Herr G. macht einen Witz
Eigenartige Auslegung der Pläne für Kaufhallenneubau

Mahlsdorf – Die Beteiligung der Öffentlichkeit, sofern die sich interessiert, an den Bauplanungen ist gesetzlich vorgeschrieben und im Prinzip eine gute Sache. Zwar lehrt die Erfahrung, dass Einwände und Wünsche der Bürger in den meisten Fällen von der Verwaltung „abgebügelt“ werden, manchmal jedoch können kleinere, in der Regel sinnvolle, Veränderungen herbei geführt werden. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass denjenigen Bewohnern, die sich tatsächlich einmischen wollen, auch die nötigen Materialien zur Verfügung gestellt werden.

Derzeit läuft etwa die öffentliche Beteiligung zum Vorhaben des Neubaus der Rewe-Kaufhalle am Bahnhof Mahlsdorf. Die Auslegung erfolgt nicht nur „im Amt“, sondern auch vor Ort im Stadtteilzentrum an der Pestalozzistraße.

Aber ach, was muss der interessierte Besucher dort erleben? Ein großes Schaubild betrachten, das die bereits in allen einschlägigen Zeitungen, also auch in dieser, verbreiteten Ideen und Zeichnungen der Planer enthält. Nebenan liegen auf dem Tisch sechs dürre Seiten mit den Ergebnissen der „allgemeinen Vorprüfung gemäß Umweltverträglichkeitsgesetz“. Deren Tenor lautet, es gibt keine nennenswerten Einflüsse. „Die Vorprüfung kam zu dem Ergebnis, dass erhebliche Auswirkungen – insbesondere auf das Orts- und Landschaftsbild sowie auf ökologische Belange – nicht gegeben sind und eine Pflicht zur eigentlichen Umweltverträglichkeitsprüfung nicht besteht.

 

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Es hat tatsächlich eine Änderung gegenüber der ersten Planung gegeben: Die Skulptur (Möperts Brunnen), steht nicht mehr in der Mitte der Parkflächen, sondern wurde in eine Ecke abgeschoben.
Foto: Nachtmann
Mit Verlaub, diese Art der Auslegung ist ein Witz. Wenn man nicht wüsste, dass im Stadtplanungsamt Menschen arbeiten, die die Gegebenheiten in Mahlsdorf kennen, könnte man meinen, hier wurde eine „Standard-Antwort“ reinkopiert. Es ist unbestritten, dass im „Ortszentrum“ von Mahlsdorf „etwas passieren“ muss. Doch die Aussage, dass die vorgelegten Plane nur geringe Auswirkungen auf das Ortsbild hätten, ist mutig. In welcher Art mit dem Rohrpfuhlgraben umgegangen werden soll, scheint streng geheim zu sein. Die Befürchtung, dass zum Zwecke eines Behelfsverkaufs während der Bauarbeiten die letzten großen Linden gefällt werden, wurden bisher in keiner Weise zerstreut. Die bis jetzt angebotene Verkehrslösung ist mehr als zweifelhaft. Einwände gegen die Art des Bauvorhabens, die vom ersten Tag an seit Bekanntwerden vorgebracht werden – gewiss, nur von einer Minderheit – werden glatt ignoriert. So jedenfalls hat sich selbst der Gesetzgeber die „Beteiligung der Öffentlichkeit“ nicht vorgestellt.  
R. Nachtmann