Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 39

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit der Sängerin Aurora Lacasa fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Aurora Lacasa

Singen als "zweite Nachspeise"

 

„Lyrisch und engagiert“ – so war ein Beitrag über Aurora im „neuen leben“ vom Juli 1974 überschrieben. Das stimmt noch heute, 33 Jahre danach. Sie sieht auch beinahe immer noch so aus wie damals. Als sie zum Beispiel mit Frank auf der Bühne Schlager sang oder auf dem Bildschirm musikalisch mit Frank, Odette und Dominique „Weihnachten in Familie“ feierte. Sie ist halt ein Typ, wiedererkennbar im Äußeren und „Inneren“. Ihre Haltung, ihre Sicht auf die Welt, ihr Engagement – da hat sich nichts geändert in dieser Gesellschaft, wo Kunst all zu oft mit Kommerz verbunden wird. Schade, denn auch das ist ein Grund, weshalb Aurora vorerst nicht mehr mit ihren Musikern aus Lateinamerika tourt und sich deshalb beim Talk „Wenn die Neugier nicht wär“ am 8. September in der FFM-Studiobühne mit nur einem musikalischen Begleiter „zeigte“ – dem hervorragenden Alfredo Portillo an der Harfe. Die sechsköpfige Band ist einfach zu teuer für Veranstalter. 

  

 

Aurora hat sich im Vergleich zu 1974 gar nicht so sehr verändert, oder?

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. In Wirklichkeit werden für Stars und Sternchen hohe Gagen gezahlt. Vor allem, wenn sie aus westlichen Gefilden kommen und die Schlagzeilen der Boulevardpresse beherrschen. Mit Qualität hat das oft weniger zu tun. „Mir liegt diese Ellenbogengesellschaft nicht“, sagt Aurora. Einer der furchtbarsten Sätze für sie: Das rechnet sich nicht. „Ich passe in kaum eine TV-Sendung, mache keine Quote. Das ist schade, aber nicht schlimm.“ 

Um so erfreulicher, dass eine Künstlerin wie sie nach längerer Pause (sie pflegte Mutter und Vater in Spanien bis zu deren Tod) vor drei Jahren wieder den Weg zur Bühne fand. Die Musikalität bekam die Tochter spanischer Emigranten in die Wiege gelegt. „Singen war bei uns zu Hause quasi die zweite Nachspeise“, erinnert sich die Künstlerin, die mit ihren Eltern 1956 in die DDR kam. Geboren wurde sie in Paris, in Budapest ging sie zur Schule, in Berlin wuchs sie auf. „Meine Mama sprach mit uns Kindern französisch, wenn sie wütend war, Spanisch und Deutsch lernte ich in Berlin.“ Die Sprachen beherrscht sie noch heute, Spanisch vor allem. 

Auroras Bühnenkarriere begann einst im Berliner Oktoberklub. Die Verbindung knüpfte Mama im Zug nach Sofia, wo sie Mitglieder des OK traf, die zu den Weltfestspielen reisten. „Meine Eltern waren für den Weltbund der demokratischen Jugend unterwegs“, erzählt die Sängerin, die mit dem Titel „Wenn die Wandervögel ziehn“ bekannt wurde. Oftmals stand sie auch mit ihren privaten Partnern und Kollegen Thomas Lück und Frank Schöbel auf der Bühne. Damals sang sie internationale Folklore, auch Schlager („darunter auch schlechte“, gibt sie zu). Heute singe sie nur noch „was aus dem Herzen und der Seele kommt“, sagt Aurora. „Senora Dona Maria“, „Geh so wie du kamst“ oder „Nie ohne deine Liebe“ heißen einige der Titel, die auf ihrer CD „So ist mein Lied“ zu hören sind. 

Kompromisse der Karriere wegen sind nichts für eine Frau wie sie („Ich sag sowieso immer, was ich denke.“) Auch privat ist die Sängerin nach ihrer Scheidung von Frank Schöbel endlich wieder glücklich. 

Mit Partner und Manager Jürgen Krajewski lebt sie im Brandenburgischen auf dem Land, umgeben von Ziegen und viel Natur. Die Großstadt mit ihrer Hektik fehlt ihr nicht. „Ich liebe Regen und Wind und die Stille.“ Ihre Töchter Odette (28) und Dominique (30) stehen längst die mit dem Titel „Wenn die Wandervögel ziehn“ bekannt wurde. Oftmals stand sie auch mit ihren privaten Partnern und Kollegen Thomas Lück und Frank Schöbel auf der Bühne. Damals sang sie internationale Folklore, auch Schlager („darunter auch schlechte“, gibt sie zu). Heute singe sie nur noch „was aus dem Herzen und der Seele kommt“, sagt Aurora. „Senora Dona Maria“, „Geh so wie du kamst“ oder „Nie ohne deine Liebe“ heißen einige der Titel, die auf ihrer CD „So ist mein Lied“ zu hören sind. Kompromisse der Karriere wegen sind nichts für eine Frau wie sie („Ich sag sowieso immer, was ich auf eigenen Füßen. Odette studiert in Dresden Bühnenbild und möchte vielleicht einmal Puppenspielerin werden. 

Auf dieser 1976 erschienen Schallplatte waren bereits viele Hits, die Aurora bis heute singt; etwa „Wenn die Wandervögel zieh’n“ oder „Nimm den Zug, der Sehnsucht heißt“.

 Fotos: Dittmann, Archiv

Dominique studierte an der Berliner Hochschule für Musik Gesang und trat beruflich in die Fußstapfen ihrer Eltern. Kürzlich stand sie sechs Monate lang im Friedrichstadtpalast in der Abba-Revue auf der Bühne. Familie und Freunde sind für die Künstlerin das Wichtigste überhaupt. Wenn alle zusammenkommen, dann steht Aurora stundenlang in der Küche und kocht – am liebsten französische oder spanische Gerichte. 

Ingeborg Dittmann