Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 73 

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit dem legendären Franke Echo Quintett fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Franke Echo Quintett

 

Wegbereiter der Beatbewegung

 Noch bevor die Beatles ihren weltweiten Siegeszug antraten, war die Beatbewegung Anfang der 60-er Jahre auch in die kleine DDR übergeschwappt. Im Sog der „Beatlemania“ griffen Tausende junge Leute zur Gitarre und zahlreiche so genannte Beatgruppen gründeten sich – die Sputniks, die Lunics, das Diana-Show-Quartett (mit Achim Mentzel), die Music Stromers, die Butlers, Team 4, Joco Dev, die Theo-Schumann-Combo und viele andere. Zu den ersten Wegbereitern der Beatbewegung gehörte das Franke Echo Quintett aus Berlin. Die Gruppe war Ende 1959 von Dieter Franke in Ost-Berlin gegründet worden und spielte ab 1961 unter dem Namen „Franke Echo Quintett“. Zur Urbesetzung gehörten neben Franke (an der Melodiegitarre) der spätere Gründer der „Sputniks“ Henry Kotowski am Schlagzeug, Bernd Frömel an der Rhythmusgitarre, Peter König am Bass und Hans Sigismund am Saxophon. 

    
Charakteristisch für den damaligen Stil der Amateurband waren Instrumentalstücke im so genannten Twang Sound – ein spezieller Gitarrensound des US-amerikanischen Gitarristen Duane Eddy. Neben ihrer Gitarren orientierten Instrumentalmusik wurde die Band auch durch ihre besonderen Fähigkeiten und ihren Einfallsreichtum in Sachen Equipment bekannt. Der spezielle Sound, den die Musiker um Dieter Franke spielen wollten, war mit der damals im Osten erhältlichen Technik nicht hinzubekommen. Den Verstärkeranlagen mangelte es Klangvolumen und Variabilität. Auch die für diese Musik erforderlichen Musikinstrumente waren Mangelware, sprich, sie mussten zu horrenden Preisen aus dem Westen besorgt werden.
 Da traf es sich gut, dass Franke gelernter Elektromonteur war. Man baute vieles einfach selbst zusammen. Etwa ein Echogerät (was sich dann selbst im Bandnamen wieder fand) und eine dreihälsige Gitarre – das Markenzeichen der Gruppe. Franke: „Für den Bassteil stand dieser satte Sound Pate, den Duane Eddy in tiefen Lagen fabrizierte. Ich habe einen extra langen Hals angefertigt und sechs geschliffene Klaviersaiten aufgezogen, denn damals gab es noch keine Gitarrensaiten zu kaufen, die für meine Zwecke hart und stark genug gewesen wären In der Mitte war ein normales Griffbrett montiert und darüber der kürzere Hals, der besonders fein bespannt und eine Oktave höher gestimmt war als üblich. Die Wirbel für diesen Teil habe ich aus alten Mandolinen ausgebaut. Auch die Tonabnehmer waren weitgehend Marke Eigenbau. Die Spulen habe ich selbst aus ganz dünnem Draht und mit Hilfe Schluss wurde noch das Brett lakkiert und ein Vibrato-Hebel angebracht, und das Instrument war komplett.“ Heute hört sich das alles recht abenteuerlich an, aber damals waren Erfindergeist und Improvisationstalent Gold wert. 

Auch was Probenräume und Spielstätten anging, war Erfindergeist gefragt. So waren die Musiker vom Franke Echo Quintett wesentlich beteiligt an der Etablierung des „Twist-Kellers“ im Treptower Kreiskulturhaus. Gemeinsam mit Fans entrümpelten sie den Raum, der bald ein angesagter Jugendtreff wurde. Weil die Band nicht nur nachspielte, sondern mit den Jahren immer mehr eigene Titel hatte und beim Rundfunk einspielte, erhielten sie Mitte der 60-er Jahre als eine der ersten Gitarrenbands die Einstufung als Berufsformation. 

 

Abb.: Die erste Amiga-Scheibe von Franke Echo 1964 mit dem legendären „Peter Gun“, die dreihälsige Gitarre war Markenzeichen und Marke Eigenbau. Zu Gast im Steintor- Varieté. Nach der Neubelebung. 

Fotos: Archiv

 Als eine der ersten „Beatformationen“ konnten sie sogar im DDR-Fernsehen auftreten. 1964 erschien ihre erste Platte bei Amiga mit den Titeln „Peter Gun“ und „Ungarisches Hirtenlied“. Im Februar und August 1965 erschienen die ersten beiden Beat-LP bei Amiga - die Sampler „Big Beat“ I und II, auf denen alle namhaften Gitarrenbands der DDR vertreten waren. Besonders präsent darauf waren das Franke Echo Quintett und die Sputniks. Erstere durften 11 Titel einspielen (darunter „Brasiliana“, „Eskimo“, „Ungarisches Hirtenlied“, „Peter Gun“, „Hava Nagila“ und „In the Mood“). Beide LP genießen mittlerweile Kultstatus 

Im November 1964 sorgten das Franke Echo Quintett, die Sputniks und die Amigos (das Hemmann Quintett mit Pilzkopfperücken) für einen Eklat im Friedrichstadtpalast. Beim von Rundfunk und Fernsehen der DDR übertragenen „Amiga Cocktail“ sorgte ihre Musik für Hysterie unter den Zuschauern, die nur noch Beat hören wollten und so die Schlagerstars mittels Pfeifkonzert und Dauerapplaus am Auftritt hinderten.

Mitte des Jahres 1965 besetzte Franke die Band neu. Musiker wie Werner Fried, Jochen Gleichmann, Kurt Gerlach und Manfred Brückner kamen dazu. Man erhielt ein längeres Engagement am bekannten Steintor Varieté in Halle, auch einige Auslandsauftritte. Mehrere Kompositionen entstanden u.a. für den DEFA-Film „Der Frühling braucht Zeit“ von Günter Stahnke. Auch mit Manfred Krug gibt es Aufnahmen.

Nach der Wende fand die Band noch einmal zusammen – unter dem Namen Franke Echo Berlin (in wechselnder Besetzung, u.a. mit Dieter und Karin Franke, Jürgen Paasch, Jürgen Günther, Herbert Hein, Udo Zschocke) spielten sie Rock und Gitarrenmusik der 50-er bis 80-er Jahre.

Ingeborg Dittmann