Musiklegenden des Ostens - jot w.d.-Serie. Teil 2

 In der vergangenen Ausgabe begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser - also in den 50er, 60er und 70er Jahren - Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. sprach mit Julia Axen, Mary Halfkath, Jenny Petra, Hartmut Eichler, Vera Schneidenbach, Günter Gollasch, der Blues-Legende Jürgen Kerth, der Stern Combo Meißen und anderen. Wir setzen heute unsere Serie mit dem in Hohen Neuendorf lebenden Sänger Hartmut Eichler fort. Schreiben Sie uns, über welche Künstler Sie mehr erfahren wollen. Wir werden uns bemühen, Ihren Wissensdurst zu löschen.

Hartmut Eichler

Der Charmeur mit der samtigen Stimme
"Statt Weiß trag Rot, das ist die Farbe der Liebe" sang Hartmut Eichler vor 40 Jahren und alle Teenys lagen dem gut aussehenden Sänger mit der Elvis-Tolle zu Füßen. Mit den Farben hat's der heute 67-jährige, der mit seiner Ehefrau und einstigen Duett-Partnerin Karla Schreiter in Hohen-Neuendorf (Brandenburg) lebende Sänger noch immer.  Denn der gelernte Maler/Tapezierer und ausgebildete Sänger frönt seit vielen Jahren seinem Hobby: dem Zeichnen und Maien. Dutzende Aquarelle, Öl- und Acrylmalereien schmücken die Wände ihres Häuschens. "Vor Hartmut ist kein Schrank, kein Brett, kein Fensterladen sicher", schmunzelt Karla. "Alles wird mit Blumen und Ornamenten verziert."

Auch heute noch greift Karla gern in die Tasten.

Nach der Wende habe er sogar einen Lehrgang :für Bleiglaserei absolviert, erzählt Karla. "Uns ging es genau so wie Tausenden anderen ehemaligen DDR-Bürgern", meint der Schlagerstar. "Meine Frau und ich haben uns bis zur Rente mit ABM-Jobs und Programmen für Kinder über Wasser gehalten." Später setzte ihn . eine schwere Krankheit außer Gefecht. Sein Optimismus und die Fürsorge der Familie halfen ihm darüber hinweg.

Ein wenig wehmütig kramt der 67-Jährige, assistiert vom Familienliebling - Welshterrier Lili -  Fotos, Singles und LP's von dazumal aus dem Schrank. "Wenn ein junges Mädchen weint", "Der Platz neben mir", "Weil ich immer allein bin" - die Schlagermelodien sind auch heute, nach 40 Jahren, noch im Ohr. Es würde ihn schon reizen, noch einmal ein paar Titel im Studio einzuspielen. "Dafür müsste ich aber vorher im Lotto gewinnen."

"In meinem Leben möchte ich nichts missen, weder die Höhen, noch die Tiefen", blickt Hartmut Eichler zurück. Seine große Liebe sah er 1957 zum ersten Mal per Fernseher. Karla trat damals in Quermanns Sendung "Da lacht der Bär" auf. Mit Akkordeon. "Diese flotte Biene musst du kennenlernen", schwor er sich damals. Im Nachwuchsstudio des Berliner Rundfunks kam man sich dann näher. Hartmut und Karla traten sogar als Duett auf. (,,Der Mond kann Geschichten erzählen"). Die "flotte Biene" schenkte ihm später eine Tochter. "Simone ist Kindergärtnerin, unsere beiden Enkel Denny und Patrick sind längst erwachsen", erzählen die stolzen Großeltern. "Jetzt sind wir seit 44 Jahren verheiratet, und die Liebe hält noch immer", meint Hartrnut. Und verrät uns das Rezept: Achtung und Respekt voreinander. Ganz so, wie's der Sänger mit der samtigen Stimme in einem seiner bekanntesten Schlager besang: "Täglich ein paar nette Worte".

Der Maler und sein Modell: Neben ländlichen Motiven malte Hartmut Eichler auch dieses Selbstporträt. 

Für Besucher holt der Sänger auch mal ein paar seiner alten Platten raus. (Bild oben)

Fotos: Nachtmann

Ingeborg Dittmann