gelbke1.jpg 65 Gäste zum Fünfundsechzigsten
Kabarettistin und jot w.d.-Kolumnistin Dagmar Gelbke lud Kollegen und Freunde ein, die ihr berufliches Leben begleiteten

 

Paula sagt, sie sei überfordert gewesen, weil die 65 Leute auf meiner Gartenparty sie fast alle aus ihrer Kindheit kannten und sie sich nicht wirklich erinnern konnte. Und Puppendoktor Pille sagt, meine Fete zum 65. wird in die Geschichte eingehen. Eigentlich sollte es ja, wie ich es bei Facebook angekündigt hatte, eine Trauerfeier werden. Okay, ein paar Leute kamen auch in Schwarz. Aber dann dachte ich mir, mach es bunt wie immer – sonst, falls im Urlaub in Ägypten was passiert, bleibt diese Fete als dunkle Vorahnung in der Erinnerung. Außerdem hatte meine süße koreanische Untermieterin mir beim Kennenlernen so ein wunderschönes Kompliment gemacht: „65? Nein - du wirkst so bunt…“ Und nun habe ich wieder etwas gelernt: Wenn 50 Besucher alle etwas zu Essen mitbringen, ist einfach zu viel Essen da. Na, und zum Trinken auch. Eigentlich können wir gleich eine Nachfeier veranstalten.

Schade war nur, dass ich meine Rede nicht reden konnte, weil – als dann endlich alle nach Altglienicke gefunden hatten, auch einige schon wieder weg waren. Deshalb hier noch einmal ein offizielles Dankeschön an die treuen Begleiter meines offiziellen Berufslebens, die auf der Gästeliste standen und auch alle da waren. Ist jetzt wahrscheinlich etwas langweilig, aber für die Annalen vielleicht von historischer Dimension. Hier also meine Gäste vom 20. Juli 2015 in lebenschronologischer Reihenfolge:

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Uschi Pulley, als Vertreterin ihres leider verstorbenen James W., mit dem ich 1970 die allererste Tournee als Berufsschlagersängerin gemacht habe. Monika Jacobs, 1970 Texterin meiner ersten Rundfunkaufnahme „Ich wollte Klarheit“ (Musik von Thomas Natschinski). Mit diesem Titel und der Klaus-Lenz-Big- Band im Rücken habe ich damals den Berliner Schlagerwettbewerb gewonnen. Später schrieb sie den Hit „Stumme Lady von New York“ für mich als Frontsängerin der Rainer-Bloss-Formation, für den ich waschkörbeweise Fanpost bekam, der dann aber, als Rainer Bloss in den Westen abhaute, in den Giftschränken des Staatlichen Rundfunkarchivs verschwand. Sie schrieb 1978 einen Hit für Helga Hahnemann und mich: „Wir sind die Nachtbar-Attraktion von Klein-Paris“, mit dem wir Can-Can tanzend erfolgreich im „Schlagerstudio“ waren. 1982 schrieb sie mein großes Konzert „Ich muss mich neu finden“, das leider von Amiga als „zu anspruchsvoll“ deklariert wurde und dann, als der Komponist Christian Pittius in den Westen verschwand, sowieso für die Nachwelt verloren ging.

Maja Lopatta kam auch unerschrocken den weiten Weg per S-Bahn und per pedes. Sie, die große alte Dame (86) der journalistischen Gilde, Chefredakteurin der Fachzeitschrift „Unterhaltungskunst“, war – vor Inge und Ralf von jot w.d. – meine erste Förderin in Sachen journalistischer Ambitionen. Klaus-Jürgen Steinmann, einst Schauspieler des DFF-Fernsehensembles, der mich 1985 in die frivole Welt des musikalisch-literarischen Kabaretts einführte. In dieser Zeit habe ich auch Uschi Staack kennengelernt, die aber – und da bin ich doch etwas verstimmt – nicht kam, weil. Na, ich will jetzt hier nicht rumtratschen.

Giso Weißbach war 1984 mein Partner in meiner ersten eigenen Bühnen-Show „Hertha Grünke präsentiert“, danach habe ich dann endlich die Einstufung „C“ bekommen. Klaus-Peter Pleßow, der Fabian aus dem Kinderfernsehen, brachte Daggi Heinrich mit, die als Tänzerin in fast allen meinen Projekten dabei war – und deren Hund auf der Party meinen Kater Karl gebissen hat, so dass Paula mit ihm noch zum Arzt musste. Pitti, mit dem ich von 1987-1989 das Traumpaar des „Varieté Mobil“ war, unterstützte mich 1989 anlässlich meines 30- jährigen Bühnenjubiläums gemeinsam mit Rainer Garden, Carola Krautz, Eva Kyselka und dem Solotänzer des Friedrichstadtpalastes Fernando Schödel sowie meiner damals 10-jährigen Tochter Paula in „Musical Compact“ (Großes Staatliches Tanz- und Unterhaltungsorchester Ludwigslust im Orchestergraben – die 30 Musiker waren nun aber nicht zur Fete gekommen). Außerdem waren Pitti und Fernando Mitstreiter in unserer Weihnachtsrevue zur Rettung des Zirkus Berolina Ende 1991. In der Wendezeit lernte ich auch Bert Beel, den stilvollsten und zuverlässigsten Kollegen aus West-Berlin kennen. 1993 kam ich unter die Fittiche von Peter Tepper, dem Leiter des Kabarett „Kartoon“ – heute „Charly M.“, wo ich auch mit Klaus Schäfer, dem Supersänger der Gruppe Chaiselong, zusammen gearbeitet habe. Peter, als ehemaliger Schauspieler am Berliner Ensemble, hat aus mir eine Kabarettistin gemacht und mich 1998, als ich auch erstmals mit dem Ritter der ostdeutschen  Schlagerkultur, Siggi Trzoß, auf Weihnachtstournee war, an Wolfgang Flieder übergeben, bei dem ich zusätzlich noch zu einer „richtigen“ Schauspielerin ausgebildet wurde durch die vielen Rollen, die ich bei den „Oderhähnen“ spielen durfte. Dort hatte ich auch die Ehre, Partnerin von Margit Meller, Lutz Stückrath und Uwe Karpa zu sein. Und natürlich war auch Distelkabarettist Gert Kießling gekommen, den ich nach fünf Jahren Zusammenarbeit, die leider aufgrund seines Abschieds von der Bühne im vergangenen Jahr endete, als die Krönung meines Berufslebens bezeichnen kann.

Die Würze der Party waren aber auch die Nichtkollegen und die Menschen, die immer wieder neu in mein Leben eintreten wie der herzlichste Tenor, den ich kenne: Rainer Luhn mit seinem Detlev oder Jörg Kotterba, der ehemalige Chefredakteur der MOZ sowie Inge Dittmann und Ralf Nachtmann von der jot w.d und Urte Blankenstein alias Puppendoktor Pille. Und natürlich meine Freundin von Kindesbeinen Katharina mit ihrem Enkel; die Elli aus Tegel mit Ur- und Ururenkeln, deren Mann Peter (meinen Haushandwerker) wir alle so sehr vermissen; meine immer alles besser wissende Rita aus Britz, Heidi und Manfred Fligge aus Lichtenberg, die viel zu bescheiden immer nur für andere da sind; Siggi Leske, unser „Eiermann“, einst einer der Chefs der Aktuellen Kamera, meine Nachbarn Marianne und Martin, meine Freundin Marianne, die auf Formentera lebt und einen Kölner Freund mitbrachte, der in Australien wohnt und jahrelang Kontrabass bei Helge Schneider gespielt hat. Neville aus den USA in Vertretung für den erkrankten Wolfgang Pander vom Viktoria- Luise-Platz und natürlich alle meine „Kinder“: Menxi aus China, Lukas aus Prag, Nico aus Magdeburg, Uwe, der umtriebige Stardolmetscher mit all seinen schönen „Neffen“, die bei mir Rasen mähen, Schränke aufbauen und Fenster reparieren – oder wie Seline aus Südkorea, die zum Sonnenuntergang vor meinem Fliederbusch mit einem Cellokonzert der Geburtstagsfeier das Sahnehäubchen aufsetzte.

Ich bin in tiefer Dankbarkeit dafür, dass ich so wunderbare Menschen meine Freunde nennen darf. Ihr, die Ihr dies lest, gehört selbstverständlich dazu! In Liebe

Eure Daggie

PS: Übrigens kam als Überraschungsgast noch mein ehemaliger Traumpartner beim „Kartoon“, Hendrik Gröll. Ich bedauere es nach wie vor, dass er nie mehr Kabarett gespielt hat, denn seine Bissigkeit ist nach wie vor unübertroffen. Was schenkt er mir, verpackt in das berühmte Zirkusgemälde von Chagall anlässlich des Renteneintritts: Einen Strick.