Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 94

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit dem Gesangsduo Gaby Munk und Ingo Krähmer fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Gaby Munk & Ingo Krähmer

 

Privat und auf der Bühne ein Paar

In den großen Hitparaden waren sie nie vertreten, obwohl sie erfolgreich in bisher rund 60 Ländern aufgetreten sind und zwischen 1980 und 1990 (Ingo: „Bis zur letzten Sendung.“) in der TV-Reihe „Im Krug zum grünen Kranze“ mitgewirkt haben. In der DDR war „Munk-Krähmer“ ein Begriff. Man kannte das Gesangsduo aus diversen Schlager- und Volksmusiksendungen, vom „Kessel Buntes“, durch Rundfunkproduktionen oder Live- Konzerte. Seit 1973 sind Gabi Munk und Ingo Krähmer ein Paar auf der Bühne und seit 1974 auch im Leben.

1973 hatten sich die Magdeburgerin und der Berliner während einer Fernsehaufzeichnung in Quedlinburg kennen gelernt. Ingo: „Ich sprang damals für Gabis erkrankten Duettpartner ein. Das Schicksal hat uns wohl zusammen geführt.“ Ihren ersten gemeinsamen Bühnenauftritt hatten sie wenig später in Pößneck. „In der dortigen Schokoladenfabrik“, erinnert sich Gabi. Seitdem sind beide unzertrennlich, und das nun schon seit fast 40 Jahren!
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Beide lernten ihr Handwerk von der Pieke auf. Gabi, am 17. November 1953 in Magdeburg geboren, nahm an der dortigen Musikschule Klavier- und Gitarrenunterricht und studierte danach an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ in Berlin Gesang, genau wie ihr Partner Ingo Krähmer (16. Juni 1947, Berlin), der zuvor den Beruf des Stuckateurs erlernt und an der Musikschule Gitarren- und Gesangsunterricht genommen hatte. Nach erfolgreichem Studium erhielt das Duett einen Fördervertrag beim damaligen „Komitee für Unterhaltungskunst“. Seither hatten sie unzählige Auftritte im In- und Ausland, oft mit ihrem musikalischen Partner Andreas Pieper.

Bühnenluft hatte Gabi schon 1972 geschnuppert. „Sechs Mädchen und Musik“ hieß damals eine Fernsehshow in der Stadthalle Görlitz, eine Talente-Show (heute würde man Casting sagen), bei der Gabi Munk u.a. neben Ute Freudenberg und Eva Maria Pieckert auf der Bühne stand und mit ihrer glockenklaren Stimme den 1. Preis erhielt. Den Song von damals, „Schmetterling bunter“, kann sie noch heute. Nach diesem Erfolg legte sie ihren einstigen Berufswunsch, Ärztin zu werden, ad acta. „Glück für mich, sonst hätte ich wohl nie den Mann meines Lebens kennen gelernt“, schmunzelt sie.
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Nur einen Solo-Titel gibt es von Gabi auf Vinyl – Anfang der 70-er veröffentlichte AMIGA den Song „Fantasie in Silbergrau“ von den Autoren Schmiedecke/ Lietz. Danach erschienen einige Titel des Paares auf Quartett-Singles, u.a. mit dem „Arkona-Lied“ (nach dem DDR-Kreuzfahrschiff benannt), „Wir fahren Tandem“, „Scherben bringen Glück“ und „Wo gehobelt wird“. Ihr wohl größter Erfolg damals war „Kinderzeit“ (Krähmer/ Steineckert). Nach der Wende brachten sie die CD „Freunde fürs Leben“ heraus. Zwei Jahre waren sie mit Tony Marshall unterwegs, traten u.a. in den USA vor 15 000 Menschen auf.

Das Repertoire der beiden Künstler ist breit gefächert, reicht von nationaler und internationaler Folklore über Schlager und Chansons bis hin zu Country, Volks- und Stimmungsliedern. Auch eigene Songs gehören inzwischen dazu. Das Ende des DDR-Fernsehens bedeutete auch das Ende der beliebten Show „Im Krug zum grünen Kranze“. 1996 belebten die beiden gemeinsam mit Siggi Trzoß und anderen den „Krug“ wieder und gingen damit auf Tournee.
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Abb.: Das Gesangspaar 2008 und 1975. Die Quartett-Single war eine erfolgreiche Platte in der DDR. Fotos: Archiv, Dittmann

Neben ihren Auftritten bei Volksfesten oder auch in Senioreneinrichtungen kümmern sich Gabi und Ingo seit vielen Jahren um den musikalischen Nachwuchs. Als Lehrer an der Musikschule Joseph-Schmidt in Treptow und der Hans-Werner-Henze Musikschule in Marzahn-Hellersdorf geben sie Gesangs- und Instrumentalunterricht und bereiten ihre Schüler für die Aufnahme an der Musikhochschule oder ein Musiklehrerstudium vor. Ein Höhepunkt sind immer wieder die gemeinsamen Konzerte mit den Schülern, etwa im Friedrichsfelder „Gasthaus Bielefeldt“ beim „Singenden Wirt“ Horst Urbahn. In unserem Bezirk konnte man die beiden Künstler unter anderem beim „Klassik- Open-Air“ in der Hellen Mitte, im Freizeitforum Marzahn oder im Kulturforum erleben.

Munk/Krähmer stehen für solides Handwerk, Beständigkeit und Vielseitigkeit, ganz im Gegensatz zu jenen, die nach eins, zwei oder drei Nummer-Eins- Hits schnell wieder in der Versenkung verschwanden. Und so resümiert Gabi denn auch in aller Bescheidenheit: „Wir waren und sind vom Glück verwöhnt worden.“

Ingeborg Dittmann