Musiklegenden des Ostens - jot w.d.-Serie. Teil 4

In der Juli-Ausgabe begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser - also in den 50er, 60er und 70er Jahren - Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. sprach mit Julia Axen, Mary Halfkath, Jenny Petra, Hartmut Eichler, Vera Schneidenbach, GünterGollasch, der Blues-Legende Jürgen Kerth, der Stern Combo Meißen und anderen. Wir setzen heute unsere Serie mit der in weiten Teilen der Welt bekannten Sängerin Vera Schneidenbach fort. Schreiben Sie uns, über welche Künstler Sie mehr erfahren wollen. Wir werden uns bemühen, Ihren Wissensdurst zu löschen.

Vera Schneidenbach

Die Plattenmillionärin des Ostens
Katze Pauline streicht uns um die Beine, doch als wir sie zum Foto mit Frauchen bitten, entschwindet der süße Stubentiger im üppigen Grün des Gartens. Der umgibt ein geschmackvoll eingerichtetes Haus am Rande von Berlin, dem man die liebevolle Hand der Gastgeberin ansieht. Dabei ist Vera Schneidenbach nur im "Nebenberuf' Hausfrau. Denn die vielseitige Sängerin, die ihre größten Erfolge in den 70er Jahren feierte, ist immer noch mit Leib und Seele Künstlerin. Allein nach der Wende, einer Zeit, als viele ihrer Kollegen in der Versenkung verschwanden, produzierte die Frau mit der adligen Vergangenheit (ihr Großvater war der russische Großfürst Nikolai von Jascheroff) mehrere CD's - u.a. mit deutschen und russischen Volksliedern. 

In den 60er und 70er Jahren war die in Warnemünde geborene Sängerin "der Exportschlager" der DDR, gab Gastspiele in 31 Ländern. In der Sowjetunion sang sie auf großen Bühnen vor 8000 Zuschauern, wurde zwölffache Plattenmillionärin, ohne selbst zu Reichtum zu gelangen. In der DDR mussten die Fans bis 1987 auf die eiste Scheibe warten: Mut bewies die Sängerin, deren Repertoire vom Schlager über Country- und Musical-Titel bis zu Seemannsliedern, Swing und Folklore reicht, als sie bei der TV-Show "Nacht der Prominenten" einen Salto auf dem Motorrad vollführte. 

Fast gar nicht verändert: Vera Schneidenbach in den 60-er Jahren und heute. In ihrem Haus in einer Hohenschönhausener Siedlung blätterte sie fiir jot w.d. einmal extra in ihren vielen Fotoalben. 

Fotos: Nachtmann, Dittmann, Archiv

Das würde sie sich heute nicht mehr zutrauen, doch die Bühne ist .für die 62-Jährige immer noch ihre Welt. "Man backt halt kleinere Brötchen", sagt Vera und meint damit, dass sie nun vor allem auf lokaler Ebene, so bei Veranstaltungen für Senioren oder Firmenjubiläen, Erfolge feiert. Auch in Marzahn und Hellersdorf ist die Künstlerin gern gesehener Gast bei verschiedenen Veranstaltungen, so unlängst bei der "Litfaßsäule" im Kulturforum Hellersdorf (jot w.d. berichtete). 

Die studierte Flugzeugbauingenieurin, die sich vor rund 35 Jahren ganz der Musik verschrieb, ist auch privat gern mit ihrem Mann Axel (Verkehrsplaner im Berliner Senat) "on tour". Besonders gern im hohen Norden - in Norwegen oder Schottland. 

 

"Singe jeden Tag ein Lied" heißt eine ihrer Platten - und ihr Lebensrezept. Dass es auf der demnächst erscheinenden CD amerikanische Swingtitel (,,mit großem Orchester") sein werden, zeigt eine weitere musikalische Farbe der stets gut gelaunten Künstlerin aus Hohenschönhausen.

Ingeborg Dittmann