Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 95

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit der Theo Schumann Combo fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Theo Schumann Combo

 

Wegbereiter von Beat und Jazz in der DDR

Vor gut 50 Jahren, als sich die Rolling Stones und die Beatles anschickten, die Welt zu erobern, gründete sich auch im sächsischen Dresden eine der ersten „Beatformationen“ der DDR – die Theo Schumann Combo. Doch es war nicht die erste Band, die der am 24. Juli 1928 in Altenberg (Erzgebirge) geborene Musiker, Komponist und Multiinstrumentalist aus der Taufe gehoben hatte. Schon Mitte der 50-er Jahre hatte er sein erstes Jazzquintett gegründet, war dann Leiter mehrerer Jazzbands. schumann1.jpg
Die Musik bestimmte das ganze Leben des am 21. Juli 1990 viel zu früh an Krebs verstorbenen Vollblutmusikers. Schon als Kind verbrachte er täglich auf Geheiß seines Vaters, eines Schneidermeisters, Stunden am Klavier und eignete sich Notenkenntnisse an. Nach dem Schulabschluss besuchte er das Dresdner Konservatorium, studierte Klarinette und Klavier und war bei den seinerzeit populären Orchestern Kurt Hohenberger und Schwarz-Weiß beschäftigt.   schumann2.jpg
Doch schon während seines Studiums an der Dresdner Hochschule für Musik 1957-63 (Klavier, Klarinette, Komposition) stand Schumann als Jazzmusiker auf der Bühne. Seine Überzeugung: Nur wer Jazz und Klassik beherrscht, wird ein Könner in der Tanzmusik sein. Und der wandte er sich mit Gründung seiner Combo 1961 zu, wobei „Tanzmusik“ bei Schumann nie den gängigen Klischees entsprach. Beat, Schlager, Big Beat, Twist – all das verschmolz mit internationalen Trends. Und natürlich schwang der Jazz immer irgendwie mit. Wer damals die längst legendären Konzerte im Dresdner Jazzkeller, später Theos Jazz-Workshops im Parkhotel „Goldener Hirsch“ erlebte, weiß, wovon die Rede ist. Beispiele sind u.a. auf der Amiga-LP „Big-Beat II“ von 1965 zu hören („Nevada“, „Wikinger-Twist“). schumann3.jpg
Zur Anfangsbesetzung der Band gehörten neben Theo noch Achim Gutsche, Günter Püschner, Klaus Berger und Gerd Schönfelder. Seit Ende der 60-er Jahre wechselte die Besetzung häufig, So kamen neben Wilfried Peetz (Gitarre, Gesang, bis Anfang 75) etwa Frank-Endrik Moll (Schlagzeug), Jochen Kittan (Baß) und zeitweise auch Henry Kotowsky in die Combo. Verstärkt durch Conny Körner, Hubert Katzenbeier, Veronika Fischer und andere war die „Theo Schumann Jazz Formation“ auch häufig zu reinen Jazzkonzerten unterwegs. Auch als Begleitband wurden die „Schumanns“ engagiert, zum Beispiel beim Dresdner Internationalen Schlagerfestival, oder beim „Goldenen Rathausmann“.
Als eine der ersten „Beatbands“ der DDR konnte die Combo im Rundfunk produzieren. 1969 erschien bei Amiga die erste LP der Band, schlicht „Theo Schumann Combo“ benannt; mit insgesamt 16 Titeln, darunter „Wer war gestern bei dir“, Rübezahl“, „Brockenhexe“, „Puszta- Beat“, „Es war das Lächeln von dir“ und der Klassik-Adaption der „Barcarole“ von Offenbach (mit Theo am Altsaxophon). Vier Nachauflagen sollen damals gepresst worden sein. Schon ein Jahr später kam das Album „Für junge Leute“ auf den Markt („Glück und Musik“, „Fall nicht mit der Tür ins Haus“, „Blaue Stunde“, „Tina“).
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Abb.: Frühe Autogrammkarte und als Theos Jazz-Band 1977; die erste Amiga-LP von 1969 und Theos Jazz-Platte von 1981.

Fotos: Archiv

 Nach einem seiner noch heute bekanntesten Titel benannt erschien mit „Guten Abend, Carolina“ 1971 bereits die dritte Langspielplatte. Die vierte, 1977, finde ich auch noch in meinem Plattenschrank – „Tanz in Theos Beat-Bar“ mit Theos Jazz Formation (Theo, Friwi Sternberg, Jochen Kittan, Frank-Endrik Moll). In der Jazz-Reihe erschien bei Amiga dann 1981 ein Personality-Album „Theo Schumann“. Zwei Platten, die nach seinem frühen Tod herausgegeben wurden, wären noch erwähnenswert. „Theo Schumann Combo 64 bis 69“ (Label Grauzone, 1995) und die CD „Glück und Musik“, 2006 Sonny Music. Neben bereits veröffentlichten Hits nun auch mit zwei Titeln, aufgenommen 1965, die damals im „Giftschrank“ gelandet waren: Theos Adaptionen von „Satisfaction“ und „Wooly Bully“. In dem Film „Der Rote Kakadu“ von 2006 mit Originalsongs von Schumann im Soundtrack („Feuerland“, Puszta Beat“) wurden noch einmal Erinnerungen an den Beginn von Schumanns Karriere in jenem Klub wach.

Neben Bands wie den „Sputniks“, „Team 4“, der Horst-Krüger-Band oder dem „Franke Echo Qintett“ kann man Schumann getrost als Wegbereiter des Beat in der DDR bezeichnen. Sein letztes Konzert fand am 26. September 1989 im Hygiene-Museum Dresden statt, u.a. mit Konrad Körner und Pascal von Wroblewski.

Ingeborg Dittmann