Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 130

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit den Original Saaletalern fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Die Original Saaletaler

 

Die sächsische Band mit dem Blasmusiktrend

Eine Musikrichtung, die in unserer Reihe bisher fehlte, repräsentiert eine Band aus Weißenfels, die in diesem Jahr ihr 45- jähriges Bestehen feiern kann: Die „Original Saaletaler“. 1970 von Peter Wolf und Gerhard Schmidt gegründet, avancierten die Saaletaler schon bald zu einer Spitzenformation volkstümlicher Musik. Ihr Erkennungszeichen: Stimmungsvolle Blasmusik, durchsetzt mit modernen Instrumentalklängen, Humor und manchmal auch etwas Klamauk. Ihre Absicht: Stimmung, Spaß und gute Laune zu verbreiten. Und dazu verhalfen ihnen neben entsprechenden Texten und ihrer Musik jede Menge Requisiten, Kostüme, Nebelscheinwerfer, eine Spezial-Lichtanlage, Gaginstrumente und auch mal ein Feuerwehrschlauch.

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Die Ur-Besetzung der Band: Wolfgang Ködel (Klavier, Trompete, Gesang), den die Saaletaler von der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar in ihre Reihen lockten. Der Leipziger Peter Oelschlegel (Gesang) führte als Sprecher durchs Programm. Wolfgang Fiebig war der Komiker der Band, die Ulknudel, die immer aus der Reihe tanzte. Gerhard Schmidt, der Chef, spielte Saxophon und Trompete. Peter Wolf, der Mann am Schlagzeug, war der Organisationschef der Truppe und schrieb neben Heinz Klembalski, Dagmar Blechschmidt und Klaus Fisch viele der Texte. Hits der Band wie „Der Winzer Adulek“, „Dauercamper“ oder „Wir sind die sächsische Band mit dem Blasmusiktrend“ stammen aus seiner Feder. saaletaler2.jpg saaletaler3.jpg 
Reiner Piechotta (Gitarre, Gesang), von Allen Leo genannt, war der jüngste Saaletaler. Er kam über Spielmannszug und Singeklub zur Band. Eckhard „Ecki“ Zinne (Trompete) stieß erst 1986 dazu und kümmerte sich als gelernter BMSR-Techniker um die Band-Technik. Walter Ipatiev (Bassgitarre, Tuba, Gesang), genannt „Ipse“, profilierte sich auch als Moderator der vielen Tanzveranstaltungen, die die „Original Saaletaler“ zwischen Suhl und Rostock bekannt machten. Er gehört noch heute zum „Team“, das nach 45 Jahren nur noch aus zwei Musikern besteht. Der zweite heißt Rudolf „Robby“ Mildner (Keyboards, Posaune, Akkordeon), als Komponist und Arrangeur der künstlerische Leiter der Saaletaler. Der ehemalige Ingenieur für Maschinenbau kümmerte sich auch um die Band- Technik und steuerte das „gruppeneigene Fahrzeug“. Die beiden suchen nun noch eine Sängerin. Republikweit bekannt wurden die „Original Saaletaler“ vor allem durch ihre Mitwirkung an diversen Unterhaltungssendungen des Fernsehens – vom „Oberhofer Bauernmarkt“ über „Musikanten sind da“, dem „Herbert-Roth-Festival“ bis zu „Im Krug zum grünen Kranze“. Rund 40 Rundfunkproduktionen können die Musiker vorweisen, darunter Songs wie „Am Tor zum Thüringer Land“, „Auf zur Rudelsburg“, „Gelobtes Jena“, der „Hühnerhof-Rock“, „Mein Naumburg“, das „Telelotto- Lied“, „Petri heil“ und natürlich „Wir sind die sächsische Band“. Eines ihrer erfolgreichsten Jahre war 1986, als sie beim „Oberhofer Bauernmarkt“ mit „Der Winzer Adulek“ den ersten Platz im Blasmusik-Wettbewerb gewannen. 25 Jahre danach war die CD mit dem Song Deutschland weit 100 000 Mal verkauft und die Saaletaler bekamen dafür die „Goldene Schallplatte“. Auch ihre 2010 erschienene CD „Kopfüber in den Spaß“ wurde ein Erfolg. saaletaler4.jpg
Abb.: 1986 gewannen die Saaletaler beim Oberhofer Bauernmarkt,
Walter Ipatiev und Rudolf Mildner 1987 vom Zeichner Klaus Vondra gemalt, die aktuele CD.
Fotos: Lippmann, privat

Insgesamt absolvierten die „Original Saaletaler“ 4500 Liveauftritte im In- und Ausland und hatten mehr als 100 TV-Auftritte. Auch heute stehen sie noch in kleiner Besetzung auf der Bühne, zum Beispiel beim „Sachsen-Anhalt-Tag“. Einen großen Hit landeten sie 1997 auch mit ihrer HFC-Hymne für den Hallenser Fußballclub. Ihr neustes Werk, das „Pro-Bier- Lied“, soll 2016 zum 20. Bierfestival als Hymne uraufgeführt werden (Text Klaus Fisch, Komposition Robby Mildner).

Ingeborg Dittmann