Yes, we can!

Kabarettistin und jot w.d.-Kolumnistin Dagmar Gelbke zieht den Hut vor Hape, verbringt „Arbeitslosigkeit“ mit Arbeit und pfeift auf Tantra & Co

Ich und die Zahlen! Heute fiel mir ein paar Stunden lang die Pin- Nummer meines Handys nicht ein, und in der Kolumne vom August habe ich das Datum des Vorsprechens für das Senioren- Kabarett im Berliner Tschechow Theater falsch angegeben: Es findet nicht am 15. September, sondern am Montag, den 14. September, 10 Uhr, statt. Bitte anmelden unter Tel. 93 66 10 78.

 Und schon ist Herbst. Zwar erfreuen uns noch sommerliche Temperaturen, aber ein heißer Wahlkampf wird es wohl nicht  werden. Den spektakulärsten und am besten vermarkteten Beitrag dazu hat Hape Kerkeling mit seinem Film „Horst Schlämmer – Isch kandidiere“ geliefert. 18 Prozent der Deutschen können sich die Titelfigur als Bundeskanzler vorstellen, eine Zahl, von der Guido Westerwelle seit zehn Jahren träumt. Leider sehe ich den Gegenfilm „Die Partei“ erst nach Drucklegung dieser jot w.d.-Ausgabe, so dass ich nicht vergleichen kann. Aber mein Kollege Bert Beel und ich haben sich wieder einmal köstlich amüsiert und den Hut gezogen vor dem besten lebenden deutschen Entertainer. Wohlgemerkt: Entertainer, nicht Kabarettist!

Hape Kerkeling führt ja nicht nur die Parteienlandschaft vor, sondern vor allem das deutsche Wahlvolk – was die 18 Prozent beweisen. Die Politiker spielen hervorragend mit – Claudia Roth mit Gurkenscheiben im Gesicht: wunderbar; der aalglatte Rüttgers: wunderbar; die eitlen Schlagerstars Drews, Gabriel und Brink: bedauernswert; Bushido: einfach Klasse. Das ist Satire der comedyhaften Art, deren Vielschichtigkeit man erst einmal entblättern muss. Kompliment, Hape – jetzt verzeihe ich Dir auch den schlechten Schreibstil Deines Bestsellers „Ich bin dann mal weg“.

Hoffen auf positive Prophezeiungen

Ansonsten bin ich bis auf weiteres arbeitslos gemeldet und durfte mir von meinem neuen Arbeitsberater anhören, dass ich doch offensichtlich immer wieder auf die Füße falle und eine Weiterbildungsmaßnahme für mich nicht notwendig sei. Ich würde schon wieder Arbeit finden. Nun, dann habe ich eben gerade mal bezahlten Urlaub, den ich nutze, um – zum 200. Mal – den Keller zu entrümpeln. Diesmal haben ungefähr zwei Anhänger Zeitschriften aus Wendezeiten und alle psychologischen Ratgeber dran glauben müssen. Vom „Wie manipuliere ich richtig“ über „Sie kommt vom Mars und er von der Venus“ und „Die Tantrakunst des richtigen Orgasmus“ bis „Sorge Dich nicht, lebe“ und „Feng Shui für alle“. Außerdem habe ich mir eine neue Kettensäge zugelegt und mich im Garten richtig ausgetobt. Nun ja, ich galt ja schon immer als Nerven-Säge. Zusätzlich bemühe ich mich gerade mit meiner „Bewährungshelferin“ um 120 Stunden gemeinnützige Arbeit, die ich ableisten darf, weil ich die Geldstrafe für mein Fahren ohne Fahrerlaubnis (ich berichtete: mit Brille wär’ das nicht passiert) nicht bezahlen will. Und im übrigen darf ich, mit 17 Punkten in Flensburg ausgestattet, fröhlich weiter durchs Land fahren. Meine Tochter sagt, ich soll dem Universum nun täglich melden, dass ich das zwei Jahre lang durchhalte und nicht etwa vor mich hinmurmeln: Das schaffe ich nie. Denn dann verwirklichen sich die negativen Prophezeiungen.

Ich kann dazu nur sagen: Schön wär’s, wenn sich auch mal positive Prophezeiungen erfüllen würden. Etwa: Diese Woche gewinne ich im Lotto. Oder: Gregor Gysi wird Kanzler.

In diesem Sinne mache ich es jetzt ganz kurz: Freunde, wählt die Mächtigen endlich ab, denn wir sind das Volk! Yes, we can!

Eure Daggie