Der Masterplan
Arbeit und Ausbildung für alle Jugendlichen

Marzahn-Hellersdorf – Am 11. Juli waren genau 2499 Jugendliche unter 25 im Bezirk arbeitslos gemeldet. In vier Jahren, also 2016, soll an dieser Stelle eine „Null“ stehen. Das ist das ehrgeizige Ziel von Bezirksbürgermeister Stefan Komoß und seiner Partner von Jobcenter, Arbeitsagentur und Vereinen.

Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, wurde ein 50-seitiges Aktionsprogramm erarbeitet, eine Art Masterplan zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. Der zeige, sagt Ramona Schröder, Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Mitte, bereits erste Wirkungen. Vom 1. Januar bis heute sank die Zahl der arbeitslos gemeldeten Jugendlichen um 101. Ein bescheidener Erfolg in rund sechs Monaten, denkt man an die oben genannte Zahl. Da sind verstärkte Anstrengungen sehr vieler Partner unumgänglich. Etwa solche, wie das erfolgreich laufende Wohnprojekt „Jule“, in dem Alleinerziehende auf eine Ausbildung vorbereitet werden. 


 Viel versprechen sich Komoß und Agenturvertreter von so genannten Coaches, die in den Sekundarschulen in den 8. und 9. Klassen unterwegs sind und die Schüler bei der Berufswahl und -findung beraten. Ramona Schröder regte an, bereits die 7. Klassen einzubeziehen. Die Finanzierung für die Coaches, die keine Lehrer sein sollen, seien für die nächsten zwei Jahre gesichert, sagte sie bei einem Gespräch am 11. Juli in Hellersdorf. Neu ist ebenfalls eine gemeinsame Vermittlungsstelle „MatchPoint“ im Rathaus Hellersdorf ab Januar 2013, die Praktikumsplätze für Schülerinnen und Schüler bereitstellt und bei der Suche nach Ausbildungsplätzen hilft. Weitere Projekte sind zum Beispiel die Möglichkeit der Arbeitsvermittlung im Gewerbeamt, das „Duale Lernen“ (so genanntes Praxislernen), die Schaffung neuer Kita-Plätze (flexible Öffnungszeiten über 18 Uhr hinaus) oder auch die Vermittlung von Ausbildungsplätzen via Handy.

 

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Bürgermeister Stefan Komoß mit Arbeitsagentur-Chefin Ramona Schröder und Wolfgang Steinherr vom Jobcenter.
Foto: Dittmann
„Der hohen Zahl der arbeitslosen Jugendlichen stehen 1500 freie Ausbildungsplätze gegenüber“, erklärte Wolfgang Steinherr vom Job-Center in Marzahn. Im Prinzip decke sich derzeit die Zahl der freien Ausbildungsplätze mit der Zahl der Schulabsolventen im Bezirk. Also alles paletti? - Nein, besonders hoch ist die Zahl der jungen Arbeitslosen in Haushalten mit Hartz-IV- und Migrationshintergrund. Zudem: Ein wesentliches Hindernis für einen erfolgreichen Einstieg in Lehre oder Ausbildung sind die vielen schlechten beziehungsweise fehlenden Schulabschlüsse. Wer will schon einen Lehrling einstellen, der nicht mal das Einmaleins beherrscht. Dennoch dürfe man gerade diese jungen Leute nicht allein lassen, meint Steinherr. „Wir brauchen mehr Angebote auch für diese Jugendlichen, etwa Praktika oder Kurzzeitjobs.“

Klar ist auch: Nicht jeder wird eine Lehrstelle in seinem Wunschberuf bekommen. Und man muss auch bereit sein, längere Anfahrtswege zur Ausbildung in Kauf zu nehmen. Das gilt schließlich auch für alle übrigen Arbeitssuchenden.

Die Beseitigung der Jugendarbeitslosigkeit bis 2016 erfordert ein abgestimmtes, engagiertes Zusammenwirken vieler Partner in Politik, Wirtschaft, von Ämtern, Schulen, aber auch Eltern und nicht zuletzt der Jugendlichen selbst.
Ingeborg Dittmann