Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 27

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe mit der Sängerin Regina Thoss fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

Regina Thoss

 Die Milva des Ostens

Zwischen ihrem ersten wirklichen Hit „Die erste Nacht am Meer“ (1966) und ihrer Jubiläumsgala am 7. Oktober 2006 im Freizeitforum Marzahn mit den „Evergreen Juniors“ liegen mehr als 40 Jahre. Es gibt nicht viele Künstler, die nach so langer Zeit vom Publikum noch immer enthusiastisch gefeiert werden. Regina Thoss, die in diesem Sommer ihren 60. Geburtstag feierte, zählt zu diesen wenigen. Ihre rote Mähne, ihr Temperament, vor allem aber ihre großartige Stimme brachten ihr den Beinamen „Milva des Ostens“ ein.

Die aus Zwickau stammende Künstlerin hat ihr Handwerk von der Pike an gelernt. Bereits mit 12 stand sie zum ersten Mal auf der Bühne. Das war bei einem Pressefest in Chemnitz . Seitdem stand ihr Traumberuf fest. Sie wollte Sängerin werden. In der Oberschule dann wurde ihr Gesangstalent entdeckt. Da wagte sie sich bereits an russische und französische Chansons und Operetten, nahm Klavier und Gesangsunterricht. Kein Wunder, dass der Talentevater Heinz Quermann auf Regina aufmerksam wurde. Das „Herzklopfen“ hatte sie kostenlos und mit dem Abi fast gleichzeitig ihren Berufsausweis als Sängerin in der Tasche.

 

 

Mal rassig, mal romantisch – Regina singt, wie hier in diesem Sommer auf der Parkbühne Biesdorf, immer voller Hingabe.

Dass die gerade mal 20-Jährige dann beim Schlagerfestival der Ostseeländer 1966 in Rostock die DDR vertrat, war einem Zufall zu verdanken. Doch der sollte ihr weiteres Leben kräftig auf den Kopf stellen. Denn die Debütantin gewann mit dem Lied „Die erste Nacht am Meer“ ihren 1. internationalen Preis. Nach einer privaten Berufspause (Regina bekam einen Sohn) ging’s Schlag auf Schlag. Erste Plattenproduktionen bei „Amiga“, Engagements bei vielen großen Veranstaltungen, Fernsehen, KGD-Tourneen im In- und Ausland mit ihrer Band, den Evergreen Juniors. Seit Mitte der 80er Jahre tourte die Sängerin auf diversen Luxuslinern durch die halbe Welt.
Als „Deutschland einig Vaterland“ über uns kam, ging es der gestandenen Sängerin wie vielen ihrer Ostkollegen. Ehemalige Arbeitgeber wie Konzert- und Gastspieldirektionen wurden abgewickelt, Kulturhäuser geschlossen. Doch Regina Thoss, die Krebs-Frau, biss sich durch. Mehr als ein halbes Dutzend CD’s mit alten und neuen Songs hat sie nach der Wende aufgenommen, sie sang in einem Kindermusical, gestaltete gemeinsam mit Kolleginnen „Das Zickenkränzchen“, trat in Seniorenheimen und Schlager-Galas mit Ostkünstlern auf, die der bekannte Berliner Entertainer Siggi Trzoß organisierte

 

 

Bereits vor 40 Jahre war Regina, nach dem Erfolg ihrer Platte, auf großer Tournee.

Fotos: Nachtmann, Archiv

In Roland, dem Leipziger Rechtsanwalt, fand Regina nach so langer Suche endlich auch die große Liebe, von der sie in so vielen Liedern sang. In diesem Jahr gaben sich die Beiden auf der Trauminsel Hawaii das Ja-Wort.

Nun hat Regina Thoss sogar ein Buch geschrieben. Kürzlich erschien im Eulenspiegel-Verlag ihre Autobiografie „Nur die Liebe zählt“. Dass die sympathische Sängerin für den Rückblick auf ihr Leben gerade diesen Titel wählte, kommt wohl nicht von ungefähr. Die Liebe zu ihrem Beruf, zu ihrem Publikum hat sie über all die Jahre begleitet. Dass sie, mit fast 60, nun auch privat die „ganz große Liebe“ fand, verleiht ihr neue Flügel in diesem ganz besonderen Jahr 2006: 40-jähriges Bühnenjubiläum, eine Buchpremiere und eine ganz romantische Hochzeit mit ihrem Roland, einem Leipziger Rechtsanwalt, auf der Trauminsel Hawaii. Was will man mehr!

„Ich gerade immer an die falschen Männer“ titelte noch Anfang 2004 eine Illustrierte ein Interview mit Regina, in dem sie ihren „Traumpartner“ so beschrieb: Ich wünsche mir einen eher bescheidenen, stillen Typ.

Dass dieser (ihr heutiger Ehemann) schon seit vielen Jahren „da“ war, seit 1975 als Fan viele Konzerte der Thoss besuchte, doch sich stets im Hintergrund hielt, wusste sie zu dieser Zeit noch nicht. Sie ahnte es wohl aber doch: Ihre CD aus dem Jahre 2000 trägt den Titel „Die Liebe kommt leise“.

Ingeborg Dittmann