Alles dreht sich nur um's Geld

Kabarettistin Dagmar Gelbke besuchte ihre Kollegen Ranz und May

Eigentlich bin ich doch wie meine Mutter - an allem habe ich was auszusetzen: An der anstehenden Neuwahl, die ich für eine Verscheißerung halte, an den Wahlalternativen, die keine sind (auch wenn Angela Merkel inzwischen wirklich gut aussieht), am Linksbündnis. Horst Köhlers Begründung seiner Zustimmung zur Neuwahl ließ mich an das Lied vom Köhlerliesel denken. Warum nur? Ist der Grund für die Misere wirklich, dass wir zu wenig Kinder haben und dass wir leider immer älter werden? Am liebsten würde ich aufrufen, diese Wahl zu boykottieren. Aber als Kabarettistin weiß ich, dass dies auch keine Lösung ist.

Mit solcher Stimmung in Kopf und Herzen besuchte ich ein Kabarett-Programm meiner Kollegen Michael Ranz und Edgar May. "CASH" heißt es und handelt von dem, was uns allen angeblich fehlt, vom schnöden Mammon in allen nur denkbaren Varianten. Und - wer hätte das gedacht - ich habe an diesem Feuerwerk aus Kabarett und Comedy nichts auszusetzen. Michael Ranz vom Potsdamer Obelisk, inzwischen mit Sabine Genz und Intendant Peter Tepper eine der drei Säulen des neuen KartoonKabaretts an der Kochstrasse 50, zieht in seinem nunmehr sechsten Solo-Programm alle Register. Er ist Conferencier, Parodist, Schauspieler, Kabarettist; er beherrscht die Gratwanderung zwischen den Genres perfekt, kurz: Er ist ein echter Entertainer.

Sein Partner, der Musiker Edgar May, ergänzt ihn nahezu genial durch trockene Pointen und meisterhaftes Piano-Spiel. Abgesehen davon, dass die bei den mittelalterlichen Herren (jaja, sind über dreißig) Klasse aussehen und auch angezogen sind, schreiben sie 80 Prozent der Sketche und Liedtexte selbst. Die Lieder wurden zum Teil Klassikern nachempfunden oder sind parodistisch umgetextete Welthits, wie ,,Money" aus "Cabaret", die in der Choreographie von Maik Damboldt originell vertanzt werden. In meiner Lieblingsszene geht es um die neue Armut unter den Neureichen. Ranz kann darin einem Matthias Richling durchaus das Wasser reichen, und ich würde ihm gönnen, dass wichtige Kabarett-Agenten in Deutschland genauso denken. Denn neben dem "Blonden Emil" stünde einer aus dem Osten der Comedyszene im öffentlich-rechtlich-privaten Fernsehen gut zu Gesicht.

Und dann gibt es noch einen Scheidungssong. Ich besuchte diese Show in Begleitung von "Schätzen-Sie-mal "- Moderator Lutz Hoff, der von derlei Themen gerade auch ein Lied singen könnte. Kinder, nein, was haben wir gelacht!

Auch wenn es heute oft heißt, Politiker seien die besseren Kabarettisten - das, was Ranz und May können, gelingt denen schon lange nicht mehr: Uns Freude zu schenken!

Vorstellungen der bei den in Potsdam laufen noch bis 7. August und wieder ab 2. September.

Dagmar Gelbke