Landwirtschaft aufgenommen, während seiner Assistentenzeit in Mecklenburg gründete er ein Gesangs- und Instrumentaltrio. Zurück in seiner Heimatstadt Erfurt absolvierte er nebenberuflich eine dreijährige klassische Gesangsausbildung und wurde schließlich von „Talentevater“ Heinz Quermann entdeckt. Beim Zentralen Ausscheid Junger Talente in Berlin belegte der 24- Jährige 1963 den ersten Platz und wurde zum Landesbesten „Jung-Conferéncier“ gekürt. Damit waren seine beruflichen Weichen gestellt.  

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Er sagte der Landwirtschaft adé, erwarb 1965 seinen Berufsausweis und fand in Dieter Nr. 2 seinen langjährigen Bühnenpartner. Fast 35 Jahre produzierte das Humoristenduo „Dieter & Dieter“ landauf landab mit ihrer Doppelconference Gags am laufenden Band, riss das Publikum mit ihren Parodien, Wortspielen und Sketchen zu Lachsalven hin. Ihr Motto: „Der Unsinn blüht bis zum Irrsinn – und entbehrt doch nicht des Sinns.“ Man kannte „Dieter & Dieter“ aus Fernsehsendungen wie dem „Kessel Buntes“, „Zwischen Frühstück und Gänsebraten“, „Da liegt Musike drin“ oder der „Nacht der Prominenten“.
Als sich Deubners Partner 1999 von der Bühne verabschiedete, dachte auch der Familienvater (ein erwachsener Sohn) daran, seine Karriere zu beenden. Mit Anfang 60 hatte er nun Zeit für seine Hobbys – Sport (er war früher aktiver Leichtathlet), seine „Haustiere“ (Hühner, Kaninchen, Tauben, Schafe), den Garten, das Schreiben von Texten. Doch: Einmal Gaukler, immer Gaukler. „Ich war viel zu sehr mit meinem Beruf verwachsen und wurde nach knapp anderthalb Jahren Ruhestand rückfällig“, erzählt er.
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Er erarbeitete sich ein Solo-Repertoire (Conferénce und Gesang), schrieb sich seine eigenen Texte – vom Sketch über geistvolle Wortspiele bis zur hintersinnigen Blödelei mit aktuellem Bezug. Als politisch interessierter Zeitgenosse treffen seine Gags ins Schwarze – egal ob es um die so genannte Gesundheitsreform geht, um den Jugend- oder Schönheitswahn in dieser Gesellschaft. Die ersten Angebote für Veranstaltungen, auch von Rundfunk und Fernsehen, ließen nicht lange auf sich warten.
Auch in unserem Bezirk „verkostete“ der lange Dieter sein wortspielerisches Unterhaltungsmenü schon des Öfteren – ob zur „Langen Nacht der Senioren“ oder zur „Arndt-Bause-Gala“ im Freizeitforum Marzahn. Mit Witz und Charme moderierte er Veranstaltungen der Erfurter „classic-dixie-brothers“ und mehrere Neujahrskonzerte der Thüringer Philharmonie. Auch mit der 56-jährigen Erfurter Top-Sängerin Tina Rogers steht der lange Dieter gelegentlich mit dem Programm „Gesang mit Pfiff, Humor mit Biss“ auf der Bühne. Und er schreibt Texte. Zettel und Stift liegen selbst auf dem Nachttisch stets bereit. „Falls mir nachts etwas einfällt.“
Ans Aufhören denkt der 76-jährige, stets top gekleidete Vollblutkomödiant (er arbeitete eine Zeit lang als Dressman) noch lange nicht. Er ist eben noch immer „ein Mann, der aus dem Rahmen fällt“. Ingeborg Dittmann 
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Abb.: Dieter Deubner als Bassist seiner Studentenband in Erfurt, mit seinem Bühnenpartner als „Dieter & Dieter“, Dieter D. mit seinem typischen Hut bei einem Auftritt in Hellersdorf und ganz sportlich im Arndt-Bause-Saal des FFM.

Fotos: Dittmann, privat