Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 118

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit der Rockband BERLUC fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

BERLUC

 

Da brennt die Luft


Eigentlich gehören sie Deutschland weit zu den ältesten Rock(Beat)bands, denn es gibt sie schon seit den 1960-er Jahren. Doch Gründer und Chef von BERLUC, Dietmar Ränker, datiert die Geburtsstunde seines „Babys“ auf 1975. In den 60-ern seien sie über die Dörfer gezogen und hätten in der Besetzung Axel Stehr (Keyboard), Günter Briesenick (Gitarre), Dietmar Richter (Bass) und Dietmar Ränker (Schlagzeug) „nur“ Tanzmusik gemacht. Aber selbst das offizielle Gründungsdatum zöge im kommenden Jahr das 40-jährige Bandjubiläum nach sich. Da gibt es hierzulande nicht so viele Rockbands, die dieses Datum noch aktiv auf der Bühne erleben. Zumal mit solcher Power!

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Wer BERLUC vor sechs Jahren im Konzert auf der Parkbühne Biesdorf live erlebte, weiß, wovon ich spreche. Die Fans, die den „Rockern von der Küste“ seit Jahrzehnten die Treue halten, sowieso. Beim Blättern in alten Jahresbänden des „neuen leben“ stoße ich gleich auf drei Artikel über die Hardrocker. Im Mai 1981 lautete die Schlagzeile „Live geht der Ofen ab“. Die könnte auch reichliche 30 Jahre danach noch über diesem Beitrag stehen. Ansonsten sind die Jungs (wie wir alle) einfach älter geworden, obwohl man gerade dem Motor und Chef der Band, Dietmar Ränker, der gern einmal als ältester Rockdrummer im Guinnessbuch der Rekorde stehen würde, seine 75 auf gar keinen Fall ansieht. Freilich sind die Themen ihrer Songs vielfältiger geworden. Hatte es ihnen in den Anfangsjahren doch vor allem das Universum mit Sternen, Erde, Urgewalten angetan. Titel wie „Blaue Stunde“, „Hunderttausend Urgewalten“, „Fliegen vor der Zeit“, „Bermuda-Dreieck“ oder „Bernsteinlegende“ künden davon. Und ihr Song „Hallo Erde, hier ist Alpha“ hat BERLUC 1978 (in neuer Besetzung, u.a. mit Sänger Manfred „Manne“ Kähler) erst richtig bekannt gemacht. Geschrieben, noch bevor Sigmund Jähn unseren blauen Planeten vom Weltraum aus betrachtete, was dem Titel damals durchaus einen Popularitätsschub verlieh. Der Song belegte Spitzenplätze in den Hit-Paraden des DDR-Rundfunks. Was AMIGA 1979 dazu bewog, ein komplettes Album („Reise zu den Sternen“) zu veröffentlichen, das 1981 auch in der BRD bei Teldec erschien. Mit „Hunderttausend Urgewalten“ wagte sich AMIGA 1982 an eine zweite Langspielrille.

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Abb.: BERLUC in den 1980-er Jahren und heute. Fotos: nl-Archiv/
Lammel, Berluc
Einen Volltreffer landete BERLUC (der Name setzt sich aus den Wohnorten der damaligen Mitglieder, Berlin und Luckenwalde, zusammen) 1983 mit dem Song „No Bomb“, mit dem sie am Festival „Rock für den Frieden“ im Palast der Republik teilnahmen. Einer Zeit, in der die Gefahr einer Eskalation aufgrund des Wettrüstens zwischen Sowjetunion und den USA allgegenwärtig war. „No Bomb“ stürmte sämtliche Wertungssendungen und wurde „Hit des Jahres“. Ähnlich erfolgreich waren „Gradaus“ und „Die Erde lebt“, so dass 1985 bereits die dritte LP unter dem Titel „Rocker von der Küste“ in die Plattenläden kam.

Danach wurde es etwas ruhiger um die Band, was sicherlich auch den häufigen Umbesetzungen geschuldet war und 1990 dem Ende der DDR. Die Band fiel auseinander, die Musiker orientierten sich notgedrungen neu – wurden Musiklehrer oder gründeten kleine Unternehmen. Doch 1993 trommelte Ränker, der inzwischen (und bis heute) in Rostock eine Firma für Veranstaltungstechnik gegründet hatte, im wahrsten Sinne des Wortes BERLUC wieder zusammen. Nun in der Besetzung Ronnie Pilgrim (Gesang), Bert Hoffmann (Gitarre), Uwe Märzke (Keyboards), Tino Schuldheis (Bass) und Dietmar Ränker (Schlagzeug). Diese Besetzung blieb stabil, nur Schuldheis beendete 2012 seine immerhin 30-jährige Bandmitgliedschaft aus persönlichen Gründen, für ihn kam Uwe Carsten zurück, der schon mal 1981/82 dabei war. An die alten Erfolge anknüpfend veröffentlichte AMIGA/Sony Music 2010 zum „35“ die 2. und 3. LP nun auf CD, auch mit einigen neuen Songs.

BERLUC ist also auch weiterhin auf den Bühnen des Landes zwischen Thüringen und Rostock zu erleben (wenn auch seltener als früher und vorrangig im „hohen Norden“) und bei ihren Live-Konzerten brennt immer noch die Luft. So war es auch, als die Band am 22. August 2008 auf der Biesdorfer Parkbühne gastierte.

Ingeborg Dittmann