Urlaub am weißen Strand und eine Lektüre, die begeistert

Die Kabarettistin Dagmar Gelbke verliebte sich auf Sardinien in Kakteen und schaute den Sarden hinterher

Wo mit dem Erzählen beginnen nach diesem schönen Urlaub auf Sardinien, wo das Wasser wirklich glasklar ist und die Strände weiß und endlos sind und die Touristen fast ausschließlich Italiener. Schnell hinfahren, bevor die Neureichen aus Russland einfallen. Ich kann es nur empfehlen. Auch, wenn meine mitgereiste Kollegin Christine meinte: Hier ist ja der Hund verreckt! Ja, man muss es sich vorstellen wie Bulgarien vor dreißig Jahren, ein bissel hinter dem kapitalmachenden Mond. Eine Bahnfahrt von Olbia (Flughafen) nach Cagliari (340 km) kostet 12,40  Euro. Die Länge des Zuges wird dem Fahrgastaufkommen angepasst; meist ist es nur ein Triebwagen, der sich vier Stunden lang durch die Berge schiebt. In den Supermärkten der sardischen Touristenzentren hat man den Kapitalismus natürlich schon verstanden, aber man kann nur 5 km weiter im Hinterland hervorragendes hausgemachtes Essen zu ländlichen Preisen genießen.

Anfangs hatten wir eine Ferienwohnung mit Familienanbindung, links der Schwiegersohn, rechts Mama und Papa, am Wochenende Familientreff von ca. 15 Personen mit deutlicher, lautstarker Aussprache, so dass ich meine Italienischkenntnisse wirklich verbessern konnte. Als unsere Dritte im Bunde ankam (Anita Rehm aus Erika Meiers Buch „Einfach leben – hüben wie drüben“), mussten wir die Zimmer wechseln und hatten freien Blick übers Meer. Noch nie zuvor hatte ich übrigens so viele wild wachsende, mit Früchten überladene Kakteen gesehen. Früchte, aus denen man wunderbare Marmeladen macht. Sollte mal bei Jauch gefragt werden: Was ist die Lieblingsfrucht von Frau Gelbke? Sie gewinnen die Million, wenn sie auf „Kaktus“ tippen! Ich bin besessen von diesen Kakteen. Anita hat sie mir einmal zum Frühstück gepflückt, unter großen persönlichen Opfern.

Ach ja, und Männer, die dort Sarden heißen, gab es natürlich auch. Haben alle irgendwie was von Bruce Willis - nämlich keine Haare. Und Emilio, ein siebzigjähriger Fischer, hat gefragt, wann ich wiederkomme, um zu lernen, wie man Kaktusmarmelade kocht… Na, ist doch ein netter Ausblick auf das lustige Rentnerdasein…

„Ach so ist das“

Zu Hause erwartete mich eine Überraschung: Das Buch „Ach so ist das?!“ von Lutz Hoff, dem einstigen „Schätzen Sie mal“-Moderator, meinem treuen Mitstreiter bei der „Helga-Hahnemann-Revival- Show“, lag im Briefkasten. Und es ist ein Klasse-Buch. Lutze hat neumalkluge Plaudereien über die Welt aufgeschrieben, faßt gut recherchierte, historische Fakten sowie eigenes Empfinden und Erleben in witzigen, lehrreichen Geschichten zusammen und ist dabei nie vordergründig der Fernseh- Entertainer, der er einmal war (und eigentlich auch noch sein könnte). Um ihn und seine Karriere geht es so gut wie gar nicht. Das ist richtig angenehm zu lesen bei all der Selbstdarstellungsliteratur, mit der wir überflutet werden. Bei Lutz Hoff geht es um die Frage, wie viele Stacheln hat ein Igel, wie viele Meter Schnur sind in einem Fußballnetz verarbeitet, wie war das, als der letzte Trabi vom Fließband lief. Er sinniert über das Bett, Champagner und Rotkäppchen-Sekt, über Orkane, Taschentelefone, Heirat, Post, Weihnachten, Eisenbahn... In liebevollen Anekdoten erwähnt er natürlich auch Ehefrauen, Kinder, Enkel und andere Mitmenschen. Man lernt während der Lektüre, selbst als gelernter DDR-Bürger, viel dazu oder man erinnert sich, versteht Zusammenhänge und denkt: „Ach so war das!“

Damit ist das Erstlingswerk von Lutz Hoff auch etwas, was man seinen Enkeln vererben sollte, in Ost und West. Gerade, weil es kein politisches Buch ist, sondern „nur“ ein allzu menschliches. Denn immer noch treffe ich Menschen, die ihre Sicht auf die Geschichte im einstmals geteilten Deutschland ausschließlich aus Springerpresse-Sicht interpretieren, obwohl sie sich als „Linke“ bezeichnen.

Ich habe mich übrigens für die jot w.d.-Leser um zwei Freiexemplare von „Ach so ist das?!“ (EulenspiegelVerlag, 9,90 Euro) gekümmert. Aber ihr müsst schon das Preisrätsel auf Seite 16 lösen. Viel Erfolg,

Eure Daggie

P.S. Am 21. Oktober, 16 Uhr, trete ich mit dem Kabarett-Programm „Wandmalerei mit Teufel“ in der „Galerie M“ auf. Wer sich an meinen scharfzüngigen Kartoon- Partner Hendrik Gröll erinnert, kann ihn dort wieder erleben.