Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 85 

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit Komponisten und Musiker Peter Paulick fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Peter Paulick

 

Vom Schlagerduo zum Flamenco-Gitarrist

 

 

Als ich im Februar 1980 einen Artikel über das damals sehr populäre Pop- Duo Peter & Paul schrieb, war in einer „Visitenkarte“ über Peter folgendes zu lesen – Größe: 1.86, Wohnort: Berlin-Friedrichshain, Beruf: Heizungsmonteur, Komponist, Arrangeur, Sänger, Musiker, Was stört Sie an anderen? Unzuverlässigkeit, Lieblingsbeschäftigung: komponieren, Meine Haupteigenschaft: Rastlosigkeit. Letzteres ist das Stichwort, denn Rastlosigkeit begleitet den 1946 in Halle geborenen Musiker bis heute. Nachdem sich Anfang der 90-er das Gesangsduo getrennt hatte, tourte Peter Paulick als Solist unplugged mit seiner Gitarre durch die Lande, beteiligte sich mal hier, mal dort an Projekten anderer Bands (etwa bei den „Seilerstädtern“ aus Thüringen). Auch mit Donovan und „Simon & Garfunkel“ stand er schon auf der Bühne. Schon zu DDR-Zeiten komponierte er viel für andere Interpreten – etwa Veronika Fischer, Aniko, Uwe Jensen, Dina Straat, Aurora Lacasa oder Hauff/Henkler. Auch nach der Wende war er weiterhin als Komponist und Arrangeur tätig, für sich selbst und andere Interpreten. 1994 veröffentlichte er seine erste Scheibe als Solist „Mia bella donna“. Zeitweise betrieb er eine Gaststätte, doch das ist inzwischen Vergangenheit. Denn der schlanke 1,86-Meter-Mann wandte sich einem völlig neuen Gebiet zu – dem Flamenco. Inzwischen ist Paulick als ein international anerkannter Flamenco-Gitarrist unter dem Namen Anjan De Contes im In- und Ausland unterwegs. Der „Guitarrista Flamencas“ zelebriert mit viel Seele romantische Bilder aus Tausendundeiner Nacht oder temperamenvolle Boleros.
Peters sieben Jahre jüngerer Bühnenpartner zwischen 1978 und 92, Thomas Friedrich (wegen des besseren Klangs kurzerhand in „Paul“ umbenannt), stieg ganz aus und arbeitet als Immobilien-Makler. Eigentlich könnte Paulick in diesen Tagen so etwas wie sein 50- jähriges Bühnenjubiläum feiern. „Mit 14 hab ich eine Gitarre geschenkt bekommen. Da ging`s los“, erinnert er sich. Kurz darauf gründete er eine Schülerband, spielte später in Kneipen und auf Hochzeiten Gitarre und Akkordeon. Während seiner Lehre als Heizungsmonteur und danach spielte er in verschiedenen Bands, etwa in seiner Heimatstadt Halle bei den „Mephistos“. Nach seiner Armeezeit entstanden seine ersten Kompositionen, Anfang 1974 schließlich holte ihn Reinhard Lakomy in seine Band. 1975/76 war Paulick Sänger im Gerd-Michaelis- Chor. Nebenbei legte er seinen Berufsausweis an der renommierten Musikschule Berlin- Friedrichshain ab. „Dann bin ich eine Weile lang solistisch aufgetreten mit eigenen Liedern, die damals eigentlich keiner hören wollte“, gibt er zu. Kurzzeitig tat er sich mit Henry Kotowsky (dem Gründer der „Sputniks“) zusammen, die beiden traten als „Peter & Cott`n“ auf und kamen mit ihrer am Country orientierten Musik immerhin zu einigem Ruhm (76/77 erschienen zwei Singles, u. a. mit „Regenlaune“ und Du brauchst einen Freund“). 1977 traf er auf Thomas Friedrich, seit Januar 1978 war er mit ihm als „Peter & Paul“ auf den Bühnen des In- und Auslandes unterwegs. Sie waren in den 80-er Jahres eines der erfolgreichsten Pop-Duos der DDR (errangen u. a. den „Interpretenpreis des Jugendmagazins neues leben) und starteten eine erfolgreiche Medien- und Plattenkarriere. Gleich ihre erste Single „Peter & Paul“ 1978 mit „Du musst nicht länger lügen“ und „Es waren mal vier Söhne“ wurde zum Hit.
Peter komponierte und mit Ingeburg Branoner hatte das Duo fortan eine prominente Texterin an ihrer Seite. Ihre Songs hatten meist balladenhaften Charakter, erzählten kleine Geschichten und waren am Country-Rock angelehnt. Mit rund 200 Veranstaltungen im Jahr hatten „Peter & Paul“ in den 80- er Jahren gut zu tun. 1981 erschien bei Amiga ihre erste LP mit Titeln wie „Wenn die Kraniche ziehen“, „Aber morgen“ und „Wilde Blumen“, ein Hit, der auf vielen Samplers und auch auf der 2008 von Amiga/Hansa herausgegebenen „Best of-CD“ auftaucht. Peter singt ihn heute noch, wie er erst kürzlich zur Feier anlässlich des 50. Geburtstages seiner Kollegin Heike Valentin in der Lichtenberger „Kiez-Spinne“ bewies, als er spontan mit seiner Gitarre auf die Bühne kam. Um noch einmal auf die 80-er Jahre zurück zu kommen: 1980 hatte Paulick beim Internationalen Schlagerfestival in Dresden Aniko Serfözö, die Sängerin der ungarischen Band „Illes“ kennengelernt. Die beiden wurden ein Paar, Peter schrieb für sie Titel wie „Zwei Rosen im Schnee“ oder „Tausendschön“ (1. Platz im Schlagerstudio). Aus Peter & Paul“ wurde bald „Peter, Paul & Aniko“ und 1985 erschien ihr gemeinsames Album „Begegnung“. 1987 trennten sich jedoch ihre Wege, Aniko ging nach Ungarn zurück und arbeitete dort als Lehrerin.

Ingeborg Dittmann

Abb.: Peter & Paul waren in den 80-er Jahren ein erfolgreiches Gesangsduo. Peter Paulick im Juli 2011 mit Autorin Inge Dittmann.

Fotos: Archiv, Nachtmann