Im Großraumtaxi zu den Affen

Kabarettistin und jot w.d.-Kolumnistin Dagmar Gelbke macht mit Tochter Paula Spaniens Straßen unsicher

 

Von Spanien nach England und zurück in vier Tagen, so sehen meine beliebten Kurzreisen aus, wenn ich mich mit meiner Tochter treffen möchte. In Malaga, bei der Autovermietung, kennt man uns schon, jedenfalls haben wir gleich ein Upgrade bekommen, keinen Zweitürer, sondern einen Viertürer. Zwar zieht er ein bissel schlecht und die Kupplung schleift, aber das bin ich ja von meinem Suzuki, den ich immer noch nicht ausgetauscht habe (ist doch auch ein fühlendes Wesen, so ein Auto) gewohnt. Und Paula als gelernte Trabbi-Fahrerin hat damit auch keine Probleme. Und so sind wir, nachdem ich das Kind am Busbahnhof abgeholt hatte, von Malaga nach Antequera und Ronda gezuckelt, haben herrliche Berglandschaften auf leeren Straßen durchquert und können nur sagen, diese beiden weißen Städtchen muss man gesehen haben!

Man hätte noch viel entdecken können auf der Fahrt nach Línea de la Concepcion, aber irgendwie hatte ich die Vorahnung, dass der Felsen von Gibraltar, an dem ja schon Herkules beinahe gescheitert ist, nicht so leicht zu bezwingen sein würde. Also erst einmal ins Hotelzimmer, gleich an der Grenze zu Gibraltar, das wir aber sofort getauscht haben, weil es ein Raucherzimmer war. Das andere Zimmer aber (da waren vorher auch Extremraucher drin) haben wir behalten, einfach, weil der Blick bombastisch ist – eben direkt auf den berühmten Felsen. Da wollten wir dann also auch hinauf und die Affen füttern. Wir also über die Grenze gelaufen, brav, wie Ex-DDR-Bürger nun mal sind, die Pässe vorgezeigt, die keiner wirklich sehen wollte, die Landebahn des Flughafens überquert, die immer, wenn ein Flugzeug landet, gesperrt wird. Paula fragte: „Und wenn man noch mitten drauf ist?“ Tja, wahrscheinlich hinlegen und Ohren zuhalten. Jedenfalls waren wir dann an der Seilbahn, die uns auf den Herkules-Felsen bringen sollte. Wir hatten nun zwar vorbezahlte Tickets, aber selbst in der für uns Privilegierte vorgesehenen Schlange hätten wir zwei Stunden gebraucht, um in eine Gondel zu kommen. Die Leute, die vor Ort zahlen wollten, mussten wahrscheinlich vier Stunden stehen. Paula wurde immer misslauniger: „Warum sind wir nicht mit dem Auto gefahren,“ nörgelt sie.

Gute Frage. Ich hatte vom Hotelzimmer aus den Stau gesehen, der sich in Richtung Gibraltar dahin schlich, zusätzlich noch von einer Streikdemonstration aufgehalten. Deshalb dachte ich, per pedes und Bus und Seilbahn wäre es einfacher. Außerdem war ich – typisch auf Umweltschutz getrimmte Deutsche – fest davon überzeugt, dass man ein derart schützenswertes Naturgebiet niemals mit Autos befahren darf. Aber falsch gedacht: Gibraltar muss man sich vorstellen wie Manhattan, nur chaotischer. Und Umweltschutz, bitte, was ist das? Ach, so was wie auf Atomkraft verzichten? Nein, danke!

Da ich eine brave Mutter bin, die ihr Kind nicht unglücklich sehen kann, habe ich in meiner bekannt rustikalen Art die Initiative ergriffen: Bin mit unseren vorbezahlten Tickets die Warteschlange entlang gelaufen, um sie zu verkaufen. Ich meine, ich sah ja ein bissel aus wie eine arabische Händlerin mit flatternden Tüchern und Walle-Walle-Gewändern wegen der Hitze, aber dass es so schwer sein würde, die Karten loszukriegen… Die Engländer haben gleich weggeguckt, die Franzosen haben die Nase gerümpft – endlich, ein junges spanisches Paar hat mir vertraut! Das war so rührend, wie der junge Mann mir in aufrichtiger Dankbarkeit die Hand geschüttelt hat, weil er plötzlich mit seiner Braut nur noch 30 Minuten von der ersehnten Gondel entfernt stand. Da habe ich doch mal wieder was Gutes tun können.

Wir haben dann ein Großraumtaxi genommen; 25 Euro pro Person. Das klingt viel, aber mit dem Eintritt in die St. Michael’s Höhle – so etwas Gigantisches habe ich nur in „Herr der Ringe“ gesehen – wären wir auf dieselbe Summe mit unseren beim Reisebüro gekauften Tickets gekommen. So waren wir aber Ruck-Zuck bei den Säulen des Herkules und den berühmten Gibraltar- Affen. Ich hatte natürlich auch eine Tüte mit Nüssen und Bananen dabei, aber Paulchen, die nirgendwo anecken will (das ganze Gegenteil ihrer peinlichen Mutter), hat mir verboten zu füttern, weil es halt verboten ist. Na ja, die Viecher sind sowieso ziemliche Diven und hätten meine gute Gabe vielleicht sogar verschmäht.

Tja, und dann sind wir ins Kino gegangen und haben uns Harry Potter, das Finale, auf Englisch angeschaut. Immerhin: Kinokarten – im Gegensatz zu den Preisen in den Restaurants – sehr human, und noch humaner: Keine Endlos-Werbung vor dem Film. Das hat uns dann wieder versöhnt und unsere Mutter- Kind-Verschickung hat mal wieder etwas gebracht, nämlich: Es geht ja doch mit Alt und Jung!

In diesem Sinne eine schöne Urlaubszeit

Eure Daggie