gelbke1.jpg Vom Tanz im Pub zu Lady Bifi, Karl und Prinz Toni
Kabarettistin und jot w.d.-Kolumnistin Dagmar Gelbke holt nach Italien
und Schottland wieder der Alltag in Berlin ein und startet noch mal durch
Nach Italien und diesem Traum von Schottland mit seinen wunderbaren Pubs, in denen alle Altersklassen zu Livemusik singend und tanzend ohne schiefe Blicke wie eine große Familie die Sorgen und den Regen vor der Tür stehen lassen, hatte mich der Stress in Berlin gleich wieder. Einen meiner Hobbits habe ich entlassen und mich um einen neuen Untermieter gekümmert. Wahrscheinlich zieht ein junger Kurde ein, der mit einem Einser- Abitur an der Charité Medizin studieren wird. Oder eine Türkin aus Istanbul, die Ingenieurin werden will, ihr Auslandssemester in Berlin machen wird und hier keine Verwandten hat.

Außerdem habe ich drei Katzen im Haus, von denen Lady Bifi, die meines Kabarett-Chefs Wolfgang Flieder, die zickigste ist. Sie braucht nur einen der beiden Kater zu sichten, schon schreit und faucht sie wie eine Jungfer vor dem ersten Mal. Karl Gelbke, der Neue, die Fressmaschine, die sogar rohe Kartoffelschalen nicht verschmäht, und Prinz Toni von meiner Tochter Paula haben sich irgendwann arrangiert und sogar mein Bett geteilt. Wann aber Bifi wieder nach Frankfurt (Oder) darf, steht in den Sternen, weil unser Flieder noch in Acapulco auf seine Ausfliegung wartet.

Ich musste dann ja auch wieder etwas tun, um meine Reiserei finanzieren zu können: Lesung in Leipzig, was ich lange nicht gemacht hatte. Und danach dachte, ich sollte endlich wieder ein neues Buch schreiben, weil der Austausch mit dem Publikum bei Lesungen doch am intensivsten ist. Dann auch wieder Kabarett mit Gert Kießling. Das macht solchen Spaß, dass wir, sobald auch ich in Rente bin, uns ein neues, eigenes Programm schreiben lassen sollten. Und „Mugge“ mit den bereits aus dem Urlaub zurückgekehrten „Oderhähnen“ in einem Dorf bei Ziesar, was Uwe Karpa (bekannt aus „Alpha-Team“) seit einigen Jahren organisiert. Von Jahr zu Jahr locken wir da mehr Zuschauer an, die uns (was selten in Frankfurt passiert) mit Standing Ovations ehren, so dass wir glauben: Ja, auch als Rentnerkabarett können wir hier noch zu Ruhm und Ehre kommen, auch ohne Fernsehstars zu sein.

Und ich musste zur mündlichen Prüfung für mein Fernstudium nach Hagen. Der Zug fuhr kurz vor sechs Uhr morgens, die Prüfung war um elf und erfolgreich: Note 2,3. Ja, man merkt schon im Vorfeld, ob man mit den Professoren kann – Frau Prof. Schmieder war stets offen und kreativ bei der Beantwortung meiner fragenden Emails und hatte nach dem 45-minütigen, spannenden Prüfungsgespräch nur einen Hinweis: Zweifeln Sie nicht an Ihren Theorien. Geschichte ist nur Theorie, weil wir nicht wirklich wissen können, wie es war. Ja, nun noch vier Prüfungen, dann die Bachelorarbeit, ich freu mich drauf.

Aber jetzt erhole ich mich erst noch einmal am Strand von Formentera, lese den „Falschen Nero“ von Feuchtwanger (welch’ guter Schreibstil), lasse die Koalitionsverhandlungen in Deutschland selbige sein. Paula ist bei mir, und obwohl wir eigentlich nicht bei unserer Freundin Marianne in ihrem „umweltfanatischen“ Haus wohnen wollten (Pipi im Garten, Duschen nur einmal in der Woche etc.), sind wir doch bei ihr gelandet, denn unter der Wohnung, die wir gemietet hatten, befindet sich ein Striptease- Club, aus dem bis morgens vier Uhr die Bässe dröhnen. Also: Letzte Urlaubsgrüße anno 2013 sende ich ins vor-winterliche Deutschland. Nicht neidisch sein.

Eure Daggie 
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Vorsicht bei der Heimkehr: Hier werden Rocker stets und ständig durch die Sicherheitsorgane überprüft. Also lieber das Fahrrad nehmen.