Musiklegenden des Ostens - jot w.d.-Serie, Teil 15

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorstellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser- also in den 50er, 60er und 70er Jahren - Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. sprach mit Julia Axen, Mary Halfkath, Jenny Petra, Hartmut Eichler, Vera Schneidenbach, Günter Gollasch, der Blues-Legende Jürgen Kerth, der Stern Combo Meißen und vielen anderen. Wir setzen unsere Serie heute mit dem Sängerin Julia Axen fort. Schreiben Sie uns, über welche Künstler Sie mehr erfahren wollen. Wir werden uns bemühen, Ihren Wissensdurst zu löschen.

Julia Axen

Die Frau mit der großen Stimme

Heutzutage hören 10-bis 14-Jährige "Wir sind Helden", Jeanette Biedermann oder schmelzen bei Robbie Williams dahin. Als ich in diesem Alter war, hörte ich jeden Montag "Die Schlagerrevue" von und mit Heinz, dem Quermann. Seitdem sind mehr als 40 Jahre vergangen, in denen meine musikalischen Interessen eher der Rockmusik denn dem Schlager galten. Dennoch, diese Melodien von damals sind mir bis heute im Ohr. Zu den Schlagern, die ich noch heute "mitsingen" könnte, zählen auch jene von Julia Axen: "Eine Welt ohne dich" "Wenn in der Schönhauser die Lichter glühn", "Die Zeiger der Uhr", "Papa, du bist so reizend" und viele andere.
 Die künstlerische Karriere von Julia Axen, die am 19. März 1937 als Christa Lubbe in Birkenwerder bei Berlin geboren wurde, begann vor über 50 Jahren. Dass die Sängerin auch heute noch ihr Publikum (zu dem nicht nur Freunde des Schlagers zählen) begeistert, davon konnte ich mich in den vergangenen Jahren auf zahlreichen Veranstaltungen selbst überzeugen. Zuletzt Ende Juli, als die Sängerin ihr 50-jähriges Medienjubiläum auf ihrem Grundstück in Hessenwinkel mit einem Fest beging, bei dem zahlreiche Freunde sowie Weggefährten dabei waren. Damals konnte man die Sängerin auf der Bühne im Garten live und sehr temperamentvoll nicht nur mit ihren Schlagererfolgen von einst erleben, sondern auch mit jazzigen und chansonhaften Tönen.

Ihre ersten Auftritte hatte die gelernte Umbruch-Redakteurin Anfang der 50er Jahre im Berliner Jugendklubhaus "Helmut Just". Orchesterleiter Alfons Wonneberg und Talenteförderer Heinz Quermann erkannten schon bald das große Stimmtalent der jungen Freizeitsängerin. Nach einem Auftritt in der Sendung "Da lacht der Bär" bekam sie sogar ein Plattenangebot von der Westfirma "Polydor", produzierte mit 19 einen Welthit wie "True Love" und sang beim RIAS-Tanzorchester unter Werner Müller.

 

Nachdem AMIGA die junge Sängerin 1958 unter Vertrag nahm, wurden ihr allerdings Aufnahmen mit westlichen Plattenfirmen untersagt. Dennoch machte Julia Axen ihren Weg auch so, tourte später mit verschiedenen Orchestern in Finnland, Schweden, der BRD, Syrien, im Irak und durch fast alle osteuropäischen Staaten. Auf den Unterhaltungsbühnen der DDR, im Rundfunk und im Fernsehen war die Sängerin bis in die 80er Jahre präsent, tourte zum Beispiel sehr erfolgreich mit Fred Frohberg, Günter Geißler und Helga Brauer mit dem Programm "Wiedersehn macht Freude" durchs Land. 1987 schrieben ihr der Komponist Gerhard Siebholz und Schlagertexter Dieter Schneider den stimmungsvollen Titel "Solange Lieder klingen". Dieser Schlager ist auch das Motto ihrer einzigen Amiga-LP aus dem Jahre 1988 (zuvor waren allerdings etliche Singles erschienen, die heutzutage unter Schlagerfreunden begehrte Sammelobjekte sind).

Zu ihrem 60. Geburtstag im Jahr 1997 erschien ihre CD "Miteinander reden". Sechs Titel davon stammen von Siggi Trzoß (Text) und dem Sänger und Komponisten Michael Hansen (Musik). Ihre gerade produzierte Scheibe "Ich würd' es wieder tun" widmete die Sängerin dem Verein "Notgroschen - Hilfe für Kinder und Jugendliche in Not e.V." Der Verkauf der CD kommt Projekten des engagierten Bürgervereins zugute (jot w.d. berichtete darüber in der Augustausgabe).

Seit vielen Jahren lebt die heute 68-jährige Julia Axen im Köpenicker Ortsteil Hessenwinkel. Auf ihrem Grundstück am Dämmeritzsee genießt sie Garten und Natur und die Nähe zu Tochter, Sohn und Enkeln. Die alte Villa wurde gerade mit viel Eigeninitiative aufgestockt und damit Platz für mehrere Generationen unter einem Dach geschaffen. Julia Axen: "Hier bin ich glücklich, hier möchte ich meinen Lebensabend genießen. Mein Beruf, Familie sowie Haus- und Gartenarbeit lassen nie Langeweile aufkommen."

Ingeborg Dittmann

Julia im Juli 2005, 2004 im Kulturforum (re.) und als junge Sängerin. Fotos: Dittmann/Nachtmann/Archiv