Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 74 

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit dem Komponisten und Musiker Horst Krüger fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Horst Krüger

 

Der Komponist, der täglich im Fernsehen war

 Das macht dem im Dezember 1942 in Berlin geborenen Musiker wohl keiner so schnell nach: Jeden Tag im Fernsehen. Jedenfalls „indirekt“. Was wohl die wenigsten wissen werden: Horst Krüger komponierte den „musikalischen Vorspann“, auch Jingle genannt, der Aktuellen Kamera. Und die ging ja jeden Tag zur Abendbrotzeit über den Sender. Mancher erinnert sich vielleicht auch noch an beliebte Radiosendungen wie „Von 7 bis 10 in Spreeathen“ oder „Was ist denn heut bei Findigs los?“. Auch die Jingles zu diesen Sendungen schrieb Krüger. 

 
Doch eigentlich gehört der heute 67-Jährige zu den wesentlichen Wegbereitern der DDRRockmusik und hat als Bandleader, vor allem aber als Komponist die Rock- und Popszene der DDR über Jahrzehnte mit geprägt. Sein gesamtes musikalisches Schaffen beläuft sich inzwischen auf weit über Tausend Kompositionen, darunter zahlreiche Film- und Hörspielmusiken. Einen der besten Titel der D D R - R o c k g e schichte, die „Tagesreise“, wird man wohl immer mit der „Horst Krüger Band“ verbinden, obwohl die Komposition nicht von ihm, sondern von Michael Heubach stammt, der Mitglied seiner Band war und später zur Gruppe „Lift“ ging. 
Auch andere Musiker mit Namen spielten zwischen 1968 und 1976 im Horst-Krüger-Sextett (später – Septett, ab 1973 „Horst-Krüger- Band“) - etwa Heinz-Jürgen „Gotte“ Gottschalk, Benno Pennsler („Horst & Benno“), Bernd Römer (Karat), Tamara Danz und natürlich seine spätere Ehefrau Gerti Möller.   
 

Abb.: Horst Krüger mit Gerti Möller heute und 1969, Krüger 1976 und heute, 2 Singles aus den 70-ern. 

Fotos: Dittmann, Schorsch, Archiv

Begonnen hatte alles schon in frühster Jugend. Nach seiner Lehre als Maurer begann er als Schlagzeuger, dann als Bassgitarrist beim „Berluc-Quartett“. Mit 19 wurde er Mitglied des legendären Klaus-Lenz-Sextetts, spielte Bass und versuchte sich auch als Sänger. Bis Mitte der 60-er war er mit der Lenz-Big-Band unterwegs. Eine gute Schule für einen, der mit den Noten anfangs auf Kriegsfuß stand, wie man während seiner kurzen „Episode“ als Bassist und Orchesterwart beim Erich-Weinert-Ensemble der NVA schnell bemerkte. 1965 schloss er sich dem Wolfgang- Brandenstein-Ensemble an und gründete 1968 dann seine eigene Band – mit Gerti, die er gleich zwei Mal heiratete. Doch auch das zweite Mal ging schief, was nicht heißt, dass beide nicht weiter beruflich zusammen arbeiteten (etwa im „Unternehmen Münchehofe“), Horst ihr Titel, auch für ihre LP „Ich bin eine Frau“ schrieb. Und heute stehen beide wieder gemeinsam auf der Bühne (siehe jot w.d. 6/2010).

 1976 löste Krüger seine damalige Band auf, weil er sich stärker dem Komponieren und Arrangieren widmen wollte und Pläne für andere Projekte hatte, etwa die Rock-Oper „Rosa Laub“ (nach einem Libretto von Waltraud Lewin), die dann am Theater Rostock aufgeführt wurde. Zu dieser Zeit hatte er schon mehrere Singles bei Amiga produziert und einige LP wie „Horst Krüger & Ensemble“ oder „Geh durch die Stadt“ (1972). Im Ergebnis dessen war im September 1973 die „Horst-Krüger- Band“ entstanden – mit zwei Bläsern und einem dreistimmigen Damenchor (Gaby Merz, Sylvia Kottas, Brigitte Goldner, später Tamara Danz). Mit einer Studioband nahm er ab 1976 etliche Titel beim Rundfunk auf, schrieb für das Fernsehballett und komponierte Filmmusiken. Für kurze Zeit kehrte er Anfang der 80-er Jahre noch einmal als „Horst Krüger Live Band“ auf die Bühne zurück. Danach widmete er sich wieder seiner kompositorischen Arbeit, schrieb Titel u.a. für Jürgen Walter, Eva Maria Pieckert, Gonda Streibig oder Anke Schenker. Viele seiner eigenen Lieder, v.a. aus den 70- er Jahren, sind noch heute im Ohr – von „Sand im Schuh“ über „Hast du vielleicht geweint“ bis zu „Da ist ein Feuer“ oder „Als die Sonne kam“. Sein neustes Lied brachte er unlängst in Hellersdorf zu Gehör – das „Rentnerlied“. Heute lebt Horst Krüger mit seiner Lebensgefährtin, einer ehemaligen Rundfunkproduzentin, in Neuenhagen bei Berlin. 

Ingeborg Dittmann