Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 38

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit dem legendären Bandleader Günter Gollasch fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Günter Gollasch

 

Onkel Stanislaus spielt Klarinette

 

Wenn in dieser Reihe von „Musiklegenden des Ostens“ die Rede ist, dann steht einer, von dem in dieser Zeitung schon des öfteren die Rede war, ganz oben auf der Liste – der Musiker, Orchesterleiter, Komponist, der Meister auf der Klarinette Günter Gollasch. Seit Anfang der 50er Jahre prägte der Musiker (Klarinette, Violine, Saxophon) die Entwicklung der Tanz- und Unterhaltungsmusik im Osten Deutschlands ganz entscheidend mit. 25 Jahre – von 1956 bis 1981 – leitete er das Tanzorchester des Berliner Rundfunks (Rundfunktanzorchester Berlin). Schon 1954 hatte der heute 84- Jährige seine eigene Kapelle gegründet – „Günter Gollasch und seine Solisten“ – bald darauf erste Titel im Rundfunk und bei der Schallplatte eingespielt. Er nahm Songs mit zahlreichen bekannten Interpreten wie Fred Frohberg, Sonja Siewert, Herbert Klein, Jenny Petra, Dagmar Frederic, Peter Wieland, Monika Herz oder Frank Schöbel auf, schrieb auch Titel, die er seiner Frau Brigitte und seiner Tochter Sylvia widmete.

Nach 1981 war Günter Gollasch vor allem als Klarinettensolist (und Jazz-Sänger) unterwegs – und das bis heute. „Yvette“ soll seine erste diesbezügliche Aufnahme gewesen sein. 

Sein Lebensweg war von frühester Jugend an von der Liebe zur Musik begleitet. Doch wäre es nach dem Willen seiner Eltern gegangen, wäre er Konditor geworden. Aber er war dickköpfig, wollte unbedingt Musiker werden. So wurde er schon mit 15 „Musikerlehrling“ an der Friedrich- Schreiber-Orchesterschule in Cottbus. 

  

Bereits als junger Orchesterleiter fand sich Gollaschs Konterfei auf so mancher Amiga- Platte.

So lieben seine Fans „ihren“ Günter Gollasch: Wenn er zur Klarinette greift und zeigt, dass er auch ein begnadeter Jazz- Musiker ist. Ebenso legendär ist sein Gesang.

 Fotos: Dittmann/Archiv

Nach dem Krieg machte er während der amerikanischen Gefangenschaft Bekanntschaft mit amerikanischer Swing- und Tanzmusik. Begann 1947 dann als Musiker beim Tanz- und Unterhaltungsorchester Erfurt. Seit 1950 hatte er ein Engagement als 1. Tenor- Saxophonist beim Tanz- und Unterhaltungsorchester des Berliner Rundfunks. Gastspiele mit seiner späteren Band führten ihn in fast alle sozialistischen Länder, bei Schlager- und Jazzfestivals war er Dauergast ebenso wie in fast allen Unterhaltungssendungen des DDR-Fernsehens. Von „Da lacht der Bär" bis zum  „Amiga-Cocktail“ oder dem „Kessel Buntes“. Auch nach der Wende blieb er erfolgreich, zum Beispiel als Gast der Reihe „Swing-Legenden“ 2003 und 2004 im Friedrichstadtpalast an der Seite von Paul Kuhn, Hugo Strasser und Max Greger. Legendär sind Gollaschs „Onkel- Stanislaus-Konzerte“ mit den Jazz-Opas, bei denen er aktuelle Schlager, zum Beispiel von Frank Schöbel, im Stil der 20er Jahre, mit Perücke und Zwirbelbart, spielte.

Am 8. März kommenden Jahres wird Günter Gollasch 85 Jahre. Seit langem lebt er mit seiner Frau Brigitte am südlichen Rande von Berlin. Im vergangenen Jahr feierten die beiden Unzertrennlichen ihren 55 Hochzeitstag. Tochter Sylvia steht als Malerin und Keramikerin längst auf eigenen Füßen. Erst unlängst hatte sie eine Ausstellung im Hellersdorfer ArtKunstRaum. Dass Papa Günter zur Vernissage zur Klarinette griff, war Ehrensache.

Alte Liebe rostet nicht. Mit Brigitte ist Günter Gollasch seit mehr als 50 Jahren verheiratet.

Das tut er immer noch bei zahlreichen Veranstaltungen – zum Beispiel im Freizeitforum Marzahn oder im Kulturforum Hellersdorf. Zur Freude seines Publikums, das ihn nicht vergessen hat.

Ingeborg Dittmann