Gaukeleien Großberliner Gipfelstürmer

Alle Welt spricht über die famosen leer stehenden spanischen Immobilien-Golf- Großprojekte, die ganze Küstenlinien verzieren und mithalfen, dem Euro eine zuvor ungeahnte Stabilität zu verleihen. Dagegen stehen wir Berlin-Brandenburger mit unseren Großprojekten eher als Zwerge da: Hertha nicht Meister, sondern Zweitligist. Zweite Auflage der größten Olympischen Großspiele – Pustekuchen. Pusteblumen auf den neuen Startbahnen eines gigantischen Drehkreuzes fröhlich lärmender Jets in Schönefeld, Ortsteil BER. Im bedeutsamen Orte Brand die weltgrößte Traglufthalle mit dem weltgrößten Cargolifter-Luftschiff ging selbst als Badeanstalt schon mehrfach finanziell baden. Finanznot auch beim Wiederbeleben des herrlichen Preußenschlosses auf dem ehemaligen Marx-Engels-Platz, bislang verharrend im Stadium einer eher ungeliebten Pappmache-Bude…

Was liegt da näher, als ein neues Großprojekt aus der Taufe zu heben? Es heißt Internationale Gartenbauausstellung IGA und kommt aus Erfurt direkt in die deutsche Hauptstadt. Jetzt nicht mehr zum ehemals größten Flughafen der Welt mit Namen THF, das fast leere Tempelhofer Feld mit seinen Start- und Landebahnen XXL für Skater. Sondern voraussichtlich in unsere heimischen Gärten der Welt. Wohin die Besucher bisher in Scharen strömen. Wegen einer Ansammlung von Kleinkunstprojekten wie Gartenanlagen, Spielplätzen und grünen Wiesen!

Hier bedarf es offenbar zündender neuer Ideen, die Berlin würdig sind. Mitten im Sommerloch kam dieser Logik folgend der noch viel zu unbekannte IGA-Geschäftsführer Schmidt mit seiner Idee in die Presse, eine Seilbahn auf den 102 Meter hohen Kienberg im benachbarten Wuhletal zu bauen, um diesen für die erwarteten 30 000 Tagesgäste „als Aussichtspunkt mit zu nutzen“. Unvergessen für uns hier vor Ort die leider, leider nicht verwirklichten Pläne, für die Olympischen Spiele aus dem Wuhletal eine Regattastrecke zu machen. Oder frühere DDR-Pläne, oben auf dem Gipfel eine Gastwirtschaft zu errichten und unten einen Gondelteich.

Irgendwann zu Zeiten der Bezirksfusion hat diese Bürgerzeitung einen Aufmacher gehabt: Der frühere Bezirksstadtrat Dr. Niemann erklärte mit vom Winde zerzausten Haaren auf dem Gipfel des Kienberges, dieser würde der Allgemeinheit zugänglich bleiben, frei von Eintrittsgebühren und also nicht den Gärten der Welt zugeschlagen. Der typische Berliner Kleingeist also, an dem sich alle Großprojekte die Zähne ausbeißen!

Schwejk dagegen hat die historische allererste Straßenbahn von Siemens im Auge, die wohl im Biesdorfer Park erprobt wurde. Könnte nicht in der selbst ernannten Hauptstadt der Elektromobilität wenigstens eine klitzekleine historische Straßenbahn die IGA-Gäste vom Biesdorfer Bahnhof zu den Gärten der Welt bringen? Oder ein historischer O-Bus, der in früheren Zeiten die Oberfeldstraße frequentierte?

Schon gut, damit kann man im größenwahnsinnigen Berlin kein Sommerloch füllen, ich hör ja schon auf.

Euer Schwejk