Musiklegenden des Ostens - jot w.d.-Serie. Teil 4

In der Juli-Ausgabe begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser - also in den 50er, 60er und 70er Jahren - Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. sprach mit Julia Axen, Mary Halfkath, Jenny Petra, Hartmut Eichler, Vera Schneidenbach, Günter Gollasch, der Blues-Legende Jürgen Kerth, der Stern Combo Meißen und anderen. Wir setzen heute unsere Serie mit dem dem singenden Ehepaar Herbert Klein/Sonja Siewert fort. Schreiben Sie uns, über welche Künstler Sie mehr erfahren wollen. Wir werden uns bemühen, Ihren Wissensdurst zu löschen.

Sonja Siewert & Herbert Klein 

Das singende Ehepaar

"Liebling, wie die Zeit vergeht" - davon können Sonja Siewert (76) und Herbert Klein (84) im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied singen. Hans Barth (Komposition) und Siggi Trzoß (Text) haben ihnen diesen Titel vor rund 15 Jahren geschrieben. Anlässlich ihres 40-jährigen Rundfunkjubiläums stand das "Singende Ehepaar" 1989 noch einmal gemeinsam auf der Bühne.

 Sowie 1947, als die beiden jung Verliebten erstmals gemeinsam in Göhren auf Rügen auftraten. "Ich hatte Sonja im Schloss Niederschönhausen kennen gelernt", erzählt Herbert Klein. "Sie spielte Akkordeon und Saxophon in einer Bigband." So richtig gefunkt hat es wenig später bei einem zufälligen Treffen der beiden gebürtigen Prenzlberger in der S-Bahn.

Bei einer Publikumsumfrage nach den beliebtesten Schlagersängern 1955 errangen Herbert Klein und Sonja Siewert jeweils den zweiten Platz - nach Fred Frohberg und Brigitte Rabald.

Noch heute lebt das Ehepaar unweit der Schönhauser Allee. Dort, im damaligen "Variete Nordlicht", hatte Herbert Klein 1945 sein erstes Engagement als Gitarrist und Sänger in einer Tanzkapelle. Die Bekanntschaft mit dem zu dieser Zeit bekannten Sänger Bully Buhlan verhalf dem Ingenieur und damaligen Hobbymusiker zu weiteren Engagements und ersten Rundfunkaufnahmen. Sonja hatte sich als Swingsängerin, u.a. beim Leipziger Orchester Kurt Henkels, bereits einen Namen gemacht. 1949 gingen mit Klein/Siewert die ersten Live-Sendungen im Haus des Rundfunks in der Masurenallee über die Bühne. Das Paar sang sich durch Schlager wie ,,Eine weiße Hochzeitskutsche" (1950) in die Herzen eines Millionenpublikums. Die weiße Kutsche fuhr wenig später auch im wirklichen Leben vor: Im Oktober 1951 läuteten die Hochzeitsglocken für das junge Paar. Heinz Quermann verpasste den beiden in einer seiner Sendungen den Namen "Das singende Ehepaar" und dabei blieb es dann bis Anfang der 60er Jahre, als sich Sonja aus der aktiven Karriere zurückzog. Doch zuvor feierte das Künstlerpaar große Erfolge im Rundfunk und Fernsehen, produzierte 'zig Platten, bestritt Tourneen nach Holland, Schweden, in die Schweiz und ins gesamte sozialistische Ausland. Ab 1953 traten sie gemeinsam mit dem Westberliner Geschwisterpaar Ilse und Werner Hass als "Die singende Vier" auf, von 1958 an als die "Flamingos".

Herbert Klein arbeitete seit Mitte der 60er Jahre bei der Konzert- und Gastspieldirektion, war jahrelang Bezirksverordneter in Pankow. Anfang der 80er Jahre zog es ihn zurück auf die Bühne. Gemeinsam mit Gesangssolisten der 50er Jahre, die sich in der "Interessengemeinschaft Oldies" zusammen gefunden hatten, errang er 1984 sogar eine Goldmedaille beim Festival der Unterhaltungskunst. Nach der Wende engagierte sich Herbert Klein vor allem für Senioren-Programme. Noch heute steht der Schlager-Senior zuweilen auf der Bühne, so unlängst bei "Kofferradio live" im Kulturforum Hellersdorf. Dort traf er übrigens nach vielen Jahren einen "Bekannten" aus alten Zeiten wieder - Werner Hass, den einstigen Mitstreiter der "Singenden Vier". Im Hause Klein-Siewert wird noch heute viel Musik gehört. Allerdings weniger Schlager als vielmehr Big-Band-Sound, Swing und Jazz.

I. Dittmann

Das singende Ehepaar 2003 während der Buchpremiere ihrer Autobiografie "Im Schlageralbum geblättert"

Fotos: Archiv