Pure Anarchie – von Verona bis Sardinien

Unsere Autorin Dagmar Gelbke von Woody Allen und unseriösen Veranstaltern verfolgt

Gerade habe ich in der Arena di Verona unter sternenklarem Himmel eine traumhafte Opernaufführung von „Nabucco“ erlebt und wäre am liebsten da geblieben, um alle anderen Inszenierungen auch noch zu sehen – schon wegen des clownesken Dirigenten, der wahrscheinlich mit Woody Allen verwandt ist. Was habe ich gelacht (natürlich als einzige in der mit 6000 Zuschauern gefüllten Arena) bei seinen Yogaübungen zum „Freiheitschor“. Und überhaupt, dass in „Nabucco“ so fröhliche Arien gesungen werden, war mir, eigentlich Opernmuffel, entfallen. Ach ja, apropos Woody Allen: Es gibt ein neues Buch von ihm. „Pure Anarchie“ heißt es und ist das köstlichste satirische Geschreibsel, das ich seit langem gelesen habe. Gehört auf jeden Gabentisch, womit ich sagen wollte, bald ist Weihnachten ... Ich bin immer noch oder schon wieder urlaubsreif. Und deshalb verabschiede ich mich am 3. September in den italienischen Süden, diesmal nach Sardinien. Eigentlich will ich seit Jahren nach Sizilien, aber irgendwie packe ich das nie. Vielleicht ist es ja das Motto: Sizilien sehen und sterben, was mich abschreckt. Aber heißt es nicht: Neapel sehen und ...? Das kann nicht sein; Napoli habe ich ja schon mehrmals überlebt! Egal, was hat mich also schon wieder so aufgeregt? Erst einmal die Machenschaften des Kaffeefahrtveranstalters aus der vorigen Kolumne, Ihr erinnert Euch? Dort hatte man uns Schwarzwaldreisen zu sehr guten Konditionen angeboten, so dass ich mit meiner Freundin Elfriede zuschlug. Denn auch vom Schwarzwald träume ich seit der Wende. Ich hatte also vor Ort bezahlt, besitze auch ordentliche Quittungen, nun kamen „Unterlagen“. Der vom Kaffeefahrtveranstalter beauftragte Reiseveranstalter will 100 Euro Kaution vorab. Für etwas, was schon bezahlt ist. Da höre ich doch die Nachtigallen trapsen: Kassieren, Konkurs machen ... und Geld ciao, ciao. Also heißt es, sich streiten. Ich will doch aber ein stiller, friedlicher Mensch sein ... Ähnliches hat mich bei dem für Werbewurfsendungen bekannten Reiseveranstalter TRENDTOURS empört, bei dem Reisende über 50 Jahre 100 Euro Reisekosten sparen. Na toll, dachte ich, und nahm die Reise per Bus nach Verona. Abgesetzt wurden wir in wunderschönen Apfelplantagen irgendwo in Südtirol, und für die beiden ausflugsfreien Tage wurde uns ein Zusatzprogramm angeboten. Preis pro Ausflug 65 Euro, im Paket 100. Da war er also wieder weg, die „eingesparte“ Hunderter. Wir zahlten, natürlich bar. Die „Quittung“ bestand aus einem gelben Zettelchen mit der Aufschrift Paket. Okay, wenn man also schon mal da ist ... Einen Tag ging‘s durch das Val de Sol mit norwegisch anmutenden Wasserfällen, dem Molveno- See in reizvollem Türkis und imposanter Bergwelt. Die Reiseleiterin erzählte uns, was man alles besichtigen könne. Wenn man denn aussteigen dürfte. Beim einzigen Zwischenstopp im Madonna Di Campiglio durften wir die Sehenswürdigkeit selbst entdecken und Kaffee trinken. Am zweiten Tag ging es per Linienschiff viereinhalb Stunden über den Gardasee. Ticketpreis an der Reedereikasse: 10 Euro. Wir hatten 50 bzw. 65 Euro bezahlt – ohne Essen, ohne Führung. Da hat der Reiseveranstalter seinen Reibach gemacht – bei 46 Personen im Bus. Auf Sardinien werde ich mir mal in Ruhe überlegen, ob ich nicht auch ein Reiseunternehmen gründe. In diesem Sinne, ciao, ciao, a presto, Eure Daggie