Auf den Ärger mit den „Blauen“ folgten herrliche Schuhgeschäfte hinterm Monument des Lichts

 

Kabarettistin und jot w.d.-Kolumnistin hat aufregende Wochen zwischen Ostbahnhof und Irland hinter sich

 

Und der Gewinner ist: Gerda Maron. Sie war meine erste (und bisher leider einzige) Leserzuschrift und darf die Premiere des Programms „Klasse verarscht“ mit Gert Kießling und mir in „Köpsels Landgasthof“ in Eiche (zwischen Kaufpark und Ahrensfelde) besuchen.

 Unterdessen ist mein Outlook abgestürzt, sämtliche Post ist verschwunden. Könnte dieses Auslöschen von Daten nicht einfach mal in Flensburg passieren? Ich bin nämlich wieder mal ohne Führerschein. Für 130 bei Tempo 80. Zwar habe ich schon drei Wochen ohne Auto überstanden, aber ich rechne ganz fest damit, dass demnächst die Aufforderung kommt, ein Punkte-Abbau-Seminar zu besuchen. Und was das immer alles kostet! Reisen auf Luxuslinern könnte ich davon finanzieren. Aber man erlebt was ohne. Neulich am Ostbahnhof: Das Fahrrad, das ich mir für Cassie, die inzwischen wieder in Wisconsin ist, geliehen hatte, musste per Zug zurück nach Frankfurt/Oder. Ich sitze also brav auf einer Bank und warte auf den Regionalexpress, das Fahrrad drei Meter entfernt von mir, an das Treppengeländer des Bahnsteigs gelehnt.

Auch wenn man es auf schwarzweiß nicht sieht: Es leuchtet ungelogen alles lila, lila und noch mehr lila.

Foto: Gelbke

Plötzlich tauchen zwei uniformierte männliche Wesen auf und umschleichen das Fahrrad recht auffällig. Ich rufe noch: „Hallo, das ist maheins!“ Keine Reaktion. Nun erwachte der kleine Widerstandskämpfer in mir, und ich sage zu meinen Mitbänklern: „Jetzt bin ich aber gespannt, was passiert!“ Und – die Uniformierten griffen sich das Rad! Dagmar Guevara sofort auf mit dem Schrei: „Fassen Sie mein Rad nicht an!“ Und das war’s dann. „Können Sie beweisen, dass das Ihr Fahrrad ist? Sie haben das Rad am Mann (!!!) zu haben! Ihren Ausweis, aber sofort!“ „Nein, erst weisen Sie sich aus!“ „Mein Name ist Sch., mehr müssen Sie nicht wissen!“ „Ich werde eine Dienstaufsichtsbeschwerde machen!“ „Machen Sie doch was Sie wollen!“

Nachdem ich das Fahrradschloss öffnen konnte und eigentlich alles geklärt war, hat der Gen…, also der blau Uniformierte tatsächlich noch meine Daten aufgenommen, und ich habe tatsächlich eine Dienstaufsichtsbeschwerde geschrieben und freue mich schon auf die Antwort. Ich habe nämlich argumentiert, dass man so oft von falschen Polizisten liest. Weiß ich denn, ob der „Blaue“ – mit meiner Anschrift ausgestattet – demnächst mein Haus ausräumt oder gar Schlimmeres plant?

Bloß gut, dass ich den Schlossschlüssel gleich gefunden habe. Schlüssel, Brille und/oder Telefon suchen sind eigentlich meine liebsten Lieblingsbeschäftigungen – sonst wäre ich wahrscheinlich wegen Fahrraddiebstahls in den Knast gewandert. Dafür hätte ich nun aber gerade gar keine Zeit gehabt. Ich wollte doch nach Dublin in Irland.

Die Tochter meiner Freundin Gabriele absolviert dort ein Praktikum in Sachen Pisa-Studie, und so habe ich mich überreden lassen, kostengünstig kurz mal mitzufliegen. Ryanair ist gar nicht so schlimm wie immer gesagt wird. Wunderschöne Stadt – ein bissel wie Erfurt, viel Historisches. Keine Wolkenkratzer, nur das „Monument des Lichts“ (The Spire), ein Obelisk, der 120 Meter in den Himmel ragt. Herrliche Schuhgeschäfte , fröhlich scherzende Busfahrer – der im Tourbus sang uns sogar ununterbrochen irische Folklore vor. Die Pubs gemütlich, das Guinness-Bier sehr schmackhaft, wenn auch teuer, aber immer noch erträglicher als das Nationalgericht „Irish Stew“ – ein Pamps aus Lammfleisch, Kartoffeln und Möhren für 13 Euro. Ich habe es mir natürlich nicht nehmen lassen, im Abbey-Theater Oscar Wilde’s „Ein idealer Gatte“ anzuschauen, denn ich liebe Wilde und seinen Sarkasmus seit ich mit 17 „Das Bildnis des Dorian Gray“ gelesen habe.

Am nächsten Tag bin ich mit einem Tourbus hinaus in die Highlands gefahren. Die heißen in Irland nicht Highlands, aber es sind welche. Dort wurde ja auch „Brave Heart“ mit Mel Gibson gedreht, und der Film spielt in Schottland. Traumhaft! Und alles überzogen von lila Teppichen aus wild wachsender Erika, auf denen die weißen Schafe weideten – ein absolut impressionistisches Gemälde, das mir das Herz öffnete. Auch für die Trauer um meine langjährige Kollegin Susanne von den „Nancies“, die kurz nach ihrem 65. Geburtstag mit dem Satz „Ich bin so glücklich, ich könnte die ganze Natur küssen!“ wirklich plötzlich und unerwartet gestorben ist. Und alle anderen Lieben fielen mir ein, die schon lange nicht mehr da sind. Und eines Tages ...

Das mit der koreanischen Massageliege erzähle ich Euch beim nächsten Mal. Bis dahin bleibt gesund,

Eure Daggie

nebst Gast-Katze Bifi