Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 37

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit der viel zu früh verstorbenen Sängerin Helga Brauer fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Helga Brauer

 

Mit dem strahlendsten Lächeln der Welt

 

Am 2. Mai wäre sie 71 geworden, die in Leipzig geborene Schlagersängerin Helga Brauer, die am 15. Juni 1991 in ihrer Heimatstadt viel zu früh an einer schweren Krankheit verstarb.

 Die Karriere als Schlagersängerin begann für die gelernte Zahntechnikerin bereits 1954. Da war sie gerade mal 18 und gewann im Urlaub einen Sängerwettbewerb in Sellin auf der Insel Rügen. Die Combo, die die jungen Leute begleitete, war das Leipziger Tanzorchester Helmut Opel. Opel engagierte die junge Leipzigerin von Seitdem stand Helga Brauer auf der Bühne, mit Schlagern, aber auch Operetten- und Musicalmelodien. Ihre erste Gage: sieben Mark. Zwei Jahre darauf bestand sie eine Mikrofonprobe beim Rundfunk, produzierte schon bald ihre ersten Funktitel und sang beim bekannten Rundfunktanzorchester Leipzig. Bei einer Leipziger Kammersängerin erhielt Helga Brauer Gesangsunterricht und Stimmbildung.

  

Schon bald wurde die Plattenfirma AMIGA auf die Leipzigerin aufmerksam und produzierte 1957 die erste Platte mit ihr. „Warum liebst du mich nur platonisch?“ hieß ihr erster Schlager, dem bald viele weitere folgen sollten. An ihren ersten Nr. 1-Hit „Heute spielt der Konstantin Klavier“ können sich ältere Schlagerfans sicherlich noch erinnern, obwohl das schon 50 Jahre her ist.

1959 wurde die Leipzigerin auserkoren, den dort kreierten Modetanz Lipsi populär zu machen – mit Schlagern wie „Heute tanzen alle jungen Leute im Lipsi-Schritt“ und „Mr. Brown aus USA“.

Dass sich die DDR-Erfindung auf dem Parkett nicht durchsetzte, war ganz gewiss nicht die Schuld der jungen Sängerin. Die Jugend orientierte sich halt schon damals international. Überliefert ist, dass am 2. November 1959 junge Leute in die Innenstadt von Leipzig zogen und lautstark verkündeten: „Wir wollen keinen Lipsi und Alo Koll / Wir wollen Elvis Presley und Rock’n’Roll!“

1960 heiratete Helga Brauer den Komponisten und Trompeter Walter Eichenberg, der kurz darauf die Leitung des Rundfunktanzorchesters Leipzig übernahm (und bis 1989 inne hatte). Für seine Frau schrieb er zahlreiche Schlager, die in den 60er Jahren schnell populär wurden – „Hör mein Herz“, „Einer ist für den andern da“ oder „Mit dem strahlendsten Lächeln der Welt“. Es folgten diverse Tourneen durch die DDR, aber auch ins Ausland – in die Sowjetunion, die CSSR, nach Ungarn, Österreich, Schweden, Finnland oder Ägypten. 1966 gewann Helga Brauer den 1. Preis beim ersten DDR-Schlagerwettbewerb. Ihr Siegertitel: „Schlaf, mein kleiner Johnny“.

Auch das damals noch junge Fernsehen der DDR hatte die begabte Sängerin längst entdeckt und setzte sie in den großen Shows ein, ob im „Kessel Buntes“, dem „Amiga-Cocktail“ oder bei „Da liegt Musike drin“. Mit dem Programm „Evergreens nonstop“ ging sie in den 80er Jahren gemeinsam mit Julia Axen, Fred Frohberg. Günter Geißler und anderen auf Tournee. Fast 600 Titel umfasste ihr Repertoire, viele davon auf Platte Ihr Siegertitel: „Schlaf, mein kleiner Johnny“. Auch das damals noch junge Fernsehen der DDR hatte die begabte Sängerin längst entdeckt und setzte sie in den großen Shows ein, ob im „Kessel Buntes“, dem „Amiga-Cocktail“ oder bei „Da liegt Musike drin“. Mit dem Programm „Evergreens nonstop“ ging sie in den 80er Jahren gemeinsam mit Julia Axen, Fred Frohberg. Günter Geißler und anderen auf Tournee. Fast 600 Titel umfasste ihr Repertoire, viele davon auf Platte gepresst (zwei Amiga-LP, Dutzende Singles). 1999 erschien bei Aelstertal die CD „Hör mein Herz – Helga Brauer - Ihre größten Erfolge“.

Helga Brauer mit Ehemann Walter Eichenberg und Sohn Andreas. Oben: Helga 1986 und Anfang der 60-er Jahre.

 Fotos: Archiv

Ehemann Walter Eichenberg, der heute zurückgezogen in Leipzig lebt, war noch bis 1989 Chefdirigent und bis 1991 zweiter Dirigent des Rundfunktanzorchesters Leipzig.

 Ingeborg Dittmann