gelbke1.jpg Als Operndiva barfuss durch den Bühnensand
Kabarettistin und jot w.d.-Kolumnistin Dagmar Gelbke landet nach einer rauschenden
Geburtstagsfeier im Wasser und kurt in der Toscana.

Das Sommerloch gibt ja in diesem Jahr wirklich nicht viel her – oder wen interessieren die Abhörskandale, die noch nicht mal den Wahlkampf anzukurbeln vermögen? Das Lustigste dazu war eine Karikatur in der Berliner Zeitung: Zwei alte Stasi-Leute kommentieren die Überwachung durch die NSA ganz lakonisch: „Was waren wir doch für Stümper!“ Ganz im Gegensatz zu unseren Fußballmädels! Ein Sommermärchen – oder?

Ja, der Sommer hat nun doch länger gedauert, als neulich von mir geunkt. In diesem Falle gebe ich gern zu, mich geirrt zu haben, denn Berlin ist so schön im Sommer. Früher hatte ich ja mal ein Grundstück auf dem Entenwall im Müggelsee, da kam man nur mit dem Boot hin. Unser Ruderboot Anka hatte sogar einen Motor. Ach, war das romantisch, wenn der mal ausfiel, da musste man wie ein venezianischer oder Spreewald-Gondoliere durch den See staken.
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Aber am Krossinsee war ich noch nie. Und nun, nachdem ich jahrelang auf dem Schleichweg über Wernsdorf und Neu-Zittau nach Erkner daran vorbei gefahren bin, habe ich an meinem „36.“ Geburtstag beschlossen, mich von der rauschenden Feier im Garten der „Oderhähne“ genau auf diesem See zu erholen. Meine treuen Freunde aus Rudow, Rita und Micha, fanden das zwar wieder alles stressig: Kuchenreste einpacken, Kaffee in die Thermoskanne füllen, Sektflasche in die Kühltasche. Und die Plastikbecher nicht vergessen! Micha wurde auch noch verdonnert zu rudern, wo er doch in einem unserer Sketche mitspielen könnte: „Wenn ich im Urlaub bin, will ich mich so wenig wie möglich bewegen“, heißt es da. Aber dann waren die beiden doch überrascht, wie entspannend ein schnell gefasster und umgesetzter Entschluss sein kann. Man muss seine Wünsche einfach umsetzen, zumal sie oft gar nicht viel kosten. Apropos Kosten. Manchmal bringt mein Beruf selbst in meiner Kategorie Privilegien: Anfang Juli hatte André Holst vom mdr mich in seine Benefiz-Talkshow in Binz auf Rügen eingeladen. Lippi und Gerd Christian waren auch dabei sowie Bastian Semm – der sympathische neue Störtebeker-Darsteller nebst Familie Hick, die die Störtebeker- Festspiele aufgebaut hat und leitet. Prompt wurden auch wir eingeladen, die neue Inszenierung in Ralswieck anzuschauen. Das ist immer wieder ein Erlebnis, wenn denn das Wetter so ist, wie es eben den ganzen Juli über war.

Ach ja, das würde ich gern noch machen in meinem Leben – eine sächsische Operndiva auf dem Weg zu einer Tournee durch die Hansestädte. Frau Hick meinte zwar: Wie, eine Operndiva im Mittelalter? Ja, warum denn nicht? Einen Vorläufer von Michelangelo gab es in Ralswieck doch auch schon mal, und das war sehr lustig.

Allerdings fürchte ich, den physischen Anforderungen auf der Naturbühne doch nicht mehr gewachsen zu sein. Barfuss durch den Bühnensand, das ist die Härte, da habe ich Brad Pitt in „Troja“ bestaunt. Gemächlich spazieren, das ginge vielleicht, aber rennen? Und das mit meiner Nervenlähmung im rechten Bein, die ich seit Mai habe, weil ich eine Zerrung in Ischiasnervnähe selbst mit Elektro-Pads behandelt habe. Keine drei Minuten, sondern einfach viel zu lange. Solche Schmerzen hatte ich noch nie! Schlafen konnte ich danach nur auf den Knien vor dem Bett – seitdem ist mein rechtes Bein kürzer. Ich laufe, als hätte ich einen Hüftschaden, und besonders beim Steppen habe ich gemerkt, dass der Fuß nicht mehr so will, wie ich es will. Und der Arzt ist hilflos. Selbst verursachtes Leid – wie blöd man in seinem hohen Alter doch sein kann! Aber nun geht es ja erst mal zur Kur in die Toscana, wo ich mich auf die nächste mündliche Prüfung in Hagen im September vorbereiten werde. Von dort schreibe ich dann eine Urlaubskolumne. Bis dahin: Gesund bleiben!

Eure Daggie